21.03.2021 - 13:19 Uhr
WaldershofOberpfalz

Multitalent mit Biss: Wenn Biber die Landschaft verändern, müssen oft Biberberater vermitteln

Der Biber ist Landschaftsplaner, Architekt, Förster, Kanal- und Burgenbauer. Dabei kommt es oft zum Konflikten mit Landwirten, Waldbesitzern oder Anwohnern. Darum kümmern sich im Landkreis Tirschenreuth sechs Biberberater. Einer davon ist Horst Fischer aus Mitterteich.

Biberberater Horst Fischer besucht regelmäßig seine ihm zugeteilten Reviere. Bei Waldershof hat der Biber eine riesige Burg (links) gebaut.
von Armin Eger Kontakt Profil

Horst Fischer ist gerne draußen unterwegs. "Bei Spaziergängen durch den Wald kann ich auftanken und mich erholen", sagt der 47-Jährige. Das war ausschlaggebend dafür, dass sich der Mitterteicher vor einigen Jahren für eine Stellenausschreibung des Landratsamtes Tirschenreuth besonders interessierte: Gesucht wurde ein Biberberater. "Ich habe mich beworben und wurde genommen", erzählt er. Positiv sei gewesen, dass er seit 1996 den Jagdschein habe und damit viel Vorwissen mitbrachte. Bei einem einwöchigen Kurs in Wunsiedel wurden etwa 20 Biberberater aus ganz Bayern ausgebildet. Die theoretische und praktische Prüfung bestand der Mitterteicher auf Anhieb. 2016 erhielt er vom Landratsamt Ernennungsurkunde und Dienstausweis und er ist damit einer von sechs ehrenamtlichen Biberberatern im Landkreis. Zuständig ist Fischer für die Orte Pechbrunn, Fuchsmühl und Waldershof.

Regelmäßige Kontrollgänge

Noch liegt an diesem sonnigen Tag in den Wäldern in der Nähe von Waldershof viel Schnee. Fischer ist unterwegs auf einem Kontrollgang. "Durch Corona war unsere Tätigkeit eingestellt. Erst vor kurzem haben wir die Erlaubnis bekommen, dass wir wieder aktiv sein dürfen", sagt der 47-Jährige, der sich einen Weg bahnt, immer weiter hinein in den Wald. Bald tauchen viele kleine, noch zugefrorene Wasserflächen auf. "Der Biber hält sich immer eine kleine Stelle eisfrei, damit er ins Wasser kommt", erklärt der Mitterteicher.

Äste, fein säuberlich abgenagt, liegen herum, und an den Bäumen sind deutlich die Biberspuren erkennbar. "Man sieht die Zähne und kann feststellen, ob es ein Jungtier oder ein ausgewachsener Biber war", sagt Fischer. In dem Gebiet bei Waldershof lebt eine Biberfamilie mit etwa sechs Tieren, in einer mächtigen mehrere Meter hohen Biberburg. "Nicht überall sind die Burgen so schön sichtbar wie hier", schwärmt der Experte. "Es ist die größte in meinen drei Revieren."

Röhren eine große Gefahr

Aber vor allem diese Burgen und die unterirdischen Röhren, die mehrere Meter unter der Erde liegen, sind oft eine Gefahr. "Leute oder Bauern mit ihren Traktoren können einbrechen und die Schäden können enorm sein." Hier setzt die Arbeit des 47-Jährigen an. "Ich spreche mit den Betroffenen und nehme die Schäden auf." Seit 1. August 2008 gibt es vom Freistaat Bayern eine freiwillige finanzielle Ausgleichszahlung. Mehrere Hunderttausend Euro stehen jährlich dafür zur Verfügung. Fraß- und Vernässungsschäden an landwirtschaftlichen Kulturen, Flurschäden, Maschinenschäden in der Landwirtschaft, Schäden in der Forstwirtschaft und an Teichanlagen und der Fischzucht werden entschädigt. 2019 erhielten die Betroffenen im Landkreis Tirschenreuth 28000 Euro an Ausgleichszahlungen.

Fischer hat im Jahr durchschnittlich zehn Schadensfälle aufzunehmen. "Meist sind die Betroffenen verständnisvoll und wir kommen zu einer Lösung", weiß Fischer. Wenn nicht, ist der Biberberater schult. Konflikte zu beheben, war Teil seiner Ausbildung. Er kennt Fälle, wo die Leute selbst aktiv geworden sind und Fallen aufgestellt haben. "Ich sichere das mit Fotos, und dann ist es ein Fall für die Polizei und die Staatsanwaltschaft."

Die Biber, reine Pflanzenfresser, sind nämlich geschützt und dürfen nicht gejagt werden. 1867 wurde das Tier in Bayern ausgerottet, obwohl es keine natürlichen Feinde hat, außer dem Fischotter, der sich die Jungtiere aus der Biberburg holt. Schuld, dass das Nagetier ausstarb, war, dass der Biber in der Fastenzeit gegessen wurde. Eigentlich war nur Fisch erlaubt, aber der Biber zählte dazu, weil er einen schuppigen Schwanz hatte. Seit 1966 wurde das Nagetier in geringer Zahl wieder eingebürgert und vermehrte sich seit dem.

1000 Teiche, 1000 Biber

"Wir sind das Land der Tausend Teiche und der Tausend Biber", sagte der damalige Landrat Wolfgang Lippert bei der Ernennung von Fischer. Diese Zahl dürfte noch ziemlich aktuell sein, vermutet der Mitterteicher denn: "Die Anzahl der Biber, die etwa zwölf Jahre alt werden können, regelt sich von selbst. Nach etwa drei Jahren, wenn die Jungtiere geschlechtsreif sind, werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben. Bei der Suche nach einem eigenen Heim gibt es erbitterte Kämpfe und sie beißen sich gegenseitig tot." Auch Umsiedlungen würden keinen Sinn machen. "Wenn ein Revier dadurch frei wird, kommt ein anderer Biber." Dämme durften nur entfernt werden, wenn die Burg nicht betroffen ist, und auch nur in Absprache mit dem Biberberater.

Ausgesiedelt nach Irland

In den vergangenen Jahren wurden einige der tag- und nachtaktiven Tiere aus dem Landkreis eingefangen und nach Rumänien und Irland gebracht. Entnahmen seien aber nur erlaubt, wenn zum Beispiel Kläranlagen betroffen sind oder der Biber Schäden an Häusern anrichtet. Der Abschuss sei die allerletzte Möglichkeit. Während Corona sei zu beobachten gewesen, dass die Biber extrem anpassungsfähig sind und immer weiter in die Städte vordringen. "Es gibt Videos, wo Biber durch die Straßen in den Orten marschieren", sagt Fischer.

Es sei am besten, mit den Bibern zu leben, ist der Mitterteicher überzeugt. "Ich möchte dem Tier helfen, damit es keine Probleme bekommt." Zu vielfältig sind nämlich die positiven Effekte der Biberansiedlung. "Der Biber ist ein Gestalter wie kein anderes Tier und beeinflusst den Lebensraum mit enormen Auswirkungen auf die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt. Der Biber schafft Biotope, in denen die verschiedensten Insekten, wie Libellen und seltenste Pflanzen wieder einen Lebensraum finden."

Biberberater in den Schulen

Das den Kindern zu vermitteln, ist auch ein Aufgabe der Biberberater. "Wir waren vor Corona im Unterricht oder draußen vor Ort und haben den Mädchen und Jungen viel über den Biber und seinem Lebensraum erzählt." Fischer, der die Anzahl der Biber in seinen drei Revieren auf etwa 70 schätzt, hofft darauf, dass es irgendwann wieder soweit ist. "Es ist schön, dass der Biber wieder da ist. Und ich habe soviel zu erzählen. Viele wissen nicht, dass der Biber orange-rote, lange und gebogene Zähne hat und dass er bis zu 20 Minuten tauchen kann."

"Ich möchte dem Tier helfen, damit es keine Probleme bekommt."

Biberberater Horst Fischer

Ein Biber verirrte sich in den Gartenteich einer Familie aus Pechbrunn

Pechbrunn
Horst Fischer kann anhand der Bissspuren an den Bäumen feststellen, ob es ein Jungtier oder ein ausgewachsener Biber war.
Einen Biber zu sehen, ist schon fast ein Glücksfall, obwohl es im Landkreis Tirschenreuth viele davon gibt.

 

 

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