08.11.2020 - 08:55 Uhr
WaldershofOberpfalz

Rosenthal-Brache in Waldershof: Alle schieben weiter an

Das letzte Kapitel der endlosen Geschichte um die Deponieabdichtung auf der ehemaligen Rosenthal-Brache in Waldershof ist geschrieben. Auf dem ganzen Areal gibt es aber weiterhin viele Aktivitäten. Ein Überblick.

Die Riesenbaustelle auf dem Rosenthal-Areal lichtet sich langsam. Auf der ehemaligen Deponie wurde ein Parkplatz mit 321 Stellplätzen geschaffen; es fehlen nur noch die Markierungen. Die Zufahrtsstraße mit Wendehammer wird am Montag freigegeben. Oberhalb der ehemaligen Deponie hat die Firma Schmelzer 16.000 Quadratmeter gewerblichen Baugrund erworben, der zum größten Teil schon baureif übergeben wurde. Hier schließt sich die Scherdel-Fläche entlang der Dr.-Zimmer-Straße an. Diese Fläche von 33.000 Quadratmetern soll im Frühjahr baureif sein. Und am Kreisverkehr wird aktuell der erste Bauabschnitt zur Waldershofer Ortsumgehung umgesetzt. Der Bike-Park wird unterhalb der neuen Einfahrt verwirklicht.
von Oswald ZintlProfil

Die Bauarbeiten rund um die frühere Rosenthal-Brache sind abgeschlossen. Sie haben mit fast 40 Nachträgen seit der Auftragserteilung rund sechs Millionen Euro verschlungen. Die Markierungsarbeiten sind in dem Betrag enthalten und sollen bei passender Witterung in diesem Jahr noch ausgeführt werden.

Planungsbeginn war 2015, im März 2018 wurde mit den Arbeiten rund um die Deponie begonnen. Die Gesamtfläche der Deponie beträgt 2,2 Hektar. Als Nachfolgenutzung wurde darauf ein asphaltierter Parkplatz mit einer Fläche von 8.200 Quadratmetern errichtet, auf dem 321 Stellplätze für Autos angeboten werden.

Abnahme ohne Einwände

Am Donnerstag war die „Endsichtabnahme“, die ohne Einwände vonstatten ging. Daran nahmen teil Bürgermeisterin Margit Bayer, Christoph Haberkorn von der Stadtverwaltung, Norbert Waldhier von der Firma Coplan, in dessen Händen die örtliche Bauüberwachung lag, und Michael Zeutschel von der ausführenden TS-Bau aus Jena. Bereits vor geraumer Zeit wurden die Zufahrtsstraße und der Entwässerungsbereich abgenommen.

Bürgermeisterin Bayer erinnerte daran, dass die erste Kostenplanung für die Deponiersanierung bei 2,8 Millionen lag. „Die Mehrkosten stellten sich ein, da beim Baufortschritt immer wieder Um- und Neuplanungen notwendig wurden. Die Nachträge wurden umfassend fachlich überprüft“, betonte die Rathauschefin.

Keine Unfälle auf Baustelle

Sie bezeichnete die ausführenden Firma TS-Bau als absolut zuverlässigen Partner der Stadt. Das Gleiche gelte für die Arbeit von Diplom-Ingenieur Norbert Waldhier für die örtliche Bauüberwachung. Ein weiterer positiver Aspekt ist für Norbert Waldhier, dass es während der gesamten Bauzeit keine Unfälle gab. Eine offizielle Einweihungsfeier soll im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Allerdings stehen der Stadt noch weitere Kosten ins Haus. In den kommenden Monaten muss das von der Firma Scherdel erworbene Grundstück mit einer Fläche von 33.000 Quadratmetern baureif hergerichtet werden. Das Gleiche gilt für einen kleinen Teil des Geländes, das die Firma Schmelzer erworben hat. Notwendig sind massive Geländeregulierungen und der Abbau der ehemaligen Zufahrtsstraße, die in der Dr.-Zimmer-Straße abzweigt. Für diese Arbeiten sind 300.000 Euro im Haushalt der Stadt eingestellt.

Und was tut sich sonst noch auf dem Areal?

Bike-Park:

Im Herbst vergangenen Jahres erhielt die Stadt den Leader-Bewilligungsbescheid von damaligen Landrat Wolfgang Lippert in Höhe von 75.600 Euro für den geplanten Bike-Park auf dem Rosenthal-Gelände. Die Gesamtkosten wurden mit 194.000 Euro veranschlagt. Baubeginn sollte eigentlich Mitte 2020 sein, die Bauzeit wurde mit drei Monaten angegeben. Der Bautermin konnte allerdings wegen den laufenden Arbeiten an der Deponie nicht eingehalten werden. Nun soll im kommenden Frühjahr die Ausschreibung erfolgen, erklärt Christoph Haberkorn von der Stadtverwaltung.

Firma Scherdel:

Wann die Firma Scherdel mit einem Bauantrag an die Stadt herantritt, ist noch offen. Bauingenieur Ralph Unger erklärt, dass das Unternehmen das 33.000 Quadratmeter große Grundstück „baureif“ erworben habe. Die noch notwendige Geländeregulierung stehe noch aus. Mit was und wann Scherdel in die Offensive geht, bleibt abzuwarten. Fest steht laut Ralph Unger: „Das Gelände ist strategisch sehr wichtig für die weiteren Investitionen unserer Unternehmensgruppe. Allerdings sind langfristige Prognosen in den kommenden Monaten nicht möglich.“ Als Grund dafür nannte der Scherdel-Mitarbeiter die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der Automobilbranche mit Standortschließungen und der Unsicherheit beim Aufrechterhalten der Lieferketten für die Autohersteller. Scherdel sei allerdings bemüht, die eigenen Kapazitäten voll auszuschöpfen.

Firma Schmelzer:

Eine Fläche von etwa 16.000 Quadratmetern hat sich die Firma Schmelzer auf dem ehemaligen Rosenthal-Areal gesichert. Das Stammwerk des Familienunternehmens liegt auf der anderen Straßenseite. Geschäftsführer Gerhard Schmelzer sagte zu Frankenpost, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Bauplanungen gebe. Hierzu müsse die Wirtschaft als Ganzes wieder in ein normales Fahrwasser kommen und Planungssicherheit gewährleisten. Positiv stimmt den Unternehmer die Tatsache, dass in seinem Betrieb Kurzarbeit kein Thema war. Damit die Fläche nicht verwildert und einigermaßen gepflegt aussieht, hat sie Schmelzer einem Mitarbeiter, der zusätzlich eine Landwirtschaft betreibt, kostenlos zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr wurde dort Mais angebaut.

Cube:

Die weitaus größte Fläche auf dem Gelände beansprucht der Radhersteller Cube mit seinen Fertigungs- und Lagerhallen. Kurz vor der Vollendung steht aktuell der Bau der neuen Batterie-Lagerhalle. Diese Investition für das 500 Quadratmeter große und zwölf Meter hohe Gebäude wurde notwendig, um die Lagerhaltung für die stetig steigende E-Bike-Nachfrage zu gewährleisten. Wichtig war für die Unternehmensführung hier besonders der Brandschutz-Aspekt.

Ortsumgehung:

Aktuell laufen die Arbeiten im ersten Bauabschnitt für die Waldershofer Ortsumgehung am Kreisverkehr. Wie Leitender Baudirektor Henner Wasmuth vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach erläutert, wird derzeit für die Unterbauten der Brücke kräftig betoniert. Vom Kreisverkehr aus soll die Umgehung über den Fuß- und Radweg führen, der in Richtung Marktredwitz geht. Der Überbau soll noch im Dezember betoniert werden. Die Abdichtung kann witterungsbedingt nicht mehr in der kalten Jahreszeit durchgeführt werden. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr geplant. Die Kosten für das Brückenbauwerk liegen bei etwa 410.000 Euro. Insgesamt investiert der Freistaat 32,3 Millionen Euro in die 3,4 Kilometer lange Ortsumgehung. Bis sie vollendet ist, wird es noch eine Weile dauern: Das Verkehrsministerium nannte beim Spatenstich das Jahr 2027.

Der lange Weg zur Waldershofer Ortsumgehung

Waldershof
Ohne Einwände erfolgte die „Endsichtabnahme“ auf der Deponie. Im Bild (von links): Michael Zeutschel (TS-Bau), Christoph Haberkorn von der Stadtverwaltung, Norbert Waldhier, der mit der örtlichen Bauüberwachung beauftragt war, und Bürgermeisterin Margit Bayer.
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