08.07.2021 - 12:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Weniger Katholiken und Priester: Dekanate Tirschenreuth und Kemnath/Wunsiedel werden eins

Die Zahl der Gläubigen geht zurück. Auch an Priestern mangelt es. Das Bistum legt deshalb einige Dekanate zusammen. Betroffen sind auch die Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel. Die beiden Dekane erläutern die Hintergründe.

Das Bistum legt Dekanate zusammen. Betroffen sind auch die Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel.
von Armin Eger Kontakt Profil

Die Katholiken werden weniger, bei den Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeitern gehen die Zahlen ebenfalls zurück. Das sind unter anderem Gründe dafür, dass einzelne Dekanate zusammengelegt werden. Dazugehören die katholischen Dekanate Tirschenreuth und Kemnath/Wunsiedel.

Dekanat Tirschenreuth/Wunsiedel lautet ab dem 1. März 2022 der Name, der bis dahin noch getrennten Dekanate, dazu gehören auch einzelne Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth. Es wird eines der größten Dekanate in der gesamten Diözese sein. Deshalb wird es neben einem Diakon auch mehrere Pro-Dekane geben, einer davon aus der Diaspora.

Verzögerung durch Corona

Schon für den Herbst vergangenen Jahres geplant, erfolgt die Umsetzung coronabedingt einige Monate später. Die Dekanatsreform wurde von einer Arbeitsgruppe im Bischöflichen Ordinariat vorbereitet. Es folgten Gespräche in der Ordinariatskonferenz, der Regionaldekanekonferenz, der Dekanekonferenz und dem Priesterrat, wo der Plan verabschiedet wurde. Das letzte Wort hatte Bischof Rudolf Voderholzer.

Hintergrund für die Zusammenlegungen sei der Abschluss der Pastoralen Planung aus den Jahren 2000 bis 2004, erklärt Pressesprecher Jakob Schötz vom Bistum Regensburg. Die damals geplanten Pfarreiengemeinschaften seien weitgehend umgesetzt. Es zeige sich nun, dass manche Dekanate aufgrund der umgesetzten Planung so wenig Personal haben, dass alle Ämter und Dienste, die in einem Dekanat anfallen, kaum noch zu besetzen seien. "In den kommenden Jahren muss aufgrund des Priestermangels auch eine neue Runde mit Planung weiterer Pfarreiengemeinschaften eingeläutet werden. Das geschieht sinnvollerweise in der neuen Verwaltungsstruktur", so Schötz.

Dekane und Regionaldekane werden für größere Verwaltungseinheiten (Dekanate, Regionen) zuständig sein. Wege verlängern sich, Konferenzen werden größer, Visitationen werden umfangreicher. Das seien sicher Nachteile, so der Pressesprecher. Da es sich um eine Verwaltungsstrukturänderung handelt, ändere sich für die Gläubigen durch die Dekanatsreform nichts. Dekanatssitz sei weiter die Pfarrei des Dekans. Es gebe keinen festen Dekanatssitz. Der Dekanatsreform werde sich bis Ende 2023 die Neuordnung der Pfarreiengemeinschaften anschließen, so Schötz.

Von 33 auf 15 reduziert

"Wir vor Ort wurden ebenfalls gehört", sagt der Dekan von Tirschenreuth, Pfarrer Thomas Vogl. Er sieht in dem Schritt, die Dekanate von 33 auf 15 zu reduzieren, eine Notwendigkeit. "Die Zahl der Katholiken wird immer weniger. Es sind ungefähr ein Prozent pro Jahr", sagt der Stadtpfarrer von Waldsassen. Das erfordere eine räumliche Zusammenlegung der Dekanate. Es sei ein sehr moderater Weg, was die Größe der Einheiten betreffe und im ersten Schritt werde das keine Auswirkungen auf die Gläubigen haben. Eventuell müssten aber neue Pfarreien gebildet werden.

Vogl betreut in seinem Dekanat 25 Pfarreien mit knapp 30 Priestern und 38.700 Katholiken. Es sei nur durch ausländische Priester möglich, Pfarreien aufrecht zu halten, wenngleich es im Bistum Regensburg noch relativ gut aussehe. Acht Männer seien kürzlich erst zu Priestern geweiht worden. "Das ist erfreulich", so Vogl.

Seine Amtszeit endet zwar mit der Reduzierung der Dekanate zum 1. März 2022, aber er werde als kommissarischer Dekan zunächst die Geschäfte weiterführen, bis die neuen Dekane bestimmt sind. "Die Priester aus dem Dekanat schlagen drei Kandidaten vor, der Bischof entscheidet", weiß der Pfarrer.

Mit einer Eingabe an das Bistum habe man zu den Plänen Bedenken geäußert, erklärt Dekan Johann Klier. In seinem Dekanat Kemnath/ Wunsiedel sind 30 Pfarreien mit 28 Priestern und 41.100 Katholiken. Es werde ein großes Gebilde mit großen Entfernungen, die zurückzulegen seien mit verschiedenen Landkreisen, sieht Klier durchaus Bedenken. "Wir möchten natürlich, dass der Lebensraum Diaspora in der Dynamik erhalten bleibt", sagt der Stadtpfarrer von Selb. "Es muss sich alles erst entwickeln."

Pro-Dekan übernimmt

Da Klier zum 1. September als Seelsorger ans Klinikum Weiden wechselt, wird bis zum Zusammenschluss der Dekanate Pro-Dekan Josef Triebenbacher von der Marktredwitzer Pfarrei Herz-Jesu sein Amt übernehmen. In die Pfarrei Selb kommt der 31-Jährige Thomas Fischer, der bisher Kaplan in Abensberg war. "Ich war jetzt 13 Jahre in Selb und möchte noch einen Schritt weiter gehen, mit fast 60 Jahren", sagt Klier. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht."

Das Bistum hat eine ähnliche Strukturveränderung bereits im Jahr 2000 hinter sich gebracht. Damals wurden die ehemals 45 Dekanate auf 33 reduziert. Auch wenn es anfänglich Widerstände dagegen gegeben habe, hätten sich die neuen Dekanate doch schnell gefunden und dann effektiv zusammengearbeitet, erinnert Bistumssprecher Schötz. "Das erwarten wir auch diesmal, auch wenn die neuen Dekanate große Einheiten mit weiteren Wegen sein werden."

Auch die Dekanate Weiden, Neustadt und Leuchtenberg werden zusammengelegt

Weiden in der Oberpfalz
So sieht das künftige Dekanat Tirschenreuth/Wunsiedel aus.
Hintergrund:

Zahlen zu den beiden Dekanaten

  • Dekanat Kemnath/Wunsiedel: 30 Pfarreien mit 28 Priestern und 41.100 Katholiken
  • Dekanat Tirschenreuth: 25 Pfarreien mit knapp 30 Priestern und 38.700 Katholiken

„Die Zahl der Katholiken wird immer weniger. Es sind ungefähr ein Prozent pro Jahr.“

Der Tirschenreuther Dekan Thomas Vogl

Der Tirschenreuther Dekan Thomas Vogl

 

 

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