24.09.2021 - 12:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Sünde"-Konzerte demnächst in altem Weidener Kino

In Weidens einst größtem Kinosaal läuft schon lange kein Film mehr. Bald kehrt trotzdem neues Leben ein – aber anders als gewohnt: Auf dem Spielplan steht die "Sünde"-Saison 2021 mit einer Reihe von Live-Konzerten.

Die Leuchtreklame des Ring-Kinos macht noch Werbung für die Kultur allgemein. Demnächst wollen Lukas Höllerer (links) und Co. hier die "Sünde"-Konzerte anpreisen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Leinwand ist zerschlissen, die gepolsterten Sitze sind längst ausgebaut. Seit einem Wasserschaden 2017 hat das traditionsreiche Ring-Kino an der Ecke Schiller-/Luitpold-/Ringstraße ausgedient. Als die Mitstreiter des Kulturvereins "Das Sündikat" Weidens einst größten Kinosaal kürzlich erstmals seit Jahren wieder betraten, waren sie "schon etwas schockiert", wie Chef-Organisator Lukas Höllerer einräumt – "vor allem wegen der aufgeschlitzten Leinwand". Der Schreck wich aber schnell der Vorfreude und der Zuversicht, etwas Besonderes aus dem Ort zaubern zu können. Einen Konzertsaal mit ganz speziellem Charme. Die "Sünde 2021".

"Erstmals können wir ein ganzes großes Gebäude nutzen", stellt Höllerer fest. "Foyer, Saal und so weiter." Bisher zog die "Sünde" in Teilbereiche von Gebäuden (Josefshaus, zuletzt Alte Hauptpost), nachdem eine erste improvisierte Saison 2015 noch in einem kleinen Laden auf der Allee über die Bühne gegangen war. Erst Mitte August tat sich das 1958 erbaute Ring-Kino als Möglichkeit auf, seit einigen Tagen sind die Verträge unterschrieben. "Seitdem arbeiten wir fast jeden Abend."

"Größer denn je"

Bühne und Lichtanlage stehen bereits, im Bereich der ehemaligen Loge wird das Mischpult aufgebaut. Höllerer: "Die ganze Anlage wird größer denn je, weil auch der Raum größer ist. Erstmals brauchen wir Traversen." Bis zum Start am 23. Oktober soll das besondere "Sünde"-Flair das ehemalige Kino und insbesondere den Saal und die Bühne prägen – am Konzept dafür tüftelt das "Sündikat" noch. Möglicherweise, so deutet Höllerer an, spielt dabei tatsächlich das Thema "Film und Kino" eine Rolle.

Weil sich – nicht zuletzt coronabedingt – alles sehr kurzfristig ergab, steht auch erst die Hälfte des Programms. Doch die hat es schon in sich. Neben den Dauerbrennern KUF (19. November) und vormaligen "Sünde"-Abräumern wie "Lion Sphere" (20. November) beinhaltet sie auch die brandneue Berliner Superband "Lord of The Amazing Panther" (6. November), in der Musiker und Produzenten unter anderem von Seeed, Peter Fox, Caspar und Marteria vereint sind. An den Dezember-Terminen feilt Lukas Höllerer noch.

199 Besucher dürfen rein

Unter welchen Umständen sie stattfinden werden? Gute Frage. Bei der derzeitigen Weidener Inzidenz unter 35 hätten Konzertbesucher Maskenpflicht, müssten aber nicht auf Abstände achten oder "3G" nachweisen. Das kann sich bis Ende Oktober natürlich ändern. Grundsätzlich sei der ehemalige Kinosaal aber groß genug, damit die Fans nicht auf Tuchfühlung gehen müssen, sagt der Organisator. Insgesamt 199 Besucher sind zugelassen – mehr denn je für eine "Sünde". Ein Experiment für die Veranstalter: "In diesen Zeiten wissen wir nicht, ob wir Tickets verkaufen."

Dabei sollte das "Sündikat" auf ein treues Stammpublikum bauen können. Immerhin waren vier von fünf Konzerten der "Sommersünde 2021" im Innenhof der Regionalbibliothek restlos ausverkauft und das fünfte sehr gut besucht. Macht knapp 500 Besucher. Dennoch hat Corona die finanziellen Daumenschrauben auch beim Weidener Kulturverein enger gezogen. Die Einnahmen aus den großen Partys etwa zu Weihnachten und Ostern fehlten einfach, bedauert Höllerer. Die Folge: "Wir diskutieren viel mehr über Kohle als früher. Wir denken zweimal nach, wofür wir Geld ausgeben." Investieren müssen sie in einen zweiten Notausgang; Eine Treppe an der Außenseite des Gebäudes müssen sie noch errichten lassen.

Trotz des erhöhten Aufwands und der vielen Unwägbarkeiten sei es keine Option gewesen, die "Sünde"-Herbstsaison zum zweiten Mal in Folge ausfallen zu lassen, beteuern die Veranstalter. "Uns war völlig klar, das ziehen wir durch." Auch weil niemand wisse, wie lange das "Ring" noch steht – die erklärte "Traum-Location" des Kulturvereins. Selbst die Anzeigetafel über dem Eingang will er nutzen. Anstelle des Titels eines Blockbusters soll dort der Name der Band stehen, die am jeweiligen Abend auftritt. Am 23. Oktober wird dort zu lesen sein: "Ströme".

Die letzte Station: "Sünde" in der Alten Hauptpost

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Kulturpreis für das "Sündikat"

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Hintergrund:

"Sünde 2021": Die Konzerte bis Ende November

  • Samstag, 23. Oktober: "Ströme" (Techno/Electro)
  • Donnerstag, 28. Oktober: ÄTNA (Electro-Pop)
  • Samstag, 6. November: Lord Of The Amazing Panther (HipHop/Jazz)
  • Freitag, 19. November: KUF (Techno handmade)
  • Samstag, 20. November: Lion Sphere (Pop/Rock)
  • Samstag, 27. November: Salomea (Pop)

Karten sind ab Samstag, 25. September, erhältlich: www.sündik.at

 

 

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