10.08.2021 - 15:16 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Bibliothek des Klosters Waldsassen vor Neuausrichtung

Normalerweise toben sich dort Schülerinnen der Mädchenrealschule beim Sport aus. Am Dienstag war in dem Raum ein "Runder Tisch" aufgebaut: Es ging um die Sanierung der Bibliothek des Klosters Waldsassen.

von Paul Zrenner Kontakt Profil

Eine hochkarätige Runde setzte bei dem Treffen in der Sporthalle der Mädchenrealschule der Zisterzienserinnen die ersten Pflöcke für das Vorhaben: Die Stiftsbibliothek der Abtei Waldsassen soll in den nächsten Jahren für rund sechs Millionen Euro saniert werden. In einem Jahr, so hieß es bei dem Treffen am Dienstag, wäre der Baubeginn angepeilt. "Das könnte klappen. Das ist realistisch", erklärte Landtagspräsidentin Ilse Aigner gegenüber Oberpfalz-Medien. Sie fungiert als Schirmherrin für das Projekt.

Bei dem Koordinierungsgespräch mit Vertretern der beteiligten Behörden und Zuschussgebern wurden zum ersten Mal Einzelheiten verhandelt. Mit dabei war auch der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Michael Stolzenburg, außerdem Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm als Vorsitzende im Stiftungsvorstand der Bayerischen Landesstiftung. "Das Kloster liegt mir sehr am Herzen", war sie guter Dinge, dass das Kloster Waldsassen mit günstigen Rahmenbedingungen unterstützt werden kann.

Vier Millionen vom Bund

"Ich glaube, wir sind gut weitergekommen", war Landtagspräsidentin Aigner unmittelbar nach dem Treffen zuversichtlich: "Alle wollen das Projekt." Rund vier der benötigten sechs Millionen Euro sollen aus Bundesmitteln fließen. "Die stehen auf alle Fälle fest", unterstrich die CSU-Politikerin. "Es war heute schon auch mal sehr wichtig, dass wir alle an einem Tisch sitzen."

Ein Besuch in der Abtei Waldsassen

Äbtissin Laetitia Fech war glücklich, dass alle Beteiligten Unterstützung signalisiert haben: "Jetzt wissen alle vom Gleichen." Nun aber seien weitere Koordinierungsgespräche nötig – mit dem Kulturfonds, der Landesstiftung, der Diözese. "Manche haben gesagt, es ist noch was drin. Andere haben gesagt, das wird schwierig", verriet die Landtagspräsidentin und Schirmherrin über den Verlauf der Gespräche. "Aber vielleicht kann man das ausgleichen."

"Mini-Führung" ohne Aigner und Stamm

Die Delegation, der auch Landrat Roland Grillmeier, Bürgermeister Bernd Sommer und sein Stellvertreter Markus Scharnagl sowie Verwaltungs-Geschäftsleiter Martin Rosner angehörten, bekamen nach dem Treffen eine, wie Äbtissin Laetitia Fech sagte, "Mini-Führung" durch den Bibliothekssaal. Dort nicht mehr dabei waren Ilse Aigner und Barbara Stamm, die sich nach dem Koordinierungsgespräch verabschiedeten.

Bei der Besichtigung des einzigartigen und von Karl Stilp ausgestalteten Raumes war die Neuausrichtung der Klosterbibliothek ein Thema: Sie soll künftig als sogenannter "Dritter Ort" etabliert werden und als funktionelles Kommunikations-, Informations- oder Medienzentrum des lebendigen Frauenklosters dienen. Einzelheiten dazu erläuterte Dr. Peter Pfister. Der frühere Archiv- und Bibliotheksdirektor der Erzdiözese München-Freising hatte in den vergangenen Jahren das Klosterarchiv katalogisiert.

Bildung und Ausbildung von Frauen

"Das war neu für die Oberpfalz, nicht nur die Kultivierung, die Teiche und andere Dinge", unterstrich Pfister den Schwerpunkt der Zisterzienserinnen, für die Bildung und Ausbildung junger Frauen zu sorgen. Dies solle präsentiert und erlebbar werden am neuen "Dritten Ort". Er dokumentiert jenen Bereich, in dem die Ordensschwestern sich erholen, sich regenerieren und ihren Hobbys nachgehen.

Erster Ort, so die Äbtissin auf Nachfrage, ist das Zuhause der Ordensschwestern, der zweite Ort die Arbeitsbereiche der Zisterzienserinnen. Die Besucher besichtigten im Anschluss die für den dritten Ort vorgesehen Räumlichkeiten, die früher teils von der Mädchenrealschule genutzt worden waren.

Hintergrund:

Die Klosterbibliothek in Zahlen

  • In den 40 Bibliotheksfächern mit 203 Fachböden befinden sich verteilt auf 360 Meter Fachbodenlänge 6791 Bände – 2116 im Erdgeschoss und 4675 auf der Empore.
  • Davon sind 2039 Bände aus Amberg und 4752 Bände aus dem Klosterbesitz Waldsassen.
  • Die 2039 Amberger Bände sind alles Werke aus dem 17. und 18 Jahrhundert. 1216 der 4752 Bände aus heutigem Klosterbesitz Waldsassen stammen aus der Zeit vor 1803.
  • Während der Sanierungsmaßnahme an Raumschale und Ausstattung des Bibliothekssaales muss der gesamte Buchbestand aus dem Raum genommen werden.

"Das könnte klappen. Alle wollen das Projekt."

Landtagspräsidentin und Schirmherrin Ilse Aigner

Landtagspräsidentin und Schirmherrin Ilse Aigner

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.