23.06.2021 - 12:38 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wasserleitung in Waldsassen: Verlegung schneller und günstiger als bisher

Es ist eine besondere Premiere innerhalb der Stadt Waldsassen. Dabei sieht die Aktion für Laien eher unspektakulär aus. Aber die Technik dahinter hat es in sich.

Im unteren Bereich der Pfaffenreuther Straße wird die neue Wasserleitung mit einem besonderen Verfahren in die bestehende Leitungstrasse eingezogen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bei der Verlegung der neuen Wasserleitung in der unteren Pfaffenreuther Straße kommt ein Spezialverfahren zum Einsatz. Der größter Unterschied zur Leitungsauswechslung auf konventionelle Art: Es gibt keine lange Baugrube.

Am Dienstag ging's nach diversen vorbereitenden Arbeiten richtig los. So etwa war in den vergangenen Tagen eine provisorische Wasserleitung zu den Häusern im Abschnitt zwischen der Einmündung Siedlungsstraße und der Gartenstraße verlegt worden. Der alte Leitungsstrang hätte zwar auch noch gut funktioniert. Doch der wird für das neue Rohr benötigt.

Rohre aus Polyethylen

Bei der Aktion ziehen die Mitarbeiter des von der Stadt beauftragten Fachbetriebs aus Rodewisch innerhalb der bisherigen Leitung die neue ein. Sie misst außen 125 Millimeter und besteht komplett aus Polyethylen (PE). Was sich einfach anhört, ist in der Realität eine komplexer und ausgeklügelter Ablauf.

Mit einer leistungsfähigen Hydraulik und der speziellen Technik wird zunächst das alte Rohr zerschnitten und vorbereitet für die neue PE-Leitung. Diese wird dann durch die bisherige Leitungstrasse eingezogen. "Damit lässt sich fast jedes Rohrmaterial durchziehen", informiert Tobias Tippmann von der Stadtverwaltung.

40 Tonnen Zugkraft

Der Technische Leiter für den Bereich Wasserversorgung verweist auf die 40 Tonnen Zugkraft, die die Leitungen unter die Erde bringen. Die einzelnen Teile der PE-Leitung sind zwölf Meter lang und werden durch Erhitzen verschweißt.

Nach den Worten von Tippmann wird das sogenannte "Berstlining"-Verfahren nur bis zur Einmündung Flurstraße angewandt. Im weiteren Verlauf der Pfaffenreuther Straße stadtauswärts wäre die Spezialtechnik im Vergleich zur offenen Bauweise nicht mehr rentabel. Denn es müssen zu viele Hausanschlüsse angebunden werden, so dass sich punktuelle Aufgrabungen im Abstand von wenigen Metern nicht mehr lohnen.

Über die Auftragsvergabe war in der jüngsten Sitzung des Stadtrats berichtet worden

Waldsassen

Von der Beschilderung an der Baustelle hat uns ein Leser ein Foto zum Schmunzeln geschickt

Waldsassen
Das in der bestehenden Trasse neu verlegte PE-Rohr. Daneben sind noch Reste der zerborstenen früheren Leitung zu erkennen.
Hintergrund:

Fahrbahndecke bleibt weitgehend unversehrt

Die Verlegung der Wasserleitung im speziellen "Berstlining" – was so viel bedeutet wie "bersten und verlegen" hat im Vergleich zur konventionellen Leitungsauswechslung mehrere Vorteile. Tobias Tippmann von der Stadt Waldsassen nennt sie.

  • Wichtigster Vorteil ist, dass nicht die ganze Grube in der kompletten Länge der auszuwechselnden Leitung gegraben werden muss.
  • Damit wird kein Bodenaustausch und keine Entsorgung nötig.
  • Im offenen Verfahren muss die gesamte Fahrbahn geöffnet werden. Beim "Berstlining" dagegen bleibt die Asphaltdecke in großen Bereichen unversehrt.
  • Dadurch spart das Spezialverfahren Zeit und vor allem Geld.
  • Im aktuellen Fall in der Pfaffenreuther Straße sind es zwischen 20 bis 30 Prozent weniger Kosten im Vergleich zum konventionellen Austausch der Wasserleitung.

„Damit lässt sich fast jedes Rohrmaterial durchziehen.“

Tobias Tippmann über die leistungsfähige Hydraulik

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.