27.10.2021 - 15:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ausstellung in Weiden: Brustwarzen als Botschaft

Eine solche Ausstellung hat es in der Region noch nicht gegeben: Der Verein für junge Kunst und Kultur Weiden zeigt Wände-füllende Collagen aus Fotos von weiblichen und männlichen Brustwarzen. Die Gruppe will eine Debatte anstoßen.

Die Ausstellung will die gesellschaftlichen Zuschreibungen an die Brustwarze in Frage stellen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Idee entstand, als einige Mitglieder des jungen Kunstvereins sich vor gut zwei Jahren an einem warmen Tag im Park trafen. Die Männer wollten sich ihre T-Shirts ausziehen, es entspann sich eine Debatte darüber, dass Frauen das nicht können. Die zentrale Frage war, „warum bei einem unschuldigen Körperteil, das bei Frauen und Männern fast gleich ist, so ein großer Unterschied gemacht wird“, sagt Vereinsmitglied Carolin Schiml im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bald reifte der Entschluss, das Thema in einem Kunstprojekt aufzugreifen. Dafür machte die Gruppe sich zunächst daran, Bilder von weiblichen und männlichen Brustwarzen zu sammeln. Die Fotos konnten anonym über die Webseite des Vereins und über soziale Netzwerke eingesendet werden. 100 Menschen machten mit, überwiegend jüngere Leute aus der Region. Schiml ist zufrieden mit dem Rücklauf, auch wenn sie sich durchaus noch mehr Beteiligung gewünscht hätte.

Tabu einer aufgeklärten Gesellschaft

„Viele fanden die Aktion interessant und haben sie auch weiter geteilt“, erzählt Schiml. Oft hätten die Leute aber auch abgewunken, wenn es darum ging, ein Foto von den eigenen Brustwarzen beizusteuern. Für Schiml zeigt das, dass es hier auch in einer aufgeklärten Gesellschaft noch ein Tabu gebe. Wenn es um Tätowierungen oder andere Körperteile geht, seien viele gerade in den sozialen Medien deutlich zeigefreudiger.

Für Brustwarzen sind die Regeln auf Instagram, Facebook und Co streng: Ein Algorithmus filtert Fotos von weiblichen Brustwarzen heraus – Bilder von männlichen Brustwarzen hingegen sind erlaubt. Das erlebte auch ein Vereinsmitglied, das mit einem Bild einer weiblichen Brustwarze auf seinem Instagram-Account für die Ausstellung werben wollte. Das Foto wurde gelöscht.

Zu sehen ist die Ausstellung unter dem Titel „adhibet“ (lateinischer Ausdruck für „Brustwarze“) von 29. Oktober bis 20. November in den Räumen des Kunstvereins Weiden. An einer Wand werden alle eingesendeten Fotos in ihrer Diversität nebeneinander gezeigt. Daneben haben junge Künstler die Brustwarzen-Bilder in zwei- und dreidimensionalen Collagen, optischer Kunst und fotorealistischen Gemälden aufgearbeitet. Neben Carolin Schiml sind Leonie Elpelt, Lukas Christian Prölß, Ruth Ockl, Igor Michel, Beate Luber und Felicitas Girisch beteiligt. Mutige Besucher können das Angebot wahrnehmen, vor Ort Fotos der eigenen Brustwarzen zum Projekt hinzuzufügen – geknipst werden die Bilder mit einer Sofortbildkamera in einem Séparée.

Oben ohne im Park

Der junge Verein will in der Ausstellung „die gesellschaftlichen Zuschreibungen an diesen Körperteil“ und dabei vor allem die „starke Sexualisierung der weiblichen Brustwarze“ in Frage stellen. Was entgegnet Schiml Menschen, die sagen, dass männliche und weibliche Brustwarzen einfach etwas anderes sind? Aus ihrer Sicht ist das kulturell bedingt. Schiml führt das Beispiel eines Paares in den Fünfzigern an, das sich für das „adhibet“-Projekt interessierte. Die beiden waren in der DDR damit aufgewachsen, dass die Freikörperkultur (FKK) etwas ganz Normales ist – und verstanden gar nicht, wo beim Zeigen einer Brustwarze das Problem liegt.

Von der Ausstellung erhofft sich Schiml, dass sie den Dialog und die Meinungsbildung anregt. Im besten Fall könne man zu einem „politischen Momentum“ beitragen, sagt sie – das dazu führt, dass eines Tages Frauen problemlos oben ohne im Park unterwegs sein könnten.

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Info:

Ausstellung

  • Unter dem Titel „adhibet“ stellt der Verein für junge Kunst und Kultur Weiden im Zuge der Transgender-Awareness-Week vom 29. Oktober bis 20. November in den Räumen des Kunstvereins Weiden aus.
  • Die Eröffnungsfeier findet am Freitag, 29. Oktober, um 19 Uhr unter 3G-Regeln statt. Die Öffentlichkeit ist eingeladen.
  • Die Ausstellung wirft unter anderem die Frage auf, ob eine Unterscheidung in weibliche und männliche Brustwarzen noch zeitgemäß ist.
Eine Wand voller Brustwarzen erwartet die Besucher der Ausstellung „adhibet“ in Weiden.

 

 

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