04.08.2021 - 14:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Neuer Stützpunkt soll Familien im Landkreis Tirschenreuth den Rücken stärken

Passgenaue Angebote soll es für möglichst viele Lebensumstände und Altersgruppen geben. Jetzt wird das Projekt Familienstützpunkt im Landkreis Tirschenreuth in Angriff genommen.

Wo Kinder sind, ist Familie. Deren Stärkung in den unterschiedlichsten Lebenslagen soll die Einrichtung eines Stützpunktes fördern.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Familienstützpunkte sind erste Kontakt- und Anlaufstellen für Eltern. Sie bieten Hilfe für die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Familiensituationen. Bereits seit 2013 gibt es ein entsprechendes Förderprogramm in Bayern. Nun plant auch der Landkreis Tirschenreuth konkrete Schritte zur Umsetzung.

"Elternbildung in Familienstützpunkten ist klassische Prävention", unterstrich Jugendamtsleiter Emil Slany, als er das Projekt im Jugendhilfeausschuss näher vorstellte. Mit dem vom Freistaat geförderten Projekt wolle man möglichst alle Familien erreichen.

Fachkraft für Familienbildung

"Bevor über Standorte und Personal gesprochen wird, ist eine zweijährige Konzeptphase vorgesehen", informierte Slany. Diese Zeit starte jetzt, um ein bedarfsgerechtes Programm für den Landkreis zu entwickeln. Als Pluspunkt bei der Entscheidung führte der Jugendamtsleiter an, dass die Einrichtung in den ersten beiden Jahren keine Mehrausgaben im Jugendhilfehaushalt verursache: Die Personalkosten für 15 Wochenarbeitsstunden werden durch Fördermittel voll gedeckt. In der Konzeptionsphase fließen vom Freistaat 40 Euro pro Kind und Monat, bezogen auf die Geburtenzahlen des Vorjahres. Die sozialpädagogische Fachkraft ist am Jugendamt angesiedelt. Nach zwei Jahren wird über das weitere Vorgehen und die finanziellen Auswirkungen entschieden.

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises hatte sich bereits im Juni für Familienstützpunkte ausgesprochen. Dem folgte der Kreisausschuss einstimmig. Zu den Argumenten zählte, dass es bisher keine Fachkraft für Familienbildung gibt. Teilweise mit dem Thema betraut sei die Koordinierende Kinderschutzstelle (Koki), doch hier sei die Zielgruppe auf Schwangere und Kinder bis drei Jahren begrenzt.

Bessere Vernetzung

Auch sei die Familienbildung nicht originäre Aufgabe der kommunalen Jugendarbeit, die sich im Netzwerk "Bündnis für Familie" bisher damit befasst habe. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Hier entstand eine Grundlage für den Netzwerkausbau", sagte Landrat Roland Grillmeier. Wie der Beschlussvorlage zu entnehmen war, gibt es im Landkreis über 20 Träger, die teilweise sehr unterschiedliche Schwerpunkte im Angebot für Familienbildung setzen. Eine bessere Vernetzung werde auch von Fachkräften im Jugendamt gefordert.

Man habe vieles im Landkreis, was Familien unterstütze, bekräftigte Bernd Sommer (CSU) seine Zustimmung zum Familienstützpunkt. "Aber die Angebote sind nicht allen bekannt." Sein Kollege Franz Stahl sah 15 Stunden in der Woche eher als zu knapp bemessen für die Aufgabe: "Das kann nur ein Einstieg sein." Günter Kopp (Liste Zukunft) hoffte, dass die verwaltungstechnischen Aufgaben nicht im Vordergrund stehen: "Entscheidend ist die praktische Hilfe für Familien."

Im Nachbarlandkreis werden drei Familienstützpunkte aufgebaut

Wunsiedel
Hintergrund:

Aufgaben der Familienstützpunkte

  • Die Anlaufstellen sollen konkrete Angebote der Eltern- und Familienbildung vorhalten und mit anderen sozialen Einrichtungen gut vernetzt sein.
  • Für die breite Zielgruppe Familie sollen geeignete Zugänge geschaffen werden, um einen gelingenden Alltag zu fördern und die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
  • Ziel sind bedarfsgerechte Angebote für alle Familien unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen, sozialen Milieus und Formen des Zusammenlebens.
  • Der Blick soll weg von defizitorientierter Sichtweise hin zum helfenden Angebot gehen.
  • Mit dem wissenschaftlich begleiteten Förderprogramm, das der Freistaat seit 2013 anbietet, werden bereits über 60 Prozent der Kinder eines Geburtsjahrgangs erreicht.

"Entscheidend ist die praktische Hilfe für Familien."

Kreisrat Günter Kopp (Liste Zukunft)

 

 

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