19.01.2021 - 16:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Privilegien für Geimpfte? Geteilte Meinungen im Landkreis Tirschenreuth

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Mit Corona-Impfung ins Kino oder Restaurant? Ohne nicht! Der Vorschlag von Außenminister Heiko Maas kommt nicht überall gut an. Auch Politiker und Betroffene im Landkreis Tirschenreuth sind sich nicht einig.

Noch ist in Deutschland nicht genügend Impfstoff vorhanden, damit sich jeder der möchte, auch impfen lassen kann. Der Vorstoß von Außenminister Heiko Maas, Geimpften Sonderrechte einzuräumen, stößt aber jetzt schon auf viel Widerstand.
von Armin Eger Kontakt Profil

Außenminister Heiko Maas (SPD) ist am Wochenende vorgeprescht. Er hat in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" gefordert, Corona-Geimpften früher als anderen den Besuch von Restaurants oder Kinos zu erlauben. Aber erst dann, wenn abschließend geklärt sei, dass Geimpfte andere nicht infizieren können, sagte er. "Was aber klar ist: Ein Geimpfter nimmt niemandem mehr ein Beatmungsgerät weg. Damit fällt mindestens ein zentraler Grund für die Einschränkung der Grundrechte weg", bekräftigte Maas. Er erinnerte auch an die Betreiber von derzeit geschlossenen Restaurants, Kinos, Theater oder Museen: "Die haben ein Recht darauf, ihre Betriebe irgendwann wieder zu öffnen, wenn es dafür eine Möglichkeit gibt. Und die gibt es, wenn immer mehr Menschen geimpft sind."

Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. So hat das Bundesgesundheitsministerium den Vorstoß des Außenministers zurückgewiesen. "Eingriffe in Freiheitsrechte müssen immer gut begründet sein", hatte ein Sprecher des Ministeriums verkündet. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte Maas deswegen scharf kritisiert.

Und wie sieht es ein direkt Betroffener in der Region? "Momentan bringt so eine Maßnahme sicher noch nichts. Die Geimpften machen ja nur einen Promillebereich aus", sagt Michael Neidhardt, der Kinos in Tirschenreuth und Marktredwitz betreibt und seit Wochen seine Betriebe geschlossen halten muss. "Selbst wenn mehr geimpft sind, kann man das nicht machen, dass es Vorteile für einige gibt. Das geht nicht." Auch würden die Filmverleiher sicher nicht mitmachen und die Filme unter solchen Voraussetzungen auch nicht ins Kino bringen.

"Ohne Impfung kommen wir nicht mehr aus diesem Dilemma raus."

Toni Dutz, Bürgermeister von Wiesau

Nachdem der Urlaub das Wichtigste für die Deutschen sei und es vielleicht nur möglich ist, wenn man geimpft sei, wegzufahren, "kommt die Impfpflicht hintenrum", ist Neidhardt sicher. "Dann sind plötzlich alle bereit." Er lässt sich auf jeden Fall impfen. "Das ist 100 Mal besser, als Corona zu kriegen."

Für Gabriele Hofmann, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Tirschenreuth, ist der Maas-Vorschlag keine Option: "Das geht nicht durch, das funktioniert nicht." Denn zunächst würden die über 80-Jährigen geimpft und das Pflegepersonal. "Aber wer kommt in die Gastronomie? Nur junge Leute holen momentan das Essen ab." Hofmann blickt alles andere als optimistisch in die Zukunft, denn 72 Prozent der Betriebe seien wegen der Corona-Pandemie auf der Kippe. Die laufenden Kosten seien einfach nicht mehr zu decken, meint sie.

"Ich bin der Meinung, dass der Vorschlag von Maas ernsthaft diskutiert und eingehend geprüft werden sollte", sagt Toni Dutz, Bürgermeister von Wiesau und Vorsitzender des Ausschusses für Kreisangehörige Verbandsmitglieder des Bayerischen Städtetages. Er finde es schlimm, dass, wenn einer einen Vorschlag mache, egal von welcher Partei, alle über ihn herfallen.

Selbst wenn mehr geimpft sind, kann man das nicht machen. Das geht nicht.

Michael Neidhardt, Kinobetreiber in Tirschenreuth und Marktredwitz

Wenn wissenschaftlich erwiesen sei, dass ein Geimpfter niemanden mehr anstecken kann, müsse darüber gesprochen werden. „Ohne Impfung kommen wir nicht mehr aus diesem Dilemma raus“, so Dutz. „Auf jeden Fall“, so seine Antwort auf die Frage, ob er sich impfen lassen wird. „Aber da ich im Frühjahr schon mit Corona infiziert war, bin ich jetzt nicht hektisch deswegen. Wenn ich dran bin, bin ich dabei.“

Skeptisch ist SPD-Kreisvorsitzende Brigitte Scharf. "Wie soll man das regeln, wie überprüfen?", hinterfragt sie den Maas-Vorschlag. "Es ist sicher rechtlich nicht zu schaffen." Aber wenn es so weitergehe, sei es für sie durchaus vorstellbar, dass es eine Impfpflicht geben müsse. Sie sei dabei: "Ich warte auf die Impfung. Wenn ich endlich dran bin, bin ich happy", sagt die 63-Jährige.

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