03.02.2021 - 15:31 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Düstere Zeiten für Gastronomie und Einzelhandel

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Leonhard Zintl, Banker und Vorsitzender der Mittelstands-Union, ist besorgt über die hohen Inzidenzwerte im Landkreis Tirschenreuth. Der Unternehmer vermutet zudem, dass deutschlandweit schon Tausende Firmen insolvent sind.

Leonhard Zintl aus Waldeck ist in vielen Bereichen aktiv. Der Vorstand der Volksbank Mittweida eG, kommt auch in dem Buch "Wert schaffen durch Werte" zu Wort.
von Armin Eger Kontakt Profil

"2021 wird nicht leichter als 2020. Der Unterschied ist, wir wussten das schon am 1. Januar. Wir sind der Pandemie ausgeliefert und wissen nicht, wie es weitergeht", sagt Leonhard Zintl, Banker, Genossenschaftler, Autor, Herausgeber, Vortragsredner. Sehr besorgt sei er, wenn er sehe, dass der Landkreis Tirschenreuth die Statistik in Deutschland bei den Inzidenzwerten anführe. "Es erschrickt mich, weil wir in einem ländlichen Raum leben und die Leute hier sowieso vorsichtiger sind." Eine Aussage über die Ursache traue er sich nicht zu. Wenn man es genau wüsste, könnte man sich eine Strategie überlegen.

Von Corona stark betroffen

Die Familie des Waldeckers war bereits bei Beginn der Pandemie im vorigen Jahr stark betroffen. Innerhalb von vier Tagen starben im März 2020 der Vater und der Onkel des 51-Jährigen. "Wenigstens konnte ich einen Tag vor dem Tod noch meinen Vater besuchen und Abschied nehmen. Wir haben gemeinsam gebetet", sagt Zintl.

Es folgten anstrengende Monate mit einer großen psychischen Belastung. Erst zwei Monate später waren die Beerdigungen. "Wir wollten, dass nicht nur 15 Leute dabeisein dürfen", begründet Zintl das. Danach sei seine Familie - bis jetzt - von Corona verschont geblieben.

"Es erschrickt mich, weil wir in einem ländlichen Raum leben und die Leute hier sowieso vorsichtiger sind."

Leonhard Zintl mit Blick auf die hohen Coronazahlen im Landkreis Tirschenreuth

Als Vorsitzender der Mittelstands-Union im Landkreis Tirschenreuth hat der Waldecker Einblick in die verschiedenen Branchen. "Es gibt Zahlen, nach denen 75 Prozent der Gastronomiebetriebe in ihrer Existenz bedroht sind. Der Einzelhandel ist nicht besser dran. Die haben Saisonware auf Lager, die sie nicht verkaufen können", erklärt Zintl. Auch Friseure, Kosmetikstudios und andere Dienstleister hätten es schwer. "Die können ja nichts nachholen. Es lässt sich keiner, wenn wieder offen ist, gleich zweimal die Haare schneiden." Bisher habe zwar das Kurzarbeitergeld in allen Branchen geholfen, aber es werde vermutet, dass schon Tausende Unternehmen insolvent sind.

Er und seine Frau Elisabeth spüren selbst, wie es in der Gastronomie und der Beherbergung läuft, da sie in Waldeck die "Hollerhöfe" betreiben. "Es ist zermürbend. Es gibt keine Perspektive." Auch hier hat Zintl einen Vergleich: "Bei Überschwemmungen ist irgendwann der Höchststand erreicht, dann geht das Wasser zurück und dann geht es an das Aufräumen. Alles absehbar. Bei Corona nicht."

Hoffen auf Sommer

Die Zintls hoffen auf den Sommer und auf kurzfristige Buchungen, wenn es wieder geht. "Wir bereiten uns auf die Wiedereröffnung vor und erweitern unser Angebot." Zintl denkt, dass die Leute verstärkt auf Inlandsurlaub setzen, Natur suchen und Gegenden, die nicht überfrequentiert sind.

Könnte er sich vorstellen, nicht Corona-Geimpfte im Hotel abzuweisen? "Die Nichtgeimpften müssen sich im Klaren sein, dass sie Einschränkungen haben. Das ist keine Bevorzugung der anderen. Die Entscheidung trifft jeder selbst. Wenn man wieder für 100 Euro nach Mallorca fliegen kann und dafür einen Impfpass braucht, lassen sich 95 Prozent impfen", ist Zintl sicher. Er ist, wenn er an der Reihe ist, genauso wie seine Familie bereit, sich impfen zu lassen. Allerdings sei die Impf-Anmeldung alles andere als einfach. Das gehe los bei einer eigenen E-Mail-Adresse, die jeder haben muss und bei den Vorerkrankungen würden die lateinischen Ausdrücke benutzt. "Das ist nicht zu Ende gedacht und für alte Leute schwierig."

Vieles verändert

Die Pandemie hat auch das berufliche Leben von Zintl, der seit 1997 als Vorstandsmitglied und seit 2009 als Vorstandsvorsitzender für die Volksbank Mittweida eG in Sachsen tätig ist, verändert. "Ich bin die ganz Woche im Homeoffice. Ich gehe um 7 Uhr in mein Büro und zwischen 19 und 21 Uhr wieder raus. Meine Familie sagt oft, obwohl du daheim bist, sehen wir dich den ganzen Tag nicht." Videokonferenzen seien zwar in vielen Bereichen machbar, ersetzen aber nicht die persönliche Kommunikation.

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