26.10.2020 - 15:51 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Jugendherberge Trausnitz kämpft mit Corona-Folgen

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Wieder eine Absage: 80 Personen sollten am Wochenende in der Jugendherberge Burg Trausnitz eintreffen, gerade haben sie storniert. Die Corona-Pandemie trifft die Einrichtung schwer, aber es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Die Jugendherberge in Trausnitz kämpft sich tapfer durch die Corona-Pandemie. Vor allem die Burg mit den großen Zimmern für Gruppen tut sich schwer, die Anforderungen in Sachen Hygiene zu erfüllen, und viele Schulklassen haben heuer storniert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Zahlen sprechen Bände: 18 000 Übernachtungen zählte die Jugendherberge in Trausnitz im vergangenen Jahr. Heuer, nachdem Covid-19 zugeschlagen hatte, waren es nur rund 5000. "Das Steckenpferd von Trausnitz sind einfach Schulklassen, und die sind heuer fast alle ausgeblieben", sagt Albert Götz, der seit einigen Monaten die erkrankte Herbergsleiterin vertritt. Er selbst betreut normalerweise eine Jugendherberge in Kelheim. Doch die ist seit März ganz geschlossen, weil sie eben nur für Gruppen geeignet ist. 1993 hat er die Jugendherberge als Aufgabenfeld gewählt, doch solche Zeiten sind für ihn neu. "Es gibt mal schlechtere, mal bessere Jahre, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", gesteht der 59-Jährige. "Früher mal hat man sich über die Absage einer einzelnen Gruppe aufgeregt, das ist jetzt ein Witz."

Knackpunkt Sanitäranlagen

Bei der Unterbringung von Gästen spielen vor allem Sanitäranlagen eine Rolle. Duschräume für eine ganze Gruppe, diese Lösung war wegen der Ansteckungsgefahr tabu. "Das trifft vor allem das Burggebäude mit 14-Bett-Zimmern und großen Sanitäranlagen", berichtet Götz. Die Chance dieser Herberge liege nun in dem Feldschlösschen nebenan, wo es kleinere Sanitär-Einheiten gibt, die einzelnen Zimmern zugeordnet werden können. "Das kann allerdings die Belegung durch Schulklassen nicht ausgleichen", räumt der Herbergsleiter ein.

Unangemeldete Goldsteig-Wanderer

Immerhin, die Sommergäste waren zufrieden. Viele Familie nutzten das Angebot, und der Herbergsleiter staunte nicht schlecht über eine Reihe unangemeldeter Gäste, die als Goldsteig-Wanderer eine Unterkunft suchten. "Phasenweise konnten wir trotz freier Betten gar nicht alle aufnehmen, eben wegen der Sanitäranlagen", sagt Götz. Die Burgfreizeiten waren komplett ausgebucht, so mancher Gast, der für den Aufenthalt seine mittelalterliche Ausrüstung im Gepäck hatte, kam ganz gut auf seine Kosten.

"Glücklicherweise haben wir viele schöne große Aufenthaltsräume", hebt der Herbergsleiter die Vorteile in Trausnitz hervor. Aktuell profitieren davon knapp 40 Schüler. "Dabei ist der Oktober eigentlich ein ganz starker Monat", seufzt der Chef, und wirft einen Blick auf die Buchungen im Computer. "Wenn es gut geht, haben wir in 14 Tagen eine Schulklasse aus Prag hier, aber ich glaube nicht, dass die kommen."

Fragezeichen bei Silvesterfreizeit

Hinter jede Buchung für die insgesamt 140 Betten könnte der 59-Jährige derzeit ein Fragezeichen setzen. Hinter die Silvesterfreizeit genauso wie hinter die Klassensprecher-Seminare, die ab Januar für ein volles Haus sorgen sollten. Längst hat man bei der Jugendherberge auch die Stornierungbedingungen angepasst. Konnte man vorher bis zwei Monate vor dem Termin noch absagen, so sind es jetzt zwei Wochen.

Sollten Gäste aus einem Hotspot nicht anreisen dürfen, dann geht es auch noch kurzfristiger. In solchen Fällen bleibt die Jugendherberge nicht selten auf den bereits eingekauften Lebensmitteln sitzen, der komplette Dienstplan muss neu geschrieben werden. "Ein Jahr könnten wir so vielleicht noch überleben", spekuliert Götz, "aber wenn nochmal ein Shutdown kommt, dann wird es schwierig".

So dramatisch sah es im März bei der Jugendherberge aus

Trausnitz

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer. "Die Vorausbuchungen laufen gut", sagt Herbergsleiter Götz. Und er weiß auch, wie viel Rückhalt die Jugendherberge im Ort genießt. "Die Trausnitzer kümmern sich da total, die sind sehr rührig", weiß der Vertreter aus Kelheim. Und immerhin einen Vorteil hat die Gemeinde, wenn die Einrichtung nicht voll ausgebucht ist: Die Kemenate, das mittelalterliche Frauengemach, ist dann einfacher zu haben. Dort wird dann zwar nicht gewohnt, aber standesamtlich getraut.

Hintergrund:

Bildungsort entzerrt den Schulbetrieb

Der Rettungsschirm "Corona-Programm Soziales" hat nach dem Lockdown im März Schlimmeres verhindert: Diese Feststellung traf kürzlich der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH). Der Verband sah sich "am Rand der Insolvenz". Die wirtschaftliche Notlage war deshalb so groß, weil Jugendherbergen als gemeinnützige Beherbergungsbetriebe nur in geringem Umfang Rücklagen bilden dürfen, und die waren im Mai 2020 fast vollständig aufgebraucht. Nur dank des Rettungsschirms habe man die vollständige und unwiederbringliche Auflösung des Jugendherbergswerks Bayern verhindern können, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Freistaat gibt es 58 Jugendherbergen, deren betriebswirtschaftliche Basis von den Verantwortlichen allerdings als "durch die Corona-Pandemie weiter massiv geschwächt" beurteilt wird. Bei einer zweitägigen Hauptversammlung in Nürnberg ging es auch um ein Trägerkonzept, das Jugendherbergen stärker als bisher als hochprofessionelle Bildungsorte fördern soll. Auch um den Schulbetrieb in der Pandemie räumlich und personell zu entzerren, stünden die Jugendherbergen zur Verfügung. Ein Lob gab es schon mal von der Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolin Trautner. Sie sieht die Jugendherbergen unter anderem als wichtigen Partner auf dem Gebiet der Jugendarbeit. (bl)

Das Steckenpferd von Trausnitz sind einfach Schulklassen, und die sind heuer fast alle ausgeblieben.

Herbergsleiter Albert Götz

Herbergsleiter Albert Götz

Das Feldschlösschen neben der Burg Trausnitz ist zwar bei den Gästen der Jugendherberge nicht ganz so populär, dafür bietet es pro Zimmer einen eigenen Sanitärbereich.
Verlockendes Burgidyll:

Kostümiert ins Ritterleben

Die Jugendherberge in Trausnitz ist mit ihren historischen Gemäuern mehr als nur eine Unterkunft. Sie bietet dort auch die Möglichkeit, sich auf eine Zeitreise ins Mittelalter zu begeben. "Manche Gäste treffen schon mit einem Koffer voller Kostüme ein", sagt Albert Götz von der Herbergsleitung. "Die laufen dann hier mit Kettenhemd und Wams herum oder im Kleid eines Burgfräuleins. Das ist schon eine Schau."Für alle Fälle kann die Jugendherberge so einige Accessoires beisteuern.

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