11.01.2021 - 16:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flüssiger Distanzunterricht nach dem Stotterstart

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Weihnachtsferien sind vorbei, die Klassenzimmer bleiben trotzdem leer. Stattdessen bestimmen Mebis, Big Blue Button und Klassenkisten den Unterricht. Wie ist den Schulen in der Region der Startschuss gelungen?

Der Distanzunterricht an den Schulen in der Region scheint gut angelaufen zu sein - nach kleinen technischen Pannen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Was war nicht alles befürchtet worden vor dem Start des Distanzunterrichts an diesem Montag. Kollabierende Lernprogramme. Unbeaufsichtigte Schüler. Eltern und Lehrer an der Schwelle zum Nervenzusammenbruch. Wer sich mit den Schulleitern der Region unterhält, der zumindest bekommt einen anderen Eindruck. Der Start scheint geglückt, auch wenn die Schulen jeweils eigene Wege gehen und es hier und da bei der Technik holperte. Am wichtigsten, da war man sich an allen befragten Schulen einig, ist es, den Schülern eine Struktur beim Lernen zu geben, einen halbwegs geregelten Vormittag.

Zurück in den Rhythmus

"Da haben wir aus dem Frühjahr 2020 gelernt", berichtet Thomas Reitmeier, Direktor der Wirtschaftsschulen Eschenbach und Weiden. Damals, als die Schulen zum ersten Mal bedingt durch Corona geschlossen worden waren, hätten eben viele Hilfsprogramme noch nicht zur Verfügung gestanden. Schüler hätten ihre Arbeitsaufträge teilweise mitten in der Nacht abgegeben. "Die hatten einen völlig veränderten Tagesrhythmus, jetzt ist es anders. Unsere Schüler haben sich heute Morgen über Microsoft Teams angemeldet, dann konnte der Unterricht starten." Und die Technik? "Einige Schüler konnten wir zuerst nicht erreichen, da gab es technische Probleme", sagt Reitmeier. Mehr als Einzelfälle seien das aber nicht. Der Schulleiter hat "insgesamt einen guten Eindruck, es ist gut angelaufen". Nach der langen Ferienzeit gelte es jetzt für die Schüler, wieder in den schulischen Tagesablauf hineinzufinden.

An der Mittelschule Vohenstrauß will Schulleiter Hubert Reil noch kein abschließendes Urteil zum Distanzunterricht fällen. "Dafür ist es noch recht früh, jetzt muss erst einmal Normalität einkehren." Am Montagmorgen sei sowohl das Videokonferenz-Programm Big Blue Button als auch eine schuleigene Lernplattform überfordert gewesen. Reil ist davon nicht wirklich überrascht. "Angesichts der vielen Zugriffe war das zu erwarten. Mittlerweile laufen aber Videokonferenzen." Reil hofft, dass ab Tag zwei des Distanzunterrichts auch die technischen Stolpersteine beseitigt sind. Entscheidend für einen gelungenen Unterricht sei aber ohnehin eine gute Mischung aus Kommunikation per Video und eigenständigem Arbeiten - mit Feedback und Besprechung, versteht sich.

"Lange genug vorbereitet"

Dieses System auf zwei Schienen setzt auch das Gymnasium Neustadt um. Videokonferenzen laufen über Big Blue Button, dem vom Landratsamt Neustadt empfohlenen Programm. Arbeitsblätter und andere Materialien können die Schüler über Mebis abholen. "Unsere Schüler wissen mit beiden Programmen umzugehen, darauf haben wir sie lange genug vorbereitet", ist sich Direktor Anton Hochberger sicher. Freilich, die vielen Zugriffe machten den Start am Montag ein weinig holprig. Ernsthafte Sorgen macht sich Hochberger aber keine. "Das Landratsamt will Big Blue Button auch noch einmal aufrüsten, es hat sich schließlich rumgesprochen, dass das ein super System ist."

Auftrag aus der Kiste

Und die Grundschulen? Wie ergeht es den Kleinsten im virtuellen Klassenzimmer? Sie sind schließlich am ehesten auf tatkräftige Mithilfe ihrer Eltern angewiesen. Die Hans-Schelter-Grundschule in Weiden hat deshalb gleich ein ganzes Bündel an Kommunikationswegen angeboten. Je nach individuellem Bedarf der Familien können Schüler, Eltern und Lehrer per Telefon, Mail oder Big Blue Button kommunizieren. Für Familien, die diese digitalen Optionen nicht nutzen können, um Arbeitsaufträge abzurufen, steht eine sogenannte Klassenkiste bereit. Aus einer Box, die vor einem Nebeneingang der Schule steht, können Eltern Arbeitsmaterialien mitnehmen. Um die Aufträge zu erledigen, haben die Schüler dann drei Tage Zeit. "Diese Vielfalt ist wichtig, um auf alle Schüler eingehen zu können", glaubt Rektorin Petra Demleitner-Lebegern. "Wir sind dankbar, dass uns die Eltern in dieser schwierigen Zeit so sehr unterstützen." Probleme bei Anmeldungen habe es zumindest am Montag keine gegeben.

Kommt man aber auf die Rückkehr in den Präsenzunterricht zu sprechen, ist allen eine gewisse Sehnsucht anzumerken. Man ist sich einig: Die aktuelle Situation erfordert eben einen digitalen Unterricht auf Distanz. Der beste, der effektivste Unterricht aber findet im Klassenzimmer statt. "Hoffentlich haben wir im Februar wieder andere Möglichkeiten", sagt Demleitner-Lebegern.

Das steckt hinter dem Programm Big Blue Button

Tirschenreuth
Hintergrund :

Die häufigsten Lernplattformen im Distanzunterricht

  • Mebis: Die Plattform Mebis wird vom bayerischen Kultusministerium angeboten. Hier sind die Schüler in verschiedene virtuelle Klassenräume eingeteilt, können Arbeitsaufträge abrufen und Nachrichten schreiben. Wegen häufiger Ausfälle und technischer Probleme machte das Programm Ende letzten Jahres Negativschlagzeilen.
  • Big Blue Button: Seit 2007 gibt es das Programm Big Blue Button. Während es vor der Pandemie eher von Hochschulen genutzt wurde, empfehlen es nun mehrere Landkreise der Oberpfalz für den schulischen Distanzunterricht. Per Videochat können Schüler und Lehrer in Kontakt treten.
  • Microsoft Teams: Das Programm der Firma Microsoft ist nicht speziell auf Schulen ausgerichtet, bietet jedoch vielfältige Möglichkeiten, gerade mit Blick auf Videokonferenzen Schulen, die Teams nutzen, loben vor allem die Stabilität.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.