18.04.2021 - 15:19 Uhr
VilseckOberpfalz

Manöver am Truppenübungsplatz: Stryker aus Vilseck trainieren in Hohenfels

Violette und grüne Rauchschwaden ziehen durch den Wald zwischen den ehemaligen Ortschaften Krumpenwinn und Kittensee. Die Stryker aus Vilseck sind zum Manöver auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels angetreten.

Im künstlichen Nebel rücken gegnerische Infanteristen der OPFOR-Truppen gegen den Gefechtsstand vor.
von Paul BöhmProfil

Es ist ein Heimspiel für das 2. Kavallerie-Regiment aus Vilseck: Die Soldaten der Einheit haben in den vergangenen Tagen auf den Truppenübungsplatz Hohenfels zur Übung „Dragoon Ready 21“ verlegt, um dort ihre Einsatzfähigkeiten zu vertiefen.

„Hier haben wir direkt vor unserer Haustüre hervorragende Trainingsmöglichkeiten“, sagte der stellvertretende Kommandeur der Stryker-Brigade, Oberstleutnant Philip J. Mundweil bei einem Interview in seinem Gefechtsstand im Lager Albertshof. „Wir fühlen uns aber auch mit unseren Familien mit der Oberpfalz verbunden, und wir schätzen es sehr, hier stationiert zu sein.“ Seit 2006 ist das 2. Cavalry Regiment schon in der Oberpfalz stationiert. Gut 2700 Soldaten seines Verbandes sind in Hohenfels dabei, etwa 700 Soldaten kommen aus Großbritannien, Frankreich, Rumänien und anderen Partnerländern. Bis Ende April dauert die Übung „Dragoon Ready 21“.„Etwa 500 Fahrzeuge, darunter viele Schützenpanzer vom Typ Stryker, Artilleriesysteme und Pioniergerät sind derzeit in Hohenfels im Einsatz“, erklärte Mundweil.

Stryker dürfen bleiben

Die Führung des 2. Cavalry-Regiments schätzt vor allem das realistische Übungsumfeld. So sei es möglich, ein Höchstmaß an Schlagkraft und Kompetenz für einen weltweiten Einsatz zu erzielen. Die Stryker-Brigade aus Vilseck genießt nicht nur in ihrer Oberpfälzer Wahlheimat Ansehen. Auch im Bündnisverbund der Nato ist das Cavalry-Regiment schon öfter als Einsatz-Speerspitze unterwegs gewesen. Zum Beispiel beim „Dragoon-Ride“ in den vergangenen Jahren in Polen und den baltischen Ländern. Erfolgreiche Einsätze im Irak und Afghanistan liegen hinter den Soldaten aus Vilseck.

Erst in jüngster Zeit war der Verband im Brennpunkt der internationalen Politik gestanden. Die US-Regierung unter Präsident Trump hatte Truppenreduzierungen angekündigt. Doch jetzt ist entschieden, dass die Stryker in der Oberpfalz bleiben. Erst vergangene Woche hat der neue amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin bei seinem Besuch in Berlin gesagt, dass die USA ihre in Deutschland stationierten Truppen sogar um etwa 500 Soldaten aufstocken werden.

Üben, üben und nochmals üben ist in den nächsten Tagen das Zauberwort auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels für die teilnehmenden Soldaten. Bis zum Monatsende trainieren sie zusammen mit Soldaten aus den anderen Ländern nicht nur das Zusammenwirken verschiedener Ausbildungs- und Waffensysteme. Sie koordinieren auch eine gemeinsame Kommandosprache, und nicht zuletzt zählt für den Truppenverband das Zusammenwirken im Gefecht.

Mit Laser-Strahlen

Die Hohenfelser Opposing-Forces (OPFOR) fordern die Stryker jeden Tag aufs Neue heraus. Damit die Übung unter realistischen Bedingungen abläuft, versuchen die Hohenfelser OPFOR-Soldaten dem aus dem westlichen Teil des Übungsplatzes Hohenfels nachrückenden Cavalry-Regiment das Leben so schwer wie möglich zu machen. Das Joint Multinational Readiness Center (JMRC) stellt mit dem 1. Bataillon des 4. Infanterie-Regiments (1-4 IN) eine Weltklasseeinheit einer gegnerischen Truppe entgegen, um die Soldaten des 2. Cavalry-Regiments in den verschiedensten Ausbildungsszenarien zu stören und zu fordern. Für eine realistische Übungsbewertung sorgen speziell ausgebildete Observer-Coaches und Trainer-Teams rund um die Uhr.

Die OPFOR-Männer in ihren schwarzen Uniformen geben einen unberechenbaren Gegner ab, der unvermutet zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwo auftauchen kann. Ihre Einsatzorder erhalten sie vom Bataillon oder direkt vom Joint Multinatioal Readiness Center (JMRC) zugespielt. Dieses Mal hat sich eine Teileinheit der OPFOR-Kräfte als Angriffsziel den Bataillonsgefechtsstand der Engineer Squadron des Regiments in einem abgelegenen Waldstück zwischen den ehemaligen Ortschaften Krumpenwinn und Kittensee ausgesucht. Ihre Angriffsfahrt durch die Baumreihen des Berghanges hinauf ist anzuschauen wie ein Slalom mit Schützenpanzern bergauf.

Mit ihren wendigen Kettenfahrzeugen gelingt es den gegnerischen OPFOR-Kräften fast geräuschlos über den Waldhang in Richtung Gefechtsstand voranzukommen. Innerhalb weniger Minuten stehen sie an der gesicherten Stacheldrahtsperre am Eingang zum Gefechtsstand. Den Schützenpanzern der OPFOR-Soldaten schlägt zwar heftiges Abwehrfeuer aus mittelschweren Maschinenwaffen und Gewehrfeuer entgegen, doch das Eindringen auf das Gelände des Gefechtsstandes gelingt denSoldaten in ihren schwarzen Uniformen über einen ungesicherten Teilabschnitt. Aufsteigende Rauchschwaden ziehen durch die Bäume, um das Gefechtsfeld zu verschleiern und Ungewissheit zu stiften.

Geübt wird bei derartigen Szenarien mit dem Lasersystem „Miles“. Es ist sowohl auf den Fahrzeugen als auch auf den Handwaffen aller Soldaten montiert, um mit einem Laserstrahl den scharfen Schuss anzudeuten. Für einen realistischen Übungsablauf sorgen begleitende Schiedsrichterteams, die mit ihren Entscheidungen das Gefecht im richtigen Rahmen halten.

Immer wenn ein Fahrzeug oder ein Soldat von einem Laserstrahl getroffen wird, leuchtet ein Blinklicht als Zeichen für einen Treffer auf. Die Soldaten hören einen Pfeifton aus ihrem Körpergurt.

Das nächste Großmanöver steht schon bevor

Grafenwöhr
Info:

Stryker-Brigaden

  • In der US-Armee gibt es derzeit neun Stryker-Brigaden.
  • Nur eine davon zählt als eigenständiger Verband: das 2nd Cavalry Regiment (deutsch 2. US-Kavallerieregiment) mit Hauptquartier in den Rose Barracks in Vilseck.
  • Dieses Regiment ist der am längsten ununterbrochen bestehende Verband der US-Armee.
  • Die Besonderheit der Stryker-Brigaden ist ihr Transport- und Kampfmittel: Der Stryker, ein vierachsiger Radpanzer, der eine schnelle Verlegung ermöglicht.

 

 

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