27.09.2020 - 13:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kathreinmarkt in Weiden abgesagt

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Jetzt hat es die Stadt bestätigt: Der Kathreinmarkt am letzten Sonntag vor dem Advent fällt aus. Auch wenn viele damit gerechnet haben – Innenstadt-Einzelhändler können sich einen Schmerzensschrei nicht verkneifen.

Rechts Buden, links offene Läden, oben der leuchtende Hinweis, dass es gilt, bald Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Auf dieses Erlebnis müssen Flaneure an Kathrein heuer verzichten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der Kathreinsonntag gilt bei den Geschäften zwischen Bahnhofsstraße und Unterem Tor als einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. Dass er in Pandemiezeiten auf der Kippe stand, war vorherzusehen. Nun verkündet das Rathaus auf Anfrage von Oberpfalz-Medien: "Die Durchführung des Michaelimarkts am 4. Oktober ist nach den geltenden infektionsschutzrechtlichen Bestimmungen aufgrund der zu erwartenden Besucherströme nicht möglich. Der Markt wird daher abgesagt. Soweit sich die diesbezüglichen Bestimmungen in den kommenden Wochen nicht ändern, wird dies auch für den Kathreinmarkt gelten, die akzessorische Sonntagsöffnung von Ladengeschäften entfällt somit automatisch."

Sonna: Anderswo ist verkaufsoffen möglich

Einige Geschäftsinhaber wussten dies bis dato noch nicht, stutzt Tobias Sonna, der Sprecher der Altstadt-Kaufleute. Er kommt gerade von einer Einzelhändlertagung zurück, bei der er Kollegen aus ganz Deutschland getroffen hat. "Wir haben auch über solche Märkte und verkaufsoffenen Sonntage gesprochen. In manchen Städten Bayerns und anderen Bundesländern finden sie statt." In der Tat: Gibt man bei Google das Stichwort "Kathreinmarkt 2020" ein, ploppt der abgesagte Markt in Kempten genauso auf wie der geplante in Vohburg an der Donau.

Forderung: Kreativität gepaart mit Sicherheit

Sonna vermisst in diesem Zusammenhang etwas Kreativität. So hätte man mit den Geschäftsleuten darüber nachdenken können, die Stände in die Seitengassen zu ziehen und vielleicht bis zum Josef-Witt-Platz auszudehnen, um die Menschenmengen zu entzerren. Oder man hätte Bratwurst- und Burgerbuden stark reduziert.

Sebald: Besser als Lockdown

Nachbar Michael Sebald sieht die Sache gelassener, obwohl auch er von der Absage erst über die Medien erfährt. Als Juwelier tut ihm der Verzicht besonders weh. Kathrein ist der klassische Tag, an dem Bummler vorsondieren, was für den Partner als Weihnachtsgeschenk infrage kommt. "Es war immer ein Supertag, doch es wundert mich nicht. Aber ,safety first' ist mir lieber als ein Lockdown." Sebald und seine Mitarbeiter könnten zudem Besucherbeschränkungen auf ihrer relativ kleinen Ladenfläche kaum umsetzen. "Was tun Sie, wenn Sie im Beratungsgespräch stecken, und auf einmal kommt eine ganze Familie rein?"

Wöhrl: "Nicht glücklich"

"Es gibt Wichtigeres als Umsätze", räumt auch Wöhrl-Geschäftsführer Klaus Neumeier ein. Das Hygienekonzept für den Kathrein-Andrang hätte er sich und seinem Team aber ohne Weiteres zugetraut. "Wir sind nicht glücklich, wir haben da in der Regel 2000 Besucher in 5 Stunden." Kathrein sei daher "wie ein ordentlicher Samstag" einzuschätzen. "Es gibt nicht Schwarz und Weiß, ich verstehe auch die Stadt, aber es wird immer schwieriger", sorgt sich der Textilfachmann. "Uns fehlen an den Wochenende jetzt schon die Tschechen, und jetzt im Herbst wird bald jeder Zweite mit Halsweh daheim bleiben, bis er weiß, dass er nichts überträgt."

Harry's Men Fashion noch nie erfreut von Markttreiben

Etwas leichter als der Vollsortimenter tut sich Harald Sauer (Harry's Men Fashion) mit der Absage. Er habe sich noch nie recht mit dem November-Marktreiben vor seiner Boutique anfreunden können. "Die Stände direkt vor meiner Tür waren noch nie Umsatzbringer." Von Stammkunden wisse er, dass viele den Tag zum Einkaufsbummel vermeiden. "Wenn die Frauen mit ihren Männern zu mir kommen und sagen, ,Schatz, schlupf mal da rein', weil sie für Weihnachten Ausschau halten, stören die anderen Sachen vor dem Laden nur."

So lief der Kathreinmarkt 2019 ab

Weiden in der Oberpfalz
Kommentar:

Nur Konsum kann helfen

Eine Diskussion über Für und Wider der Absage des Kathreinmarkts kann Stunden füllen, bringt aber nicht viel. Die Stadt hat das Totschlagargument der Sicherheit auf ihrer Seite, Einzelhändler und Wirte das ähnlich gewichtige Pfund der wirtschaftlichen Notwendigkeit. In so einer Situation hat jeder recht.
Wie also kann die Situation halbwegs gerettet werden? Ein Patentrezept fehlt, ein paar Regeln helfen aber. Da wäre der schwer einzuhaltende Vorsatz, weniger im Internet und öfter in der Stadt einzukaufen. Da wäre die Idee, 2020 für Weihnachtsgeschenke ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen, sofern der Kurzarbeiterlohn es zulässt. Schließlich müsste noch Geld vom ausgefallenen Sommerurlaub übrig sein.
Den Geschäften fehlt mit Kathrein nicht nur ein Umsatztag. Die Absage ist ein Schauer, der den Pegel dort höher steigen lässt, wo den Händlern das Wasser bereits bis zum Hals steht. Der Deutsche Handelsverband fürchtet laut „Wirtschaftswoche“ im Nicht-Lebensmittelbereich bis zu 10 000 Insolvenzen. Für Weiden würde das mehr denn je bedeuten: weniger Rosini, mehr Nagelstudio, weniger Uhren-Heinz, mehr Handyshop.

Friedrich Peterhans

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