28.08.2020 - 14:42 Uhr
WaldershofOberpfalz

Der lange Weg zur Waldershofer Ortsumgehung

Seit vier Jahrzehnten wird über die Trasse diskutiert. Nach der Jahrtausendwende sahen viele Waldershofer das Projekt in trockenen Tüchern. Doch es folgte eine bürokratische Durststrecke. Nächste Woche ist nun der erste Spatenstich.

Auf dieser Trasse verläuft die 3,43 Kilometer lange Ortsumgehung von Waldershof. Die Kosten für das Mammutprojekt liegen bei 32 Millionen Euro.
von Oswald ZintlProfil

Eine fast unendlich erscheinende Geschichte nimmt nach 40 Jahren ein gutes Ende. Die Hürden sind aus dem Weg geräumt. Die Finanzierung der 3,43 Kilometer langen Ortsumgehung mit einem Kostenvolumen von 32 Millionen Euro ist über den Freistaat Bayern gesichert. Am Mittwoch, 2. September, um 14 Uhr kann nun der symbolische erste Spatenstich für die Ortsumgehung Waldershof gesetzt werden.

Mit von der Partie sind der Leiter des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach Henner Wasmuth, Ministerialdirektor Helmut Schütz vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, der stellvertretende Landrat Alfred Scheidler und Bürgermeisterin Margit Bayer.

In einem ersten Bauabschnitt soll die Unterführung des Radweges am Kreisverkehr in Angriff genommen werden. Bei einem Ortstermin im Juni erklärte Bauamtsleiter Henner Wasmuth im Beisein von Staatssekretär Klaus Holetschek, dass ein fixer Fertigstellungstermin nicht genannt werden könne, da die Brückenbauten von der Deutschen Bahn geplant und durchgeführt würden. Der Staatssekretär erläuterte: „Viele Bauabschnitte sollen parallel ablaufen, damit die Bauphase so kurz wie möglich gehalten wird. Allein die angesetzte Bausumme von 32 Millionen Euro und die Beteiligung der Deutschen Bahn hinsichtlich des Baus mehrerer Brücken deuten jedoch auf ein echtes Großprojekt hin, das höchste Ansprüche an Koordination und Umsetzung stellen wird.“ Im August 2018 hatte der Leitende Baudirektor Henner Wasmuth die Baukosten noch mit 16,9 Millionen Euro beziffert.

Hier der Bericht zum Besuch von Staatssekretär Klaus Holetschek

Waldershof

Die Planungen für die Waldershofer Ortsumgehung sorgten 2001 für Unmut bei Bürgern in den Marktredwitzer Ortsteilen Leutendorf, Meußelsdorf und Ziegelhütte. Ein Trassenvorschlag hätte damals etwa 100 Meter vor dem Ortsteil Ziegelhütte gelegen. Unter der Regie von Christoph Beck und Horst Schwan formierte sich im gleichen Jahr die Interessengemeinschaft Südostumgehung Waldershof, die sich später in Bürgerinitiative „Lebenswertes Wohnen – Keine Waldershofer Umgehung auf Rawetzer Grund“ umbenannte.

Unterschriftenaktion

Im Gespräch mit der Frankenpost erinnert sich Christoph Beck: „Wir hatten damals das Gefühl, dass diese Trasse bereits eine abgemachte Sache war.“ Die Interessengemeinschaft startete eine Unterschriftenaktion, an der sich mehr als 500 Bürger beteiligten. Sie monierte, dass in Zeiten knapper öffentlicher Kassen die mit Abstand teuerste Trassenvariante zum Favoriten erklärt worden sei. Weiter stand die Befürchtung im Raum, dass die Bürger der Marktredwitzer Ortsteile gravierende, ständig zunehmende Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensqualität durch permanenten Verkehrslärm, Abgase und andere Schadstoffe hinnehmen müssen.

Jahrelange Auseinandersetzung

Die Unterzeichner der Petition drückten ihren Unmut darüber aus, dass die Regierung die Forderung von Bürgermeister Hubert Kellner nach einer Nordwest-Trasse möglichst weit weg von Waldershof dadurch erfülle, dass sie die Trasse direkt vor die Wohngebiete Ziegelhütte und Leutendorf lege. In der Folgezeit mussten sich die Stadtratsgremien in Waldershof und Marktredwitz immer wieder mit der Ortsumgehung befassen. Rückblickend auf die jahrelange Auseinandersetzung erklärt Christoph Beck: „Wir waren immer bemüht, eine tragbare Lösung zu finden. Mit der jetzigen Trasse können wir gut leben.“

Im November 2013 musste sich der Stadtrat Waldershof wieder mit der Ortsumgehung befassen, da die Höhere Naturschutzbehörde die vorgebrachten naturschutzfachlichen Belange nicht ausreichend behandelt und abgewogen sah. Dies betraf vor allem das Gebot der Eingriffs-Minimierung bezüglich des Weiß- und Schwarzstorches. Dazu merkte damals Stadträtin Angela Burger an: „Der Storch ist anpassungsfähiger als die Behörde.“

Mehrere Einwände und Anhörungsverfahren führten von 2014 bis 2017 drei Mal zu Änderungen in den Planungsunterlagen. Dabei wurden auch Wünsche der Unternehmen vor Ort berücksichtigt. Mit dem Spatenstich zum ersten Bauabschnitt und dem Abschluss der Arbeiten auf der ehemaligen Deponie der Rosenthal-Brache beginnt für die Stadt Waldershof das nächste Großprojekt, die Umgestaltung des Marktes unter Einbeziehung der dort wohnenden Bürger und des Handels.

Wir hoffen und setzen auf die Unterstützung unserer Bürger und der örtlichen Geschäfte.

Bürgermeisterin Margit Bayer

Seit Jahrzehnten leiden die Anwohner unter der immensen Lärmbelästigung durch den Durchgangsverkehr mit etwa 14.000 Fahrzeugen pro Tag. Aber nicht nur der Lärm nervt. Der Schwerlastverkehr hat seine Spuren mit teilweise sichtbaren Schäden an zahlreichen Gebäuden hinterlassen.

Bürgermeisterin Margit Bayer und die Stadträte sind nun gefordert. Allerdings ist den Verantwortlichen der Stadt bewusst, dass bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung noch Jahre vergehen. Diese Zeit muss nach Aussage von Margit Bayer intensiv genutzt werden, um die Planungen für die Neugestaltung des Marktes, unter Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten, voranzutreiben. „Erst wenn kein Schwerverkehr mehr durch den Markt brettert, können wir in die Umsetzung gehen“, betont die Rathauschefin. „Dabei hoffen und setzen wir vor allem auch auf die Unterstützung unserer Bürger und der örtlichen Geschäfte. Es muss wieder Leben ins Herz der Kösseinestadt einziehen.“

Im Februar konnten sich die Bürger die Pläne für die Ortsumgehung anschauen

Waldershof
Im Jahr 1973 war die Durchfahrtsstraße von Waldershof noch mit Kopfsteinpflaster ausgebaut. Zwei Jahre später zum Stadtjubiläum war die Straße asphaltiert.
Josef Daubenmerkl war von 2002 bis 2014 Zweiter Bürgermeister in der Kösseinestadt. Er kritisierte 2003 die Stadt Marktredwitz, die auf Druck der Leutendorfer Bürger für eine Südostumgehung plädierte.
Im Blickpunkt:

Verstimmungen mit Marktredwitz

Jahrelang ist die geplante Umfahrung von Waldershof ein Zankapfel mit der Nachbarstadt Marktredwitz gewesen. Die Vorplanungen für die Waldershofer Umgehung reichen vier Jahrzehnte zurück. Beim Neujahrsempfang im Januar 2002 übte Bürgermeister Hubert Kellner Kritik an der Stadt Marktredwitz, die sich den Forderungen der Interessengemeinschaft aus Leutendorf, Meußelsdorf und Ziegelhütte angeschlossen hatte: „Tatsache ist, und es kann nicht oft genug wiederholt werden, die Trassenführung für eine Umgehung existiert seit 1980 in verbindlichen, einvernehmlich mit Nachbargemeinden und Behörden abgestimmten Plänen.“

Die Hoffnung, dass für das Jahr 2002 angestrengte Raumordnungsverfahren schnellstmöglich Abhilfe schafft, erfüllte sich nicht. Im gleichen Jahr besuchte Staatssekretär Hans Spitzner die Kösseinestadt. CSU-Ortsvorsitzender Josef Daubenmerkl bat den Besucher aus München, seinen Einfluss geltend zu machen, damit das Raumordnungsverfahren zügig durchgeführt wird und die Federführung bei der Regierung der Oberpfalz bleibt. Daubenmerkl legte damals nach und sagte: „Wir brauchen für unsere Stadt eine Umgehung. Täglich fahren Tausende Fahrzeuge durch die Stadtmitte und sorgen für Unmut bei den Bürgern.“

Im Trassenwirrwarr gab es 2006 erste Annäherungen zwischen Marktredwitz und Waldershof, nachdem die Leutendorfer Bürgerinitiative im November 2005 sich mit dem neuen Vorschlag einverstanden erklärte. Der Marktredwitzer Stadtrat stimmte damals der „modifizierten Trasse IV“ zu. Diese sollte nahe an Waldershof und mit möglichst großem Abstand zur Ziegelhütte verlaufen. Die Waldershofer Stadträte sprachen damals von Erpressung, schluckten aber die Änderung mit Einschränkungen. Bürgermeister Kellner informierte am Ende der Stadtratssitzung die Räte darüber, dass die Umgehung nun nach Aussage des Projektleiters im Jahr 2011 fertig sei, wenn alles optimal läuft.

Es war ein langer Weg, gespickt mit vielen Einwänden und Diskussionen. Altbürgermeister Hubert Kellner erinnert sich, dass bereits Ende der 60er Jahre Anwohner in der Marktredwitzer Straße die Lärmbelästigung monierten. Hier wechselte der Fahrbahnbelag von Asphalt auf Pflaster. Das Fazit von Josef Daubenmerkl: „Was lange währt, wird endlich gut.“

 

 

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