04.08.2021 - 11:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Unterbewusstes auf die Leinwand gebannt

Junge Kunst, mitten in der Kreisstadt präsentiert: Der 26-jährige Nachwuchskünstler Tobias Ziegler von der Betzenmühle bei Plößberg stellt in der Kunstgalerie am Damm bei Aquarellmaler Rudi Jäger erstmals seine Werke aus.

Tobias Ziegler von der Betzenmühle bei Plößberg hat eine professionelle Ausbildung als Designer an der Fachschule für Produktdesign Selb hinter sich. In seiner Heimat zeigt er nun öffentlich seine ersten Gehversuche als Maler und Skulpturenkünstler.
von Ulla Britta BaumerProfil

Tobias Ziegler schwingt den Pinsel ebenso schwungvoll auf der Leinwand wie er die Flex über dem Baumstamm bewegt. Arbeitet er an einer Holzskulptur, muss er natürlich besser aufpassen. Die Elektrosäge ist ein anderes Kaliber als der Pinsel, wenngleich bei Zieglers Werken in beiden Fällen Kunst das Ergebnis ist.

Ausgleich zum Alltag

Verschiedene Techniken und Materialien, von Holz über Leinwand bis hin zu Fotodruck und Grafikdesign: Der 26-jährige ehemalige Schüler der Fachschule für Produktdesign in Selb probiert sich aus. Aber nicht für einen beruflichen Werdegang als Künstler. Obwohl Tobias Ziegler eine professionelle Ausbildung als Designer hat und gerade seine ersten Gehversuche als Maler und Skulpturenkünstler macht, macht der Plößberger Kunst zum Ausgleich vom Alltag, wie er sagt.

Was dabei entsteht, kann sich durchaus sehen lassen und ist momentan auch öffentlich zu sehen. Tobias Ziegler stellt in "Rudis Galerie am Damm" erstmals seine Werke in seiner Heimat aus. Einmal, erzählt Ziegler, habe er in der "Etage 4" an seiner Fachschule bereits ausgestellt. Aber das zähle nur so halb. Die Ausstellung mit dem Titel "Systemrelevant" ist also schon eine Art Premiere für den jungen Künstler. Rudi Jäger, renommierter Aquarellmaler aus Tirschenreuth, hat es sich zum Ziel gesetzt, Gastausstellern - auch Nachwuchskünstlern - in seiner Galerie am Damm ein Forum in der Kunstszene zu bieten.

Bei der Vernissage an einem lauschigen Sommerabend vergangene Woche mischten sich Jung und Alt beim Betrachten der Werke, beim Fachsimpeln mit den Künstlern und beim lockeren Gespräch draußen vor der Galerie. Unter Zieglers Gästen befinden sich auch zwei seiner ehemaligen Lehrer aus Selb. Robert Steidl, jetzt in Ruhestand, und Jürgen Heindl freut der Erfolg ihres Schülers. Wobei Heindl durchaus auch jetzt noch kritisch Zieglers Arbeiten beurteilt. Was der junge Mann gern zulässt.

Schon als Kind gerne gemalt

Er habe schon als Kind leidenschaftlich gern gezeichnet, erzählt der 26-Jährige von den Anfängen. Was seine Mutter Petra Ziegler nur bestätigt. Sie ist natürlich beim großen Tag ihres Sohnes dabei und sagt lachend, er habe noch über keinen Tisch schauen können, als er schon malte. Den obligatorischen "Einser mit Stern" im jährlichen Schulzeugnis in Kunst kann das Nachwuchstalent aber nicht vorweisen. "Mal so, mal so. Das kam immer auf den jeweiligen Kunstlehrer an", sagt der Künstler und lacht verschmitzt. Dass es der junge Mann in die Berufsfachschule für Design nach Selb geschafft hat, ist aber allein schon eine Talentbestätigung. Denn die Aufnahmekriterien für diese Fachschule sind hoch.

Zieglers Weg führte dennoch nach der Ausbildung nicht in Richtung Profi-Künstler. Er ging nach Australien und nach England, um in Stoke-on-Trent bei Manchester sein Masterstudium in "Industrial Design" zu absolvieren. Aktuell arbeitet er als freiberuflicher Grafiker und Produktdesigner. Beruflich stellt sich der junge Mann aus Plößberg eine Mischung aus Design und Kunst vor. Es gebe durchaus Schnittstellen. "Kunst mache ich, um den Kopf frei zu kriegen, neue Ideen zu entwickeln und kreativ zu bleiben", sagt er.

Besonders das Visionäre hat es ihm dabei angetan. Das Unterbewusste - Dinge, die niemand plant, aber dennoch geschehen - wolle er mit seiner Malerei ans Licht bringen. Sein Arbeitsmaterial sind die Grundtechniken in Acryl, manchmal auch Ölfarben. "Und meine Bilder werden immer größer", staunt Ziegler selbst darüber, was man aus sich herausholen kann.

Bilder brechen aus ihm heraus

Und wie entstehen seine Bilder? "Ich male Gefühle. Ich überlege mir nie, was ich male. Ich mache drauf los. Dann kommt was dabei heraus", lautet die spontane Antwort. Deutlich wird das in Motiven, die dem Betrachter gerade zu "entgegentanzen" oder aber eindeutig am PC-Bildschirm entstanden sind. Kunst am Laptop zu machen sei praktisch, erklärt Ziegler. So könne er auch im Flugzeug oder im Zug praktizieren. Er nutzt die modernen Möglichkeiten gerne. Ebenso aus dem Bauch heraus also darf Zieglers Kunst gesehen und auch betrachtet werden. Der junge Künstler lässt den Pinsel einmal emotional und spontan schwingen, oder aber er probiert sich bewusst aus - wie bei der Holzkunst.

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Mehr zur Ausstellung

  • Die Ausstellung "Systemrelevant" von Künstler Tobias Ziegler ist bis bis 1. September in Rudi's Galerie am Damm zu sehen
  • Zur Besichtigung muss ein Termin telefonisch vereinbart werden bei Rudolf Jäger, Handy 016090398448, oder bei Tobias Ziegler, Handy 015229471759.
  • Infos gibt es auch auf der Homepage www.rudi-jaeger.de oder per E-Mail ZIGY.Design[at]web[dot]de.

„Kunst mache ich, um den Kopf frei zu kriegen, neue Ideen zu entwickeln und kreativ zu bleiben.“

Tobias Ziegler (26)

 

 

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