19.01.2021 - 15:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Firmen in der Nordoberpfalz sorgen sich um tschechisches Personal

Das IHK-Gremium Nordoberpfalz sieht keinen Grund, laut den Coronablues anzustimmen. Eines fürchten Geschäftsführer Florian Rieder und viele Unternehmer aber akut: verschärfte Testpflicht für Berufspendler aus Tschechien.

Auf Pendler aus Tschechien kommen womöglich längere Kontrollen an den Grenzübergängen zu. Schon bald könnten sie alle 48 Stunden einen neuen negativen Coronatest vorlegen müssen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Am Dienstagvormittag trafen sich Verantwortliche des IHK-Gremiums, das 14431 Betriebe in der Nordoberpfalz vertritt, zur Lagebesprechung. Ihre Sorge: Jeden Tag könnte eine neue Verordnung greifen, die der Bund letzte Woche angekündigt hat. Sie könnte rund 5000 Arbeitnehmer treffen, die täglich aus Tschechien zum Arbeiten in die Nordoberpfalz fahren.

"Wenn das kommt, wird es ein enormer Aufwand", stöhnt IHK-Geschäftsführer Florian Rieder. Konkret geht es um eine 48-Stunden-Testpflicht auf das Coronavirus. Bislang müssen tschechische Pendler wöchentlich einen negativen Coronatest vorlegen.

Mehraufwand für Unternehmen

Sollten sie das jeden zweiten Tag tun müssen, ziehe das außer für die Betroffenen jede Menge logistischen Aufwand für die Betriebe hinterher, in denen die Tschechen arbeiten. Muss der Betriebsarzt die Test vornehmen? Muss dafür ein Ersthelfer nachgeschult werden? Reicht ein Schnelltest oder muss es ein PCR-Test sein? Auf all diese Fragen könnten Firmen zwischen Luhe und Waldershof morgen schon Antworten finden müssen.

Hintergrund sind neue Kategorien für Risikogebiete, die das Robert-Koch-Institut festgelegt hat. "Wir befürchten, dass Tschechien demnächst als Hochinzidenzgebiet ausgewiesen wird", sagt Rieder. Wer dann einreisen wolle, brauche einen negativen Test, der nicht älter als 48 Stunden sei.

Da viele Tschechen außer in der derzeit ruhenden Gastronomie ihr Geld vor allem im produzierenden Gewerbe verdienen, drohen diesen Firmen Engpässe am Band oder in der Werkhalle. Denn trotz Lockdowns müssen Aufträge abgearbeitet und Lieferketten bedient werden. Die Betriebe seien zwar im Moment laut Rieder "relativ robust", das müsse aber nicht so bleiben. Er kennt Reaktionen "von dramatisch bis verzweifelt", was Gastro, Reisebüros, Schausteller oder Veranstalter betrifft.

Gewinner der Pandemie

Schwarzmalen will er dennoch nicht: "Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass eine Insolvenzwelle auf uns zurollt." Eine Ausnahme könnte der Weidener Einzelhandel sein. Allerdings verzeichne die IHK derzeit kaum Interesse an Sprechstunden mit Fachanwälten, die die Kammer extra für Betriebe in Schwierigkeiten eingerichtet habe.

Auf der anderen Seite gebe es durchaus in der Region einige Gewinner der Pandemie. Neben allen, die mit E-Commerce zu tun haben, seien das auch klassische Branchen, über die Oberpfalz-Medien bereits berichtet hat: Schott-Glas für Impfstoff, Synlab-Labortechnik für Coronatests, die Brennerei Schraml mit Alkohol für Desinfektionsmittel. Auch Holzbetriebe, die Baumärkte beliefern, seien weiter gut im Geschäft.

Noch ein Hoffnungsschimmer: Endlich wird die zweite Hälfte der Novemberhilfen ausbezahlt. Doch auch die IHK kämpft damit, im Dschungel der insgesamt sechs staatlichen Corona-Hilfsprogramme den Überblick zu behalten. Rieder weiß von verunsicherten Steuerberatern, die für ihre Klienten nach einer am 1. Januar in Kraft getretenen Richtlinie Geld beantragt haben. Diese Anträge mussten sie überarbeiten: die Überbrückungshilfen mussten erst an EU-Recht angepasst werden.

"Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass eine Insolvenzwelle auf uns zurollt."

Florian Rieder, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Nordoberpfalz

Florian Rieder, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Nordoberpfalz

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