19.02.2021 - 15:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schulen im Kreis Tirschenreuth bleiben zu: "Langsam geht allen die Luft aus"

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Die Inzidenzzahlen sind unverändert hoch. So bleiben im Landkreis Tirschenreuth am Montag Schulen und Kindertageseinrichtungen weiter geschlossen. Der Druck auf die Familien wächst.

Die Klassenzimmer im Landkreis bleiben auch nächste Woche verwaist. Es gilt weiter der Distanzunterricht für die Mädchen und Buben an allen Schulen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Seit 16. Dezember 2020 sind die Schulen und die Kindertageseinrichtungen im Landkreis Tirschenreuth geschlossen. Das bleibt auch nächste Woche so, teilte das Landratsamt am Freitag mit. Nur die Notbetreuungsgruppen bleiben geöffnet. Der Distanzunterricht gilt auch weiter für die Abschlussklassen. Betroffen ist die Q12 des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth und eine Abschlussklasse des Beruflichen Schulzentrums Wiesau.

Davon ausgenommen sind Prüfungen und zugehörige Prüfungsvorbereitungen in dem dafür jeweils angemessenen Umfang und notwendige praktische Vorbereitungsarbeiten hierfür, soweit diese nur in den Räumen der Schule möglich sind. Zusätzlich haben diese Schüler und Lehrer einen negativen Corona-Test vorzuweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Zwei Wünsche

"Die Inzidenzwerte im Landkreis sind richtig hoch. Da ist es richtig, dass weiter nur Distanzunterricht angeboten wird", sagt Tim Domeyer. Wenn die Werte unter 100 sinken, könne man über Präsenzunterricht nachdenken, meint der 15-jährige Kreisschülersprecher aus Kulmain. Er wisse allerdings, dass vor allem Schüler mit Konzentrationsschwächen Probleme haben, wenn sie nicht dem Lehrer gegenüber sitzen können.

"Ich denke, man lernt zu Hause schon weniger und man hat Nachteile", sagt Domeyer, der die 9. Klasse der Mittelschule Kemnath besucht. Ein großes Problem seien die fehlenden sozialen Kontakte. "Wir treffen uns zwar mit einer Person, was ja erlaubt ist, der Rest läuft über Apps." Zwei Wünsche hat der 15-Jährige, wenn es in den Schulen wieder losgeht: "Die Lehrer sollten ein Impfangebot bekommen und die Schüler regelmäßig getestet werden."

Eltern zunehmend überfordert

Kein Licht am Ende des Tunnels in Bezug auf Schulöffnung sieht Martin Gallersdörfer, Elternbeiratsvorsitzender der Grund- und Mittelschule Erbendorf. "Die Inzidenzwerte bei uns sind jenseits von Gut und Böse", sagt der 38-Jährige. "Dabei wäre es so wichtig, dass die Kinder wieder in die Schule gehen können." Es gebe derzeit keine Leistungsnachweise, man kann nicht einschätzen, wo die Kinder stehen, so Gallersdörfer. "Es wird immer schwieriger, die Konzentration hochzuhalten. Langsam geht allen die Luft aus. Der Staat erwartet schon fast Unmenschliches von Lehrern, Eltern und Kindern", sagt der Familienvater. Die Eltern seien zunehmend überfordert. "Wie soll ich erklären, warum der Stichling irgendwelche Bakterien frisst?", fragt Gallersdörfer. "Da muss ich schon Biologe sein, um das den Kindern zu erklären."

Die Drucksituation auf die gesamte Familie nehme zu. "Man muss sich terminlich absprechen, möchte im Job alles gut machen, aber zu Hause mit den Kindern genauso", sagt der Zollbeamte. Noch seien seine Kinder - die sechsjährige Luisa geht in die erste Klasse, der zehnjährige Niklas in die vierte Klasse - sehr duldsam. "Das geht jetzt schon seit Dezember mit dem Distanzunterricht so. Ich muss den Hut ziehen vor den Kindern", sagt der 38-Jährige. Ein großes Problem werden die fehlenden sozialen Kontakte werden. "Die sind so wichtig bei der Entwicklung der Kinder. Der soziale Schaden wird sehr groß sein", ist Gallersdörfer sicher.

Stillstand im Elternbeirat

Ähnlich sieht das Silke Rosner, Elternbeiratsvorsitzende an der Mittelschule Waldsassen und Mutter von der 14-jährigen Mara und dem 16-jährigen Timo. "Mein Schulabschluss war vor 25 Jahren. Ich kann meinen Kindern nicht weiterhelfen", sagt die Krankenschwester. "Der Stoff sollte in der momentanen Situation auf das Wesentliche gekürzt werden. Ist es wichtig, die Gebirgszüge von Amerika zu kennen? Ich glaube nicht."

Rosner hat die Beobachtung gemacht, dass ihre 14-jährige Tochter Mara an der Situation gewachsen sei. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man online genauso alles vermitteln kann wie beim Präsenzunterricht", sagt die Krankenschwester. Der Austausch im Elternbeirat sei in der Pandemie sehr eingeschränkt. "Wir hatten immer fünf bis sechs Veranstaltungen pro Schuljahr. Wir haben die Schule finanziell viel unterstützt. Aber jetzt ist die Kasse leer, weil wir nichts mehr machen können."

Einblicke in den digitalen Schultag

Kemnath

„Die Lehrer sollten ein Impfangebot bekommen und die Schüler regelmäßig getestet werden.“

Kreisschülersprecher Tim Domeyer

Kreisschülersprecher Tim Domeyer

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