23.10.2020 - 16:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eltern in Weiden und Neustadt laufen gegen Maskenpflicht im Unterricht Sturm

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Die Stimmen werden lauter. Vor allem im Westen des Landkreises Neustadt/WN fordern immer mehr Eltern, die Maskenpflicht in Grundschulen und Kitas aufzuheben. In Weiden versucht eine Partei im Stadtrat, dafür das Sprachrohr zu werden.

Landauf, landab ein gewohntes Bild in Klassenzimmern: Kinder sitzen mit Mütze gegen die Zugluft und mit Mund-Nasen-Schutz gegen Viren im Unterricht. Dagegen regt sich nun Widerstand.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Sara Ermer aus Parkstein hat drei Kinder. Eine Tochter besucht die fünfte Klasse am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden, die kleinere ist Erstklässlerin in Parkstein. Seit die Mädchen eine Mund-Nasen-Maske zwingend im Unterricht tragen müssen, hört die Mutter von beiden ähnliche Klagen: Bauchschmerzen, Schwindelgefühl, Atemnot, Übelkeit, Ausschlag. Die Mädchen weinen, verstehen die Lehrerin schlecht, sind unkonzentriert. Dabei sei etwa in der Turnhalle, in der zurzeit ihre Kleine Rechnen und Schreiben lernen soll, genügend Abstand möglich.

Für Sara Ermer ein klarer Fall: Diese Anordnung, die sogar im Sportunterricht gilt, ist ein Unding. "Die Rechte der Kinder gehen dabei unter. Manche Ärzte warnen bereits vor Folgeschäden."

Ins Lager der Corona-Leugner lässt sich die Parksteinerin nicht stellen, ebenso wenig wie viele andere Eltern aus dem Raum Parkstein, Pressath, Eschenbach, die zurzeit zuhauf an Landrat Andreas Meier schreiben. Ihr Tenor: Er soll die Maskenpflicht lockern, ihre Gemeinden hätten niedrigere Infektionszahlen als andere Landkreisteile, und jüngere Kinder seien nach Ansicht der Wissenschaft ohnehin nicht Hauptverbreiter von Covid-19. Teilweise ist die Wortwahl drastisch. Eine Pressatherin verwendet das Wort "Körperverletzung."

Hauptsache Präsenzunterricht

An eine schweigende Mehrheit von Maskenbefürwortern in der Elternschaft glaubt Sara Ermer nicht: "Viele Mütter erzählen mir, dass ihre Kinder Angst haben, zu sagen, dass sie unter der Maske leiden."

Diese Beobachtung teilt Schulleiter Armin Aichinger nicht. "Für Kinder ist das Aufsetzen der Maske inzwischen ein Ritual." Frau Ermers Tochter sei es auch gleich besser gegangen, nachdem ihr die Lehrerin eine leichtere Maske gegeben habe. Zudem hätten sich viele Eltern positiv über das Hygienekonzept der Parksteiner Schule geäußert.

Unabhängig davon ist Aichinger überzeugt: "Ob man es versteht oder nicht, ist irrelevant. Wir sind an einen Rahmenplan gebunden und versuchen so lange wie möglich, die Kinder im Präsenzunterricht zu halten."

Das ist ganz im Sinne der Weidener Kinderärztin Dr. Claudia Lauterbach: "Bitte schreiben Sie, dass die Kindergärten und Schulen so lange wie möglich offen bleiben müssen." Es sei nicht nachvollziehbar, dass ein gesundes vierjähriges Kind bei einem Schnupfen zu Hause bleiben müsse, wo laufende Nasen in diesen Monaten völlig normal seien. "Aber wenn Sie die Kinder aus ihren sozialen Kontakten reißen, dann schaffen Sie die psychischen Probleme."

Ärztin: Vieles ist Kopfsache

Lauterbach räumt ein, dass vermehrt Anfragen von Eltern kommen, Töchter und Söhne per Attest von der Maske zu befreien. Zwar müsse der Einzelfall betrachtet werden, die Erfahrungen der Ärztin lehrten jedoch, dass nicht gleich ein gesundheitliches Problem dahinter stecke: "Bei Kindern ist vieles Kopfsache. Ich will die Maske nicht aufsetzen, also tut sie mir weh. Das ist auch in anderen Bereichen ein typisches Verhaltensmuster."

Der Ball liegt also wieder bei der Politik. Landrat Meier antwortet allen schriftlich, die ihn wegen der Maskenpflicht für Kinder beknien: "Auch ich verstehe nicht immer und nicht bei allen angeordneten Maßnahmen sofort auf den ersten und oftmals auch nicht auf den zweiten Blick den tieferen Sinn." Als Beispiel nennt er die Tatsache, dass Kinder im Bus nebeneinander sitzen können und im Klassenzimmer Abstand halten müssen.

Landrat: Lockerung nicht drin

Die Maskenpflicht bei den Kleinen gefalle ihm nicht zu Gänze. Er verweist aber auf die dramatisch hohen Infektionszahlen in der Region. "Und als Vater würde ich mich bei allen Abwägungen immer für das geringere Risiko entscheiden." Die dynamische Entwicklung bei den positiv Getesteten erlaube ihm daher nicht, die derzeit gültigen Regelungen zu ändern oder auszusetzen. Er werde sie weiterhin prüfen.

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Meier schickt gegenüber Oberpfalz-Medien gleich noch eine Warnung hinterher: Es sei eine gefährliche Illusion, zu glauben, in bestimmten Landkreisteilen würde sich Corona zurzeit nicht rasend schnell ausbreiten. Interessant: Auf die ausführlichen Antwortschreiben, bekommt der Landrat etliche wohlwollende Reaktionen von den Eltern.

AfD prescht vor

Als deren Lobby versteht sich in Weiden die AfD-Fraktion im Stadtrat. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister und Stadtratskollegen fordert sie die Aufhebung der Maskenpflicht für alle Schüler im Unterricht. Die Stadt München sowie die Landkreise Ebersberg und Unterallgäu hätten die Anordnung bereits für Grundschüler zurückgezogen. "Die willkürlich gezogenen Grenzwerte von 35, 50, 100 Infizierten pro 100 000 Einwohner und Woche" sehe die AfD sehr kritisch.

In ihrer Begründung schreiben Karl Schmid und Manfred Schiller unter anderem folgende Sätze: "Kinder erkranken in den seltensten Fällen an Covid-19. Ein positiver Test sagt überhaupt nichts darüber aus, ob sich diese Person tatsächlich mit ,Corona' angesteckt hat und somit auch weitere Personen anstecken kann. Erst wenn tatsächlich eine Infizierung stattgefunden hat, ist man auch ansteckend. Dies geschieht in den seltensten Fällen."

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