16.04.2021 - 10:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stillstand im Weidener Eisenbahnmuseum: "Es beißt sich in den Hintern"

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Eigentlich dürfte Horst Scheiner die riesige Modelleisenbahn Besuchern vorführen. Trotzdem bleibt das Weidener Eisenbahnmuseum geschlossen. Die aufwendige Technik erschwert kurzfristige Führungen. Und langfristig Planen ist unmöglich.

Horst Scheiner leitet das Weidener Eisenbahnmuseum. Obwohl er dürfte, kann und will er derzeit nicht für Besucher aufmachen. Schuld sind die Inzidenzwerte in Weiden.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Der Lockdown hat Horst Scheiner übel mitgespielt. Der Betreiber des Weidener Eisenbahnmuseums am Bahnhof ist derzeit in einer misslichen Lage. Den Inzidenzwerten in der Stadt folgend dürfte er sein Museum eigentlich öffnen, mit Terminbuchungen und Hygienestandards. Aber würde es sich lohnen? Scheiner hat seine Zweifel. Das Prunkstück des Museums ist die riesige Modelleisenbahn, die durch vier Räume und nur dank aufwendiger Elektronik fährt. "Die Anlage muss regelmäßig geprüft und gepflegt werden." Das passiert normalerweise bei einem Club-Abend des Museums am Freitag. Nun können diese Abende freilich während der Pandemie nicht stattfinden, die Pflege der Modelleisenbahn musste hintanstehen.

Ein weiteres Problem: Im Winter sinken die Temperaturen in dem Gemäuer schon mal unter den Gefrierpunkt. Das führt bei der hochsensiblen Technik zu Störungen. Die Wartung nach dem langen Winter ohne Öffnung braucht Zeit. Mindestens einen Tag Vorlauf, glaubt Scheiner. "Wir brauchen mehrere Leute in den verschiedenen Räumen, die kontrollieren, dass alles einwandfrei läuft." Käme es aufgrund der Kälte zu Störungen bei der Technik, ist die Gefahr groß, dass Züge kollidieren. Insgesamt ist die Sache für Scheiner deshalb zu heikel. "Es ist zu aufwendig für den Fall, dass wir wegen der Inzidenz gleich wieder zusperren müssen." Die Corona-Notbremse (drei Tage in Folge über einer 7-Tage-Inzidenz von 100) brächte auch die Weidener Modelleisenbahn sofort zum Stillstand. Langfristig planen, ja werben kann Scheiner deshalb überhaupt nicht.

Und kleine Sonderführungen? Um wenigstens ein bisschen Gewinn in der dürren Pandemie-Zeit zu machen? Würde sich kaum rentieren. Das private Museum zahlt Miete im niedrigen fünfstelligen Bereich an die Bahn. "Wenn ich die Anlage einschalte, kostet mich das an einem Tag 15 Euro." Strom, anteilige Miete, Heizen. Für eine Führung verlangt Scheiner 3,50 Euro. Damit sich der Betrieb der Modelleisenbahn überhaupt rechnet, braucht er also fünf Besucher. Damit kalkuliert er in der aktuellen Phase nicht. Größere Gruppen dürfte Scheiner ohnehin nicht einlassen. Und dazu wären auch mehr Mitglieder des Modelleisenbahnclubs nötig, um die Besucher zu kontrollieren. Die bekomme er derzeit gar nicht her. "Es beißt sich wirklich in den Hintern, so sehr wir das Geld bräuchten", ärgert er sich. Das Eisenhahnmuseum lebt einzig von Eintrittsgeldern und Mitgliedsbeiträgen. Je länger Weiden um die Inzidenzmarke 100 pendelt, desto prekärer wird die Lage im Museum.

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