05.07.2021 - 16:06 Uhr
WaldershofOberpfalz

Künstler Wobby ist das Lachen vergangen: Wenn der Zauberhut leer bleibt

Künstler Wobby aus Waldershof und seine Glitzerfee kommen in der Corona-Pandemie mehr schlecht als recht über die Runden. Ihnen fehlt das Geld ebenso wie das Lachen und Staunen der Kinder.

Zauberkünstler Wobby und Glitzerfee Gertrud Roth – ein Künstler-Paar, das die Pandemie extrem hart getroffen hat, weil beide nicht arbeiten konnten.
von Autor FPHProfil

Er ist bekannt wie ein bunter Hund in Marktredwitz und Umgebung. Er bringt die Menschen, vor allem Kinder, zum Lachen und Staunen: Zauberkünstler Wobby. Doch während der Corona-Pandemie ist nicht nur fröhliches Kinderlachen Mangelware, da ist sogar dem 63-Jährigen das Lachen vergangen. Denn seit 1997 verdient Wolfgang Wopperer, wie er bürgerlich heißt, hauptberuflich seine Brötchen mit der Zauberei. Seit März vergangenen Jahres kämpft sich Wobby „so am unteren Limit durch“. Denn auch seine Lebenspartnerin lebt von ihren Auftritten. Sie ist die Glitzerfee an Wobbys Seite.

„Die Kosten laufen und laufen“, erzählt Wobby zerknirscht vor dem üppigen Grün seines Gartens in Waldershof. „Das Haus ist ja noch nicht abbezahlt“, meint er schulterzuckend. Versicherungen hat er schon ziemlich eingedampft, wie er sagt; aber dennoch habe er laufende Kosten von rund 2500 Euro. Denn ausgerechnet im Januar vergangenen Jahres hatte der Zauberer einen neuen Bus bestellt, um mit seinem ganzen Equipment zu Firmenfesten, Hochzeiten oder anderen Veranstaltungen in der gesamten Region tingeln zu können. Doch daraus wurde nichts. „Den Bus haben wir gebraucht und mussten ihn auch nehmen und jetzt abzahlen. Und verdienen tun wir gerade nichts.“

Natürlich habe er 2020 im ersten Lockdown 5000 Euro Unterstützung bekommen. „Und später gab es noch mal 4500 Euro. Das klingt für einen Laien vielleicht viel. Aber bei unseren laufenden Kosten war dies ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir wussten wirklich nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Wobby nachdenklich. Denn auch jetzt ist das Geschäft mit Zauberhut und bunten Luftballon-Männchen nicht wieder in Fahrt gekommen. „Die Menschen sind vorsichtig, es weiß ja keiner, was kommt.“

Unterm Strich 1400 Euro

Wobby und seine Partnerin Gertrud Roth, die ihn oft als Glitzerfee begleitet oder auch eigene Auftritte hat, hatten auf die Novemberhilfe gehofft. „Doch die konnten wir nur über den Steuerberater abwickeln.“ Unterm Strich seien 1400 Euro für das Paar geblieben.

Um nicht ganz auf der Strecke zu bleiben, suchte sich Wobby einen Job, der beide über Wasser halten sollte. „Ich habe den Beförderungsschein gemacht und fahre seit einem Jahr Taxi.“ Irgendwie müssten sie beide ja überleben, auch wenn sie sich enorm einschränkten.

„Mit Firmen- oder größeren Familienfesten rechne ich in diesem Jahr nicht mehr“, meint der 63-Jährige ziemlich desillusioniert. „Die meisten hatten ja Kurzarbeit und auch weniger Geld in der Tasche, viele haben noch Angst.“ Wohl gebe es einige Anfragen, „und wir haben auch schon die eine oder andere Hüpfburg vermietet, aber das ist ja gar nichts gegen früher“. Früher, als Wobby noch Hasen oder andere Dinge, die Kinderherzen erfreuten, aus seinem Hut zauberte.

Früh vom Zauberfieber gepackt

Wobby war nicht schon immer Zauberer. Aber es hatte ihn früh gepackt, das Zauberfieber. „Mit elf Jahren lag ich im Krankenhaus, wo sie mir den Blinddarm operierten. Und da bekam ich meinen ersten Zauberkasten.“ Das Hobby intensivierte sich, und Wolfgang Wopperer wurde erst im Bekanntenkreis zu Wobby, dem Zauberkünstler.

Erst einmal etwas „Anständiges“ lernen, klingt es ihm noch im Ohr. „Ich habe Koch im Kur- und Sporthotel in Bad Alexandersbad gelernt und war später in verschiedenen Hotels und Restaurants unterwegs – von München bis Hof.“ Doch dann waren Köche nicht mehr so gefragt, wie sich Wopperer erinnert. Und weil seine Eltern ein Wirtshaus mit Metzgerei hatten und er dort immer wieder ausgeholfen hatte, kam er mit entsprechendem Know-how zur Metzgerei Kärner in Thierstein, „wo ich sechs Jahre lang als Metzger gearbeitet habe“. Da seien einmal wöchentlich 200 halbe Schweine angeliefert worden, die Wobby fachmännisch zerteilte.

Auch Fernfahrer

Doch der Trott war es, dem er letztlich entfliehen wollte. „Deshalb habe ich in Wunsiedel das ,Neucherl’ mit aufgebaut.“ Doch Metzger und Kneipenwirt zugleich machten ihm zu schaffen. Dann erlag der heute 63-Jährige den romantisch verklärten Vorstellungen vom „Traumjob Fernfahrer“. Neben seinem Metzger-Beruf machte Wopperer seinen Zweier-Führerschein und heuerte beim Ziegelwerk Hart in Waldsassen an. „Ich habe zehn Jahre lang Ziegel und Kamine auf Baustellen gefahren. Es hat aber nur ein halbes Jahr gedauert, bis ich aus meinen romantischen Träumen aufgewacht bin“, gibt der einstige Lkw-Fahrer zu.

Doch was Wopperer während all seiner Arbeitsjahre nie ad acta gelegt hat, ist die Zauberei. Im Gegenteil. „Ich habe immer nebenbei gezaubert und auf Kinderfesten für gute Laune gesorgt. Und als immer mehr Termine reinkamen, hatte ich nicht mehr die Garantie, dass ich für all die Events auch Urlaub bekomme. Und so habe ich mich 1997 selbstständig gemacht. Als Zauberer Wobby.“ Der Marktredwitzer, der sich in Waldershof niedergelassen hat, kaufte immer mehr Hüpfburgen dazu, die seine Auftritte bereichern. Eines seiner jährlichen Highlights ist die Mitwirkung beim Eremitage-Fest in Bayreuth, wo es ein großes Kinderland gibt. „Und beim Knorr-Bremse-Konzern in Passau waren immer 3000 Beschäftigte und etwa 600 Kinder dabei, wenn gefeiert wurde.“

Doch weder Kindergärten, noch Hochzeiten, Autohäuser oder Stadtfeste können Wobby und seiner 56-jährigen Partnerin, der Glitzerfee, momentan Brötchen geben. Wobby bekommt jetzt mit 63 Jahren 720 Euro Rente, wie er sagt. „Und ich hatte ein Leben lang einbezahlt. Das Arbeitsamt hat mir geschrieben, dass sie jetzt nicht mehr für mich zuständig sind.“ Er fühle sich wie eine Taube, „der gerade mal zwei Körner hingeworfen werden“, um zu sehen, ob sie über die Runden kommt. „Wir verhungern nicht, aber wir zahlen Monat für Monat drauf“, sagt er. „Du bist in einem Schwebezustand.“ Jetzt hoffen Wobby und seine Glitzerfee, dass sie endlich wieder zurück ins Leben dürfen – viele lachende Kindergesichter um sich herum.

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Waldershof

„Mit Firmen- oder größeren Familienfesten rechne ich in diesem Jahr nicht mehr.“

Zauberer Wobby

 

 

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