16.11.2021 - 13:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wissen um die Karpfenteiche in Bayern weitergeben

Welche Bedeutung die Karpfenteichwirtschaft in Bayern hat, zeigt die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe. Damit verbunden sind aber auch Hoffnungen der Teichwirte und des Heimatministers.

Die Karpfenteichwirtschaft hat in Bayern und speziell im Landkreis Tirschenreuth eine lange Tradition. Die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe hebt dies noch einmal hervor.
von Konrad RosnerProfil

Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern wurde bereits 2020 in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Bisher hatte aber die Corona-Pandemie die Übergabe der Aufnahmeurkunde verhindert. Dies wurde nun nachgeholt.

„Immaterielles Kulturerbe, das sind lebendige Traditionen, die ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln und Identität stiften. Die Tradition der Karpfenteichwirtschaft in Bayern zeigt, traditionelles Wissen um Natur und Landwirtschaft ist auch heute hochaktuell“, sagte der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker bei der Feierstunde im Museumsquartier in Tirschenreuth.

In Bayern gebe es rund 30.000 Karpfenteiche, die in ihrer Fläche die Hälfte der Teichflächen in ganz Deutschland ausmachen. Die Oberpfalz und Franken seien örtliche Schwerpunkte. "Ein herzliches Dankeschön allen, die sich für dieses kulturelle Erbe einsetzen und engagieren, um den Weiterbetrieb und Erhalt der arbeitsintensiven Teichwirtschaft zu ermöglichen“, betonte Füracker. Die Teichwirtschaft sei für den Landkreis Tirschenreuth von ganz besonderer Bedeutung. „Wir haben hier eine Kulturlandschaft mit mehr als 4500 Teichen, die in ganz Europa einzigartig ist. Darauf sind wir sehr stolz“, so der Minister. Es werde hier ein Erbe gepflegt, das es schon seit mehr als 1000 Jahren gebe.

Komplexe Zusammenhänge

Nicht verstehen könne er in diesem Zusammenhang, dass man in dieser Kulturlandschaft schädliche Tiere akzeptieren müsse und nicht bejagen dürfe. Darüber ärgere er sich auch persönlich als Landwirt. „Ich möchte Sie alle motivieren: Bitte geben Sie nicht auf“, wandte sich Füracker mit einem direkten Appell an die Teichwirte.

Großes Lob zollte der Politiker dem Landkreis Tirschenreuth für seine Entwicklung in den vergangenen Jahren. „Ihr habt enorm an Selbstbewusstsein zugelegt und tragt es auch nach außen. Das ist einfach toll.“ Und er ergänzte, offenbar mit Blick auf die Diskussion der vergangenen Tage zur Vergabe der Stabilisierungshilfen: „Wer nur stetig jammert, der bekommt keinen Besuch mehr.“

Die Teichwirtschaft habe in Bayern und vor allem im Landkreis Tirschenreuth eine lange Tradition. In Bayern gebe es rund 8500 Teichwirte, die in 13 regionalen Teichgenossenschaften und 3 Fischerzeugerringen beheimatet seien. Die Handwerkskunst und das Wissen um die komplexen Zusammenhänge von Boden, Wasser und Aufzucht werde von Generation zu Generation weitergegeben. Das Museumsquartier in Tirschenreuth mit dem Fischereimuseum und das Aischgründer Karpfenmuseum in Neustadt an der Aisch würden diese Tradition einem breiten Publikum vermitteln. Füracker wies auch darauf hin, dass die Karpfenteichwirtschaft auf Vorschlag Bayerns 2021 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

Hilfe von der „großen Politik“

Im Namen der Fischerei- und Teichbesitzer hatte Hans Klupp zu Beginn der Feierstunde zahlreiche Ehrengäste begrüßt. Darunter die beiden Bezirksräte Brigitte Scharf und Toni Dutz, Landrat Roland Grillmeier, Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl und Bernhard Feneis, Präsident des Verbandes der deutschen Binnenfischerei und Aquakultur. Der Schönfichter Klupp nahm als Vertreter der Teichwirte auch die Urkunde entgegen. Er betonte, dass sich die Teichwirte über diese besondere Wertschätzung sehr freuten, überzeugten sie doch seit "langer, langer Zeit" mit einer beeindruckenden Kulturleistung. Die Teichwirtschaft werde seit Jahrhunderten gepflegt. Des weiteren würden sich die Teichlandschaften durch ihre artenreiche Vielfalt auszeichnen. Der Landkreis und die Teichwirte bräuchten allerdings auch weiterhin die Unterstützung aus der „großen Politik“.

Das Kulturerbe Karpfenteiche besser schützen

Tirschenreuth
Heimatminister Albert Füracker (Dritter von links) überreichte die Aufnahmeurkunde zum immateriellen Kulturerbe. Mit dabei waren (von links) Landrat Roland Grillmeier, Bürgermeister Franz Stahl, Teichwirt Hans Klupp sowie die beiden Bezirksräte Brigitte Scharf und Toni Dutz.
Hintergrund:

Das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes

  • Immaterielles Kulturerbe sind lebendige Traditionen, wie zum Beispiel Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste, überliefertes Wissen und traditionelle Handwerkstechniken, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und Kontinuität vermitteln.
  • Das Landesverzeichnis hat momentan 56 Einträge, darunter die traditionelle Karpfenteichwirtschaft.
  • Aktuell läuft die fünfte Bewerbungsrunde zum Eintrag in das Bayerische Landesverzeichnis. Noch bis zum 30. November können Gruppen, die eine kulturelle Ausdrucksform praktizieren, beim Heimatministerium die Aufnahme beantragen. Kontakt: Beratungs- und Forschungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern, E-Mail ike[at]volkskunde.badw[dot]de, Telefon 089/51556144. Weitere Informationen: www.ike.bayern.de.

 

 

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