05.05.2021 - 18:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sanierungsarbeiten in Max-Reger-Halle: Statt Musicalklängen klopfen die Handwerker

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Der Chef der Max-Reger-Halle und seine 44 Mitarbeiter, die sich seit Monaten in Kurzarbeit befinden, hoffen auf baldige Lockerungen: "Die Bühne will bespielt werden." Arbeit gibt es trotzdem jede Menge in dem 30 Jahre alten Gebäude.

Herde, Dampfgarer, Fritteusen, Warmhaltefelder, und, und, und. Noch glänzen die Geräte in der neuen Großküche in der Max-Reger-Halle. Geschäftsführer Johannes Häring sehnt den Tag herbei, an dem das erste Mal aufgekocht wird.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Max Raabe wird „sein kleines Glück“ erst 2022 suchen. Auch Musicals und Messen in der Max-Reger-Halle sind bereits verschoben. Im zweiten Coronajahr fehlen Johannes Häring, Geschäftsführer der Max-Reger-Congress & Event GmbH, Einnahmen. Doch er sieht’s pragmatisch und nutzt die veranstaltungsfreie Zeit für Renovierungsarbeiten.

Der Blick hinter die Fassade brachte auch Überraschungen zutage. Das war auch Häring klar, als er im vergangenen Sommer die ersten größeren Maßnahmen in Angriff nahm. "Das Haus ist ja 30 Jahre alt, das darf man nicht vergessen", sagt der Geschäftsführer. Vor allem Küche und Kälteanlagen brauchten eine Komplettüberholung. Beim Thema Brandschutz wurde es dann aber auch dem Hallenchef etwas warm. "Als wir die Deckenverkleidungen aufgemacht haben war schnell klar: Es herrscht Handlungsbedarf."

Halbe Million Euro Mehrkosten

Für eine Versammlungsstätte, in der sich bis zu 1000 Personen aufhalten können, habe Sicherheit oberste Priorität. Und für den Brandschutz, so Häring, gebe es nunmal keinen Bestandsschutz. "Beim Bau der Halle Anfang der 90er Jahre war das Haus auf dem modernsten Stand. Doch mittlerweile gelten andere gesetzliche Vorgaben, die erfüllt werden müssen."

Neben vereinzelten Ertüchtigungen sind auch Umbauten notwendig, die die Kosten in die Höhe treiben. So werden neue Fluchtwege angelegt, Brandschutztüren und -decken in der Küche und in verschiedenen Räumen eingebaut und vor allem sämtliche elektrische Leitungen dem Sicherheitsstandard angepasst. "Da müssen zum Beispiel spezielle bromierte Kabel verlegt werden. Die halten bei einem Feuer bis zu 30 Minuten die Hitze aus", weiß Häring. Über 500 000 Euro zusätzlich werde allein der Brandschutz kosten. Damit habe niemand gerechnet. Und das Konzept sei noch nicht einmal ganz fertig. In den kommenden Jahren stünden weitere Maßnahmen an, unter anderem die Erneuerung der zentralen Brandmeldeanlage.

"Die Mehrkosten können wir aus liquiden Mitteln der Max-Reger-Halle schultern", sagt der Geschäftsführer. "Wir haben den Wirtschaftsplan vorgezogen." Es sei Geld da, der städtische Haushalt werde nicht belastet. Den Aufsichtsrat mit Oberbürgermeister Jens Meyer als Vorsitzendem habe er vergangene Woche in einer Sitzung informiert.

Von den ursprünglich veranschlagten 800 000 Euro für die Sanierungsmaßnahmen verschlingen die neuen Kältemaschinen ebenso einen großen Batzen Geld. 593 000 Euro kostet die Zentralkälteanlage mitsamt Steuerung und Leitungsbau. Vor Ostern hatte ein Kran das alte Gerät aus dem unterirdischen Technikraum hinter dem Hallengebäude gehoben. "Mitte Mai wird nochmal ein Kran notwendig", sagt Johannes Häring. Dann würden die neuen Kältemaschinen geliefert.

Das alte Aggregat stammte noch von 1990. "Das machte immer mehr Probleme und war wartungsintensiv. Es gab keine Ersatzteile mehr und das verwendete Kühlmittel ist heute verboten." Mit den neuen Kälteanlagen - künftig werden es zwei Maschinen sein - sieht sich der Hallenmanager außerdem auf der sicheren Seite, sollte eine Maschine mal ausfallen. Und effizienter sei sie. So werde es zum Beispiel einen neuen Pufferspeicher geben, der das kalte Wasser zwischenspeichert, das für die Luftkühlung und Klimaanlage verwendet wird. So könne die Vorlauftemperatur auch während der Stillstand- und Anlaufzeit der Kompressoren relativ konstant gehalten werden.

Fördermittel fließen

Dafür gibt es von der Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) eine Förderung in Höhe von 106 050 Euro. Häring freut sich über die unerwartete Zusage, da es das Förderprogramm "für effiziente Gebäude" erst seit Anfang 2021 gebe. Auch für die neue Küche, die sich nach dem Komplettumbau auf dem neuesten Stand einer Großküche befindet, gab es Fördermittel. 70 000 Euro steuerte die KfW-Bank bei.

Hintergrund:

30 Jahre Max-Reger-Halle

  • Ende Dezember 1991 inoffizielle Eröffnung mit Aufführungen des damaligen Postkeller-Kabaretts; zur Inbetriebnahme am 29. Februar 1992 spielten Bamberger Symphoniker
  • Je nach Bestuhlung können Veranstaltungen von 12 bis knapp 1200 Teilnehmer durchgeführt werden. Gustav-von-Schlör-Saal (bis 360 Personen), Gustl-Lang-Saal (bis 900 Personen)
  • Über 400 Veranstaltungen im Jahr (seit März 2020 Corona-Pandemie)
  • Restaurant mit 180 Sitzplätzen, teilbar in mehrere Konferenzräume
  • Im Untergeschoss Kegelbahn mit acht Bahnen auf Bundesliganiveau mit 150 Sitzplätzen
  • Zum 1. August 2020 löste die Max-Reger-Halle Event Gastronomie Hans-Rudolf Hüttel als Pächter ab

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