26.09.2021 - 23:28 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Bei den Schwandorfer Grünen: Warten auf das Ticket nach Berlin

Das gute Wahlergebnis der Grünen setzt vielleicht auch Tina Winklmann aufs Gleis in Richtung Berlin. Allerdings ist am Sonntag bis spät nachts nicht klar, ob sie tatsächlich die erste grüne Bundestagabgeordnete aus dem Raum Schwandorf wird.

Tina Winklmann (links) stößt Sonntagabend mit Freunden und Familienmitgliedern auf das gute Ergebnis der Grünen bei der Bundestagswahl an. Doch selbst spät in der Nacht war noch nicht klar, ob ihr das ein Ticket nach Berlin löst.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Tina Winklmann ist niemand, die sich schnell aus dem Takt bringen lässt. Trotzdem merkte man ihr bei der Wahlparty der Grünen die Anspannung an. Die ersten Ergebnisse, die via Stream in das Nebenzimmer der Gaststätte Schmidtbräu auf dem Schwandorfer Marktplatz übertragen wurden, waren gut, aber noch kein Freifahrtschein in die Bundeshauptstadt. Es dauerte fast bis 21 Uhr, bis es die Wackersdorfer Grünen-Sprecher Armin Duschner und Sonja Probst wagten, mit ihrem Strauß von Sonnenblumen aufzustehen und ihn an die Kandidatin aus ihrer Heimatgemeinde zu überreichen.

Neben den zahlreichen Parteifreunden, die sich im Laufe des Abends im Schmidtbräu eingefunden hatten, gehörten Winklmanns Eltern, ihr Bruder samt Frau und natürlich Lebensgefährtin Stefanie Wanninger zu den Wartenden.

Langes Warten und Bangen

Ein definitives Ergebnis war auch drei Stunden nach dem Schließen der Wahllokale noch nicht zu haben. Die Hängepartie dauerte also an und verlängerte einen politisch entscheidenden Tag, der gegen 11.30 Uhr mit einem Spaziergang von Winklmanns Wohnung in Wackersdorf zum Wahllokal in der dortigen Schule eine erste Markierung bekommen hatte. Einige Stunden später begann dann die Zusammenkunft der politischen Unterstützer, der Freunde und der Familie bei der Wahlparty, die wie fast jede solcher Partys weniger ausgelassen ist, sondern eher ein mehr oder weniger angespanntes, gemeinsames Warten auf die neuesten Zahlen darstellt. Die ersten Prognosen von 15 Prozent für die Grünen bundesweit (Bayern 14 Prozent) waren nicht für Jubel geeignet. "Da geht noch was," zeigte sich Tina Winklmann überzeugt, die auf insgesamt 17 Prozent ihrer Partei spekulierte. "Wählen nicht viele Grüne per Briefwahl?" Das war die Hoffnung, die zum Beginn der Auszählung die Schwandorfer Grünen bei Laune hielt.

Für die 41-jährige Öko-Politikerin zählten nicht nur die eintröpfelnden Stimmenzahlen, die sie im Wahlkreis Schwandorf den ganzen Abend über mit leicht besseren Ergebnissen als bei der letzten Bundestagswahl versorgten.

Wichtig war für sie auch der offizielle Mandatsrechner des Bundeswahlleiters, der definitiv sagen würde, welche Kandidaten tatsächlich in den neuen Bundestag einziehen werden. Aber auch diese zentrale Info ließ auf sich warten.

"Der Hype der ersten Wahlkampf-Monate ist vorbei und woran das liegt, das müssen wir im Nachgang analysieren," reagierte Winklmann vorsichtig auf die keineswegs die 17-Prozent-Marke ansteuernden Zahlen. Möglicherweise, so rechnete sie, würden die 14 Prozent der Grünen in Bayern genügen, sie nach Berlin zu senden.

Schon früh erste Glückwünsche

Das sahen wohl auch viele Bekannte und Freunde der Kandidatin so, denn ab ungefähr 18.45 Uhr liefen erste Glückwünsche auf Winklmanns Smartphone ein. Gegen halbzehn Uhr nachts waren schließlich die Stimmen aus dem Wahlkreis 234 Schwandorf ausgezählt. Sie wiesen für Tina Winklmann 7933 Voten aus, was 4,6 Prozent der Erststimmen ergab, also 0,7 Prozent mehr als bei der letzten Wahl. Die Grünen als Partei kamen sogar auf 6,4 Prozent und legten damit fast zwei Prozent zu, was unter dem Strich 11 179 Stimmen ausmachte. Von den elf Erststimmenbewerbern im Wahlkreis Schwandorf landete Winklmann schließlich auf Platz 5 - nach Martina Englhardt-Kopf (CSU), Marianne Schieder (SPD), Christian Schindler (Freie Wähler) und Wolfgang Pöschl (AfD).

Falls Tina Winklmann Sonntag Nacht doch noch die Information erhalten hat, dass sie in den Bundestag gewählt wurde, wird sie heute auf jeden Fall im Zug sitzen - in Richtung Berlin, zur ersten Fraktionssitzung der Grünen.

Kommentar zum Wahlausgang im Wahlkreis Schwandorf

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