26.02.2021 - 15:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die Zahnarztpraxen füllen sich wieder

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Beim Zahnarztbesuch kommen sich Patient und Behandler sehr nahe. In Pandemiezeiten für viele ein Grund, auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen zu verzichten. Warum das nicht sein muss, erklären drei Ärzte aus dem Kreis Tirschenreuth.

Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind auch in Pandemiezeiten wichtig. Die Zahnärzte bestätigen, dass trotz Corona ein Besuch in der Praxis gefahrlos möglich ist.
von Armin Eger Kontakt Profil

Das Informationszentrum Zahn- und Mundgesundheit (IZZ) weist die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus in den Zahnarztpraxen zurück und verweist auf die hohen Hygienestandards. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, bestätigt auf der Internetseite, dass es seit Ausbruch der Corona-Pandemie keine nennenswerten Infektionszahlen in Zahnarztpraxen gegeben habe. Und alle Zahnärzte heben immer wieder hervor, wie wichtig die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen seien.

Voriges Jahr 50 Prozent weniger

"Man braucht keine Angst zu haben", beruhigt der Tirschenreuther Zahnarzt Dr. Peter Sammüller. "Ich verstehe aber auch alle, die momentan auf einen Zahnarztbesuch verzichten." Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 meldete die Bundeszahnärztekammer bei der Auslastung der Praxen einen Rückgang von mehr als 50 Prozent. Diese Erfahrung musste auch Dr. Sammüller machen, der in der Kreisstadt eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Michael Hubrich betreibt. "Es war schon sehr deutlich voriges Jahr, es herrschte große Zurückhaltung. Aber das ist jetzt wieder besser", sagt er. "Aber trotzdem sind vor allem Ältere zurückhaltend. Sie sind besorgt und verschieben nicht notwendige Behandlungen auf den Sommer."

Strenge Hygienevorschriften

Ein Zahnarztbesuch zur Vorsorge und auch Zahnreinigungen seien jedoch unbedenklich möglich, so der Tirschenreuther Mediziner. "Wir haben schon immer strenge Hygienevorschriften, auch schon vor Corona, die wir konsequent umsetzen. Wir vergeben Termine so, dass sich nur wenige Leute im Wartezimmer aufhalten. Wir lüften regelmäßig und desinfizieren alles. Das ist sehr aufwendig."

Das Wichtigste aber sei die Befragung der Patienten vor dem Besuch, ob sie Symptome zeigen oder Kontakt mit Covid-19-Patienten hatten. "Für Covid-Positive gibt es Schwerpunktpraxen, bei uns in Weidenberg und in Regensburg. Aber im absoluten Notfall behandeln wir auch in unserer Praxis", so der Arzt. "Das kann jede Praxis für sich entscheiden. Wir sind dann komplett vermummt, tragen einen Einmalschutzanzug und hinterher muss alles gründlich gereinigt und desinfiziert werden."

„Ich glaube, dass bei einem Kirchenchor, der voll losschmettert, die Gefahr von Aerosolen größer ist.“

Zahnarzt Frank Träger

Nicht alle impfbereit

Da Zahnärzte und ihre Teams in die zweite Prioritätengruppe der Impfverordnung eingeordnet worden sind, gleichauf mit niedergelassenen Ärzten, hatte auch die Tirschenreuther Praxis schon einen Termin. Sieben von den zehn Praxismitarbeitern haben die erste Dosis bekommen. "Am Samstag werde ich geimpft", sagt der Mediziner, der im März 2020 selbst Corona-positiv getestet worden war

"Bei uns läuft alles recht normal", bestätigt Frank Träger von der zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis Träger/Dr. Daniel Hösl in Kemnath. Neun Prozent weniger Patienten waren es im Januar und Februar bisher, im Vergleich zum Vorjahr. Aber das seien die normalen Schwankungen. "Uns ist also nicht langweilig", so Träger. Zahnreinigungen werden ebenfalls durchgeführt. "Ich glaube, dass bei einem Kirchenchor, der voll losschmettert, die Gefahr von Aerosolen größer ist", sagt Träger. Auch die Fachportale würden bestätigen, dass es bei Zahnbehandlungen zu keinen Ansteckungen gekommen sei.

80 Prozent des Praxispersonals sei am Samstag im Impfzentrum in Waldsassen geimpft worden. "Also ein sehr guter Schnitt", findet Träger. "Einige zeigten leicht Symptome wie Schüttelfrost. Aber am Montag waren alle in der Arbeit."

Aus allen Altersschichten

Nicht unter Volllast geht es in der zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis Koch/Arbter in Waldsassen zu. "Wir sind bei 80 Prozent", sagt Dr. Wolfgang Koch. Diejenigen, die auf eine Vorsorge verzichten, sind in allen Altersschichten zu finden. Auffällig viele sind es bei den 40-bis 50-Jährigen, bestätigt Koch. "Aber die Hygienevorschriften sind bei uns Zahnärzten ja schon immer extrem hoch, und vielleicht spricht es sich herum, dass wir es gut machen und so die Leute die Angst verlieren." Die Zahnreinigung sei in der Waldsassener Praxis jedoch vorerst „auf Eis gelegt worden“. Denn hier sei die Gefahr der Aerosole besonders groß, erklärt Koch. „Wir müssen das jetzt mal ausloten und wenn die Inzidenz unter 200 ist, sehen wir weiter.“

Sein Kollege Klaus Arbter und zwei Praxismitarbeiterinnen seien am Samstag geimpft worden. "Wir haben das aufgesplittet, weil wir nicht wussten, wie die Reaktionen sind und wir nicht beide flachliegen wollten." Die Geimpften hätten am Sonntag Symptome gezeigt, seien aber jetzt wieder fit. Von den Mitarbeitern wolle sich nur die Hälfte impfen lassen. "Das muss jeder für sich entscheiden", so Koch.

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