03.10.2021 - 09:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kinderhaus, Krankenhaus und noch viele andere Baustellen in Waldsassen

Der "Kurzbericht" zur Bürgerversammlung wurde ein längerer Vortrag - begleitet von vielen Bildern auf der Leinwand in der Stadthalle. Zwischendurch erfuhren die Zuhörer, was es mit einem Schild neben der Bürgermeister-Bürotür auf sich hat.

Auf die vielen Baumaßnahmen zurzeit in Waldsassen deuten auch die sogenannten Haufwerke am Festplatz hin, auf dem das Aushubmaterial zwischengelagert wird.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Eine "Retrospektive der beiden vergangenen Jahre", wie Bernd Sommer sagte, stand zu Beginn der Bürgerversammlung am Donnerstag in der Stadthalle auf der Tagesordnung. Am Eingang war ein Geheft mit den wichtigsten Eckdaten der Stadt Waldsassen aufgelegt, wobei es sich allerdings um die Statistik von Ende 2020 handelte. Die von diesem Jahr sei zu wenig aussagekräftig, so Sommer.

Dafür berichtete der Bürgermeister über die wichtigsten Eckdaten und Tendenzen. "Auskömmlich stabil" seien diese bei den Einwohnerzahlen; vor wenigen Jahren seien noch Werte im "freien Fall" prognostiziert worden. Und die Verschuldung, so Sommer weiter, liege inzwischen nahe am Landesschnitt. Großen Anteil daran hätten die Förderungen des Freistaats. Diese könnten aber "noch ein bisserl mehr sein". Denn der Investitionsbedarf sei enorm, vor allem 2022. Ohne Förderung wisse die Stadt nicht, wie sie beim Bau des dritten Kinderhauses in Waldsassen den Eigenanteil von derzeit 4,0 Millionen Euro - bei einer Investition von aktuell geschätzt 7,0 Millionen Euro - schultern soll. Dabei sei das Projekt am Zieglerrang keineswegs ein Luxusprojekt. "Wir müssen uns das leisten", so Sommer über den Bedarf an Betreuungsplätzen.

Eine Fülle von Themen verpackt hatte Sommer in seinen, wie er sagte "Kurzbericht". Der nahm knapp eineinhalb Stunden in Anspruch, obwohl der Bürgermeister sich nicht groß bei einzelnen Maßnahmen aufhielt. Den Planfeststellungsbeschluss für die Bundesstraßen-Verlegung erwähnte Sommer zum Abschluss. "Wenn keine Klagen eingereicht werden würden, ging's nächstes Jahr los", skizzierte er seinen Wunschtermin für den Baubeginn.

Baubeginn 2022

Viele Baumaßnahmen im Stadtgebiet prägten den Bericht, durch den sich wie der sprichwörtlich rote Faden der Finanzbedarf zog. "Das Bauamt läuft auf Hochtouren", sagte Sommer anerkennend über Stadtbaumeister Hubert Siller und sein Team. "Wir sprechen da immer gleich von Millionen", so Sommer über die vielen erledigten und anstehenden Straßenbauarbeiten oder die Auswechslung von Wasser- und Abwasserleitungen. Dies alles koste "irre viel Arbeit, irre viel Geld", so Sommer. "Aber es muss sein." Mit der Dorferneuerung Kondrau könnten dort auch private Maßnahmen gefördert werden.

"Diese Themen sind Chefsache", erzählte Bernd Sommer von Gesprächen mit ihm und Geschäftsleiter Martin Rosner etwa über Gespräche mit Unternehmern, die sich in Waldsassen ansiedeln wollten. "Die brauchen aber gleich ein oder zwei Hektar", so der Bürgermeister. Deshalb sei das interkommunale Gewerbebiet eine gute Sache.

Spannende Gespräche über Fockenfeld

Von der Stadt abgewickelt werde die Restaurierung der Klostermauer. Eine "klasse Gemeinschaftsaktion" sei die Mitterhof-Sanierung, bei der auch Städtebauförderungsmittel fließen. "Wenn's wir anpacken, dann wird's auch etwas", wiederholte Sommer seine Aussage nach der Schließung des Krankenhauses und verwies auf viele Gespräche mit Interessenten seither. Auch die neue Praxis der Kinder- und Jugendpsychologin im früheren Commerzbankgebäude nannte Sommer in diesem Zusammenhang.

"Das ehemalige Krankenhaus kann ein echtes Lebenszentrum werden", so die Bilanz des Bürgermeisters. Er stellte fest: "Wir haben selbst gemacht, was die große Politik nicht hinbekommen konnte." Nur die Baugenehmigung für die Umgestaltung fehle noch. Nach dem Erwerb des früheren Klosterguts Fockenfeld durch die Gemeinden Konnersreuth, Wiesau, Mitterteich und Waldsassen gebe es aktuell "spannende Gespräche" über die Nutzung des Schlosses. Dabei sei die Stadt Waldsassen federführend. "Was einfach klingt, nimmt viele Stunden und Tage in Anspruch", schilderte Sommer die intensiven Verhandlungen. "Ich weiß bis heute nicht, wer das war", erzählte Sommer von dem auf Papier ausgedruckten Schild "Städtische Schlossverwaltung", das unterm Türschild am Eingang zum Bürgermeisterzimmer hängt.

Ehrenamtlicher Abfallsammler

„Ich hoffe, dass das Vereinsleben wieder erstarkt“, sprach sich der Bürgermeister für einen Neubeginn ehrenamtlichen Engagements nach der Corona-Pause aus. Die Stadt helfe dabei sehr gerne, „weil’s uns wichtig ist“. In diesem Zusammenhang erzählte der Bürgermeister von einem „ehrenamtlichen Abfallsammler“, den er andernorts gesehen hatte – in neonfarbener Jacke und der entsprechenden Aufschrift auf dem Rücken. „Ich rege das jetzt einmal an, vielleicht findet sich jemand“, so Sommer und sicherte zu, Arbeitskleidung und -ausrüstung zu spendieren. Vielleicht lasse dann der eine oder andere Bürger seinen Abfall erst gar nicht zurück, wenn dies Privatleute erledigten. Sommer freute sich über die Wiederbelebung der grenzüberschreitenden Beziehungen.

Große Anerkennung galt auch den ehrenamtlichen Archivpflegern Hermann Müller und Alexander Riedl sowie dem Museumsleiter Hans Zölch. „Ihr werdet nicht alleine gelassen“, sicherte Sommer die Unterstützung nach Kräften zu. Denn diese Arbeit sei in Waldsassen eine Verpflichtung, die die Historie mit sich bringe.

Bei der Bürgerversammlung gab es mehrere Wortmeldungen

Waldsassen

Die Schlossherren nehmen ihr Eigentum unter die Lupe

Fockenfeld bei Konnersreuth
Von dem Hinweis „Städtische Schlossverwaltung“, ausgedruckt auf Papier unter dem Schild neben der Tür zu seinem Büro, erzählte Bürgermeister Bernd Sommer bei der Bürgerversammlung.
Auch auf die Arbeiten des Bereichs am neuen Cäcilienplatz ging Bürgermeister Bernd Sommer ein. "Vor ein paar Jahren war das noch ein dunkles Eck:"

"Das ehemalige Krankenhaus kann ein echtes Lebenszentrum werden."

Bürgermeister Bernd Sommer

Bürgermeister Bernd Sommer

 

 

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