12.04.2021 - 17:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nur noch mit Termin und Test? Was beim Einkaufen jetzt zu beachten ist

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Corona-Test, Termin, einkaufen. Alles klar? Ganz so einfach ist es nicht. Auf dem Weg zum unbeschwerten Großeinkauf gibt es manch unerwartete Hürde, aber auch kaum bekannte Möglichkeiten. Ohne Planung geht nichts. Ein fiktiver Einkaufstag.

Einkaufen im Baumarkt? Eine Frau legt den Nachweis ihres negativen Corona-Tests im Eingangsbereich von Obi in Pressath vor.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Sorgenfreies Einkaufen, Shopping nebenbei, das war einmal. Wer während der Corona-Pandemie eine Einkaufsliste abarbeiten möchte, der muss mittlerweile einiges planen. Schließlich ist seit diesem Montag in vielen Geschäften ein negativer Corona-Test notwendig, um überhaupt einen Laden betreten zu dürfen. Wo darf ich ohne Test einkaufen? Muss ich einen Termin vereinbaren? Welche Tests sind gültig und wie lange? Und was ist nochmal ein Geschäft des täglichen Bedarfs? Dieser Text soll anhand einer fiktiven Einkaufsliste erklären, wie trotz aller Unklarheiten und allen Wirrwarrs ein sicheres Einkaufen möglich ist.

Unsere Einkaufsliste ist nicht sonderlich lang, wir müssen dafür aber verschiedene Geschäfte betreten. Ganz oben: sechs Eier und Wiener Würstchen. Die Eier gibt es im Supermarkt oder im Dorfladen. Die Wiener kaufen wir beim Metzger vor Ort. Diese Geschäfte verkaufen Produkte des täglichen Bedarfs. Sie haben deshalb ganz normal geöffnet. Es ist kein Termin nötig und auch kein Corona-Test. Zu beachten ist nur: Es gibt je nach Verkaufsfläche eine maximal erlaubte Kundenzahl. Maske und Abstand halten - ohnehin klar.

Testen je nach Inzidenz

Nachdem langsam der Frühling den Winter verdrängt, sollen Blumen her, Geranien. Und ein neuer Rasenmäher täte auch Not. Also: Gärtnerei und Baumarkt. Beides gilt nicht mehr als täglicher Bedarf. Auch Schuhgeschäfte und Buchhandlungen haben ihren Sonderstatus eingebüßt. Die oben genannten Ausnahmen greifen also nicht. Nun ist entscheidend, wo wir einkaufen möchten. Schauen wir bei einem Weidener Baumarkt vorbei, haben wir vorerst Glück. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell (Stand: 12. April) unter 100. Überstiege sie drei Tage in Folge den Wert 100, wäre zum Einkaufen ein Corona-Test nötig. In jedem Fall brauchen wir aber einen Termin, aktuell ist nur Click&Meet erlaubt. Bei den meisten Geschäften funktioniert das telefonisch, einige bieten auch Online-Termine an, größere Baumarkt-Ketten etwa.

Wir wollen nun nicht in Weiden einkaufen, sondern im Kreis Neustadt. Die Corona-Inzidenz liegt hier weit über 100. Also brauchen wir nicht nur einen Termin im Geschäft, sondern neuerdings auch den Nachweis eines negativen Testergebnisses. Wie kommen wir da ran? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Viele Apotheken, aber auch einige Hausärzte bieten Corona-Antigentests an. Gerade in den Apotheken gibt es dafür vorgesehene Zeitfenster, in denen die Tests in einem separaten Raum unter Hygienevorschriften von geschultem Personal durchgeführt werden. Ist der Test negativ, bekommt der Kunde einen gedruckten oder elektronischen Nachweis, auf dem der Zeitpunkt des Tests vermerkt ist. Dieser Schein dient nun für 24 Stunden als Eintrittskarte für Click&Meet in Landkreisen mit Inzidenzwert über 100. Apothekersprecher Martin Wolf aus Vohenstrauß gibt aber zu Bedenken, dass je nach Andrang ein Test-Termin drei bis vier Tage vorher vereinbart sein müsse.

Diese Apotheken in der Region bieten Antigen-Tests an

Vohenstrauß

Selbsttest nur unter Aufsicht

Alternativ gilt freilich auch ein PCR-Test - dann sogar für 48 Stunden. Eine dritte Möglichkeit sind sogenannte Bürgertests vor den Geschäften. Sie sind vergleichbar mit den Apotheken-Tests, werden aber von den Geschäften selbst durchgeführt. Dafür ist im Voraus freilich eine ärztliche Schulung des Personals nötig. Diese Tests gelten ebenfalls für 24 Stunden und in allen Geschäften. Und ein Schnelltest daheim? Die Laientests? Zählen nicht. Möglich ist nur, diesen Stäbchentest unter Aufsicht vor der Ladentür durchzuführen. Im Vier-Augen-Prinzip. Da kein Testnachweis erstellt werde, gelte das aber nur für genau dieses eine Geschäft, vor dem der Test gemacht wird, heißt es aus dem Landratsamt. Bei einem Schnelltest vor dem Geschäft ist zu beachten, dass es etwa 15 Minuten dauert, bis ein Ergebnis feststeht. Erst dann geht es in den Laden.

Wie funktioniert das nun in der Praxis? Der Baumarkt Obi in Pressath hat mehrere "Kontrolleure" im Eingangsbereich postiert. Am späten Vormittag nach drei Stunden Öffnung haben noch kaum Kunden einen Selbsttest unter Aufsicht durchführen wollen, die meisten haben Nachweise von Apotheken oder Testzentren dabei. Einige Einkäufer wollten auch mit zu Hause durchgeführten Tests Einlass bekommen. Das ist nicht erlaubt. Im Vergleich zur Vorwoche falle der Andrang nun deutlich geringer aus, hat Leiterin Alexandra Lehnert beobachtet. "Die Kunden gehen halt zum Supermarkt oder fahren nach Weiden", vermutet sie.

Weniger Andrang? Damit könnte Elke Hackbarth noch gut leben. Am Montagvormittag hat sich noch kein einziger Kunde in ihre Gärtnerei in Mantel getraut. Wenigstens einen Blumenstrauß hat jemand abgeholt. Hackbarth reicht ihn einfach über den Zaun. Für Abholungen ist kein Test nötig. Sie ärgert sich trotzdem gewaltig. "Drüben im Netto staut sich alles, da können die Leut' ihre Blumen holen." Und in ihrer Gärtnerei, wo ein Großteil der Verkaufsfläche im Freien wäre, ist ein Test nötig. "Wegen zehn Salatpflanzen kommt doch keiner mit einem Test!"

Wut auf die Supermärkte

Dasselbe trübe Bild beschreibt Schuhverkäuferin Doris Ermer aus Floß. Kunden mit Test? Fehlanzeige. Und das obwohl Floß zu den wenigen kleinen Orten zählt, wo eine Apotheke Antigen-Tests anböte. "Es kennt sich doch hinten und vorne keiner aus", schimpft sie. Denkt sie an die vergangene Woche, als in Schuhgeschäften noch keine Tests nötig waren, klingt sie beinahe wehmütig. "Ja, da war's echt schön. Das haben die Kunden gut angenommen. Vor allem Familien mit Kindern." Wer würde sich denn in einem Schuhgeschäft mit straffer Kundenbegrenzung anstecken, fragt sie sich. Auch sie zeigt mit dem Finger in Richtung Supermärkte. "Da bekommst du alles, Schuhe, Kleidung, Pflanzen. Und dann wundern, wenn die kleinen Läden Pleite machen." Einen kleinen Vorteil hat Ermer: Sie bietet auch orthopädische Produkte wie Einlagen an. "Das ist medizinischer Bedarf." Einen Termin brauchen Kunden dafür genauso wenig wie einen Test. Sie erfragt nun am Eingang, wonach die Kunden suchen. Der Einlagen-Anteil betrug am Montag 100 Prozent.

Wer sich also allen Wirrungen zum Trotz auf einen Großeinkauf samt Pflanzen, Schuhen und Rasenmäher macht, der braucht einen langen Atem. Selbst ein Blumenkauf will Tage im Voraus geplant sein. Je nach Test-Methode und Einkaufsliste. Im Geschäft selbst darf der Kunde dann aber auf Sonderbehandlung hoffen. Man könnte der einzige Käufer des Tages sein.

So funktioniert Click&Meet in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund :

In diesen Geschäften ist kein Termin oder Test nötig

  • Lebensmittelgeschäfte
  • Metzgereien und Bäckereien
  • Tankstellen
  • Schreibwarengeschäfte (für Schülerbedarf)
  • Schuhmacher (aber nicht Schuhgeschäfte)
  • Reformhäuser, Apotheken und Sanitätshäuser
  • Banken
  • Drogerien
  • Optiker und Hörgeräteakustiker
  • Explizit NICHT mehr unter diese Kategorie fallen: Baumärkte, Gärtnereien, Buchhandlungen und Schuhgeschäfte.
  • Die Abholung bestellter Waren (Click&Collect) ist ebenfalls ohne Corona-Test möglich.
  • Vorteile für Geimpfte sind derzeit nicht geplant. Auch sie müssen je nach Inzidenz einen negativen Test vorlegen.

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