26.08.2020 - 13:33 Uhr
WaldershofOberpfalz

Den leidenden Wald nicht sterben lassen

Zu wenig Regen. Der Wald leidet durch die zunehmende Trockenheit. Was tun? Aufschlussreich war eine Führung, die der Bund Naturschutz organisiert hatte.

Staunen ließ der riesige Wurzelteller einer umgestürzten Fichte bei der lehrreichen Führung am Südhang der Kösseine durch Förster Wolfgang Schödel (hinten, Bildmitte).
von Externer BeitragProfil

„Wer erinnert sich an den sauren Regen und den Gestank nach Katzendreck überall im Fichtelgebirge?“, fragte Ursula Schimmel vom Bund Naturschutz (BN) bei ihrer Begrüßung. Der BN hatte eingeladen zur Führung „Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung“ mit Wolfgang Schödel, Revierförster der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Waldsassen. Es wurde ein spannender Nachmittag, so der Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung.

Die Geschäftsführerin des BN im Landkreis Tirschenreuth erinnerte an das erste Waldsterben. Schimmel: "Vor 40 Jahren bedrohte die hohe Verschmutzung durch Schwefel in der Luft unsere Wälder und unsere Gesundheit. Und es stank fürchterlich. Der Bund Naturschutz stand damals im Mittelpunkt des Kampfes um saubere Luft."

Anfang August zwang der Borkenkäfer zu einem Abholzeinsatz im Waldnaabtal

Ödwalpersreuth bei Windischeschenbach

Nun erlebe man das zweite Waldsterben, verursacht durch den Klimawandel. "Wir werden dadurch einen großen Teil unserer Artenvielfalt verlieren. Es muss schnell gehandelt werden: Den Klimawandel begrenzen und gleichzeitig unseren heimischen Pflanzen und Tierarten ein möglichst sicheres Umfeld schaffen. Klimaschutz und Artenschutz gehören zusammen“, wird Ursula Schimmel in der Pressemitteilung zitiert.

Förster Wolfgang Schödel praktiziere das seit vielen Jahren. Er hat viele Nischen für gefährdete Pflanzen und Tiere in seinem Revier geschaffen. Beispiele zeigte er bei seiner Führung am Südhang der Kösseine.

Stürmen trotzen

Der erste Halt an einem vielfältigen Waldrand: „Ein guter Waldrand ist eine halbe Hecke. Ich habe 55 Kilometer davon im Revier“, so Schödel. Mit einem stufenweisen Aufbau aus Kräutern, Sträuchern und Laubbäumen trotze so ein Waldrand Stürmen und beschütze den Wald dahinter. Dazu biete er Lebensraum für viele Tierarten und sehe auch noch schön aus. Nächste Station war ein alter Teich, den der Biber wieder angestaut hat. Hier gab es neben dem offenen Wasser auch Sumpf, Feuchtwiese und Erlenwald. Solche Teiche halten Hochwasser zurück und füllen das Grundwasser auf, war zu erfahren.

Besonders spannend war für die Teilnehmer laut Pressemitteilung der riesige Wurzelteller einer umgestürzten Fichte. Dieser biete Tieren eine Heimat, die es trocken und sonnig mögen, etwa Eidechsen, Wildbienen und bodenbrütende Vögel. Die abgestorbenen Fichten daneben sollen als Totholz stehen bleiben. "In ihnen lebt eine Vielzahl von Insekten, von denen sehr viele auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Sie sind die Nahrung vieler Vögel, besonders der Spechte." Wenn die Bäume nach Jahren umstürzen, werden sie von Pilzen, weiteren Insekten und unzähligen anderen Kleinstlebewesen weiter zersetzt.

An vielen Beispielen erklärte Wolfgang Schödel die Gefahren des Klimawandels für den Wald. „Der Waldumbau muss schnell gehen. Die Fichte wird nur in den feuchten kühlen Senken und Nordhängen überleben. Fichten auf den Kuppen des Steinwalds wird es in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben. In den heißen trockenen Sommern bekommen sie auf den Granitböden zu wenig Wasser. Damit werden sie ein leichtes Opfer von Borkenkäfern und dem Hallimasch-Pilz.“

Die Fichte sei schwer zu ersetzen. Selbst Lärchen, Kiefern und Buchen werde es zu heiß. "Eichen und Eschen werden von Schädlingen und Krankheiten geplagt." Am besten geeignet sei in unseren Mittelgebirgslagen die Weißtanne. Aber sie werde sehr stark von Hirsch und Reh verbissen und müsste über viele Jahre geschützt werden.

Bäume aus den Karpaten

Wegen der steigenden Temperaturen testen die Förster neben anderen heimischen Baumarten auch Bäume aus den Karpaten. Sie müssen Hitze, Kälte und Trockenheit aushalten. "Insgesamt muss der Wald viel stärker durchmischt werden. Denn nur viele verschiedene Baumarten können in Zukunft den Bestand des Waldes sichern, wenn einzelne Arten ausfallen oder neue Schädlinge auftauchen."

Zum Abschluss der Exkursion ging es zu den größten Buchen des Reviers, die über 150 Jahre alt sind und bis zu drei Meter Umfang haben. „Jede dieser Buchen ist ein ganzes Ökosystem. Und ich fürchte, dass sie die nächsten zehn Jahre nicht überleben. Es wird ihnen zu warm und zu trocken.“

Nur viele verschiedene Baumarten können in Zukunft den Bestand des Waldes sichern.

Förster Wolfgang Schödel

Förster Wolfgang Schödel sorgt sich um die Zukunft des Waldes und ruft daher zum entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel auf. „Klimaschutz ist wichtiger als das Landschaftsbild!“ Schödel geht es nicht nur um den Schutz der Artenvielfalt und den Erhalt unserer Wälder, so der BN. „Wenn der Meeresspiegel um fünf Meter steigt, dann werden 200 Millionen Menschen heimatlos."

Förster Wolfgang Schödel erklärte die Gefahren des Klimawandels für den Wald.
"Insgesamt muss der Wald viel stärker durchmischt werden", forderte Wolfgang Schödel bei der Exkursion.
Viele Bäume sterben ab.
Eine der Stationen bei der Führung.

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Kommentare

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Maria Estl

Herzlichen Dank an Ursula Schimmel und Wolfgang Schödel für die interessante und kompetent durchgeführte Exkursion. Beide wissen, wovon sie sprechen, wenn sie den Zustand des Waldes schildern und für die Eindämmung des Klimawandels werben. Schödel hat auch vollkommen Recht, wenn er sagt, dass der Klimaschutz auf jeden Fall Vorrang vor dem Landschaftsbild haben muss. Wissen denn diejenigen nicht, die den Klimawandel abstreiten und gegen Erneuerbare sind, dass der Klimawandel das Landschaftsbild viel stärker zerstören wird als PV- und Windkraftanlagen? Anscheinend können diese Leute das Problem nicht ganzheitlich sehen. Wie will es zum Beispiel Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg schaffen, seinen Nachkommen einen Wald zu hinterlassen, den sie wirtschaftlich nutzen können? Er sagte vor einiger Zeit in einem NT-Interview, dass er im Steinwald natürlich auf die Fichte setzt, denn seine Nachkommen wollen auch noch Bauholz verkaufen. Er kämpft vehement gegen Windkraft und bezieht sich hier leider nur auf Äußerlichkeiten, er spricht von "häßlichen Windrädern". Dabei liegt Schönheit doch immer im Auge des Betrachters und hat keine allgemein gültigen Normen. Mit solchen Tiraden ist niemandem geholfen, am wenigsten seinen Wäldern. Er und die anderen Mitglieder des VLAB - auch gerade dessen Vorsitzender Johannes Bradtka - wären gut beraten, bei der Energiewende und der "bösen" Windkraft endlich umzudenken und es einmal mit den wissenschaftlich fundierten Fakten zur Energiewende und zur Windkraft zu probieren. Damit wäre uns allen geholfen.

28.08.2020