30.03.2021 - 11:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Amtsgericht Weiden: Wettbieten im Innenhof

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Der Andrang bei Versteigerungen vor Gericht ist aktuell groß, günstige Immobilien heiß begehrt. Das bringt das Weidener Amtsgericht an seine Grenzen. Die Säle reichen manchmal nicht aus. In Ausnahmefällen muss der Innenhof herhalten.

In Ausnahmefällen finden hier, auf dem Innenhof des Weidener Amtsgerichts, Versteigerungen statt – unter Einhaltung der Hygieneregeln.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Der Immobilienmarkt brummt, Pandemie hin oder her. Zinsen gibt es kaum, Eigentum zu erwerben erscheint verlockend. Nur: Der Markt ist leergefegt. Aussicht auf ein Schnäppchen bieten da Zwangsversteigerungen vor Gericht. Sie finden in Weiden einmal pro Woche statt, das Amtsgericht ist für Versteigerungen in der Stadt, aber auch in den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth zuständig. Kam eine Immobilie unter den Richterhammer, war der Andrang schon vor der Corona-Pandemie groß – und daran hat sich nichts geändert, wie Paul Dumler, Rechtspfleger am Amtsgericht Weiden, bestätigt. Es gebe derzeit nicht einmal klare Indizien, wann mit großem Bieterinteresse zu rechnen ist. "Ich habe erst ein unbewohnbares, abbruchreifes Gebäude in Vohenstrauß versteigert. Und das deutlich über dem Verkehrswert." Der Andrang: gewaltig.

Keine Besucher-Obergrenze

Wenn auch die Pandemie keinen Einfluss auf das Interesse der Bürger haben mag, so sind die Gerichte freilich von den Einschränkungen betroffen. Das ist bei Versteigerungen durchaus problematisch. Schließlich müssen alle potenziellen Interessenten Zugang haben. Bei einer regulären Gerichtsverhandlung sind die Plätze für die Öffentlichkeit eben irgendwann besetzt und die Türen zum Saal zu. Bieter dürfen nicht abgewiesen werden. "Es gibt ja niemand zu, dass er eigentlich nur zuschauen will, am Ende entscheidet er sich doch, ein Gebot abzugeben", erklärt Dumler. Das heißt: Bei Versteigerungen gibt es keinerlei Besucher-Obergrenze. Ist der Saal voll – er reicht für etwa 20 Bieter –, weichen die Teilnehmer auf den Schwurgerichtssaal aus. Selbst dort wird es derzeit manchmal knapp.

Banger Blick nach oben

Und dann? Die letzte Möglichkeit ist der Innenhof, unter freiem Himmel. Dieses Experiment ging in Weiden vor zwei Wochen über die Bühne. Eine absolute Ausnahme, wie das Gericht betont. Der reguläre Saal war zu klein, der Schwurgerichtssaal belegt. Mit mobilen Tischen wurde ein provisorisches Richterpult aufgebaut, die Bieter verteilten sich mit größtmöglichem Abstand auf dem Hof. Eine Situation, wie sie auch der erfahrene Dumler noch nie erlebt hat. Freilich ist so eine Aktion nur denkbar, wenn das Wetter mitspielt. Bei Regen, da ist sich Dumler sicher, wäre die Versteigerung vertagt worden. "Es ist viel EDV dabei, Laptops, wir können ja nicht mit Regenschirmen arbeiten." Klar ist: Es braucht andere Optionen. Wenn bei einer Versteigerung etwa von vornherein mit großem Interesse zu rechnen ist, könnte man einen externen Raum anmieten, heißt es aus der Pressestelle. "Vielleicht entwickelt sich die Pandemie bis Herbst in eine andere Richtung, so dass wir wieder mehr Möglichkeiten haben", hofft Dumler. Bis dahin geht der Blick sorgenvoll nach oben, wenn die Bieter in den Saal strömen.

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Hintergrund :

Hygieneregeln vor Gericht

  • Im Gerichtsgebäude sind stets FFP-2-Masken zu tragen.
  • Im Gerichtssaal muss der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt sein. Dazu werden Sitzplätze teilweise gesperrt. Ausnahmen gibt es für Familien.
  • Wer das Amtsgericht betritt, bekommt elektronisch Fieber gemessen und muss sich die Hände desinfizieren.
  • Während und zwischen den einzelnen Sitzungen sind längere Pausen eingeplant, um den Sitzungssaal zu lüften.
  • Die Öffentlichkeit hat nach wie vor Zutritt und kann Verhandlungen besuchen. Allerdings kann Besuchern der Zugang verweigert werden, um die zum Infektionsschutz nötigen Abstände sicherzustellen. Bei Versteigerungen gilt das nicht.
  • Die Gerichte bitten darum, bei Bedarf zunächst telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen und Besuche, die nicht dringend notwendig oder eilbedürftig sind, zu vermeiden.

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