30.07.2021 - 14:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tattookünstler aus Kolumbien zu Gast in Marktredwitz und Weiden

Kolumbianer tätowieren für die beiden „Dress Up“ Shops in Marktredwitz und Weiden. Im Interview erzählen sie von ihrer Karriere, dem Reisen und ihren Plänen, die sich durch Corona verändert haben.

Der Kolumbianer Alwin Perez beim Tätowieren im Dress Up Martkredwitz.
von Celina Rieß Kontakt Profil

Die Kolumbianer Kata Reyes und Alwin Perez sind auf Welttournee in Sachen Tattoo. Als Gasttätowierer werden sie von verschiedenen Studios eingeladen, um dort für eine begrenzte Zeit Farbe unter die Haut der Kunden zu stechen. Seit Februar 2020 arbeiten sie für die beiden Dress Up Shops in Marktredwitz und Weiden. Die Kolumbianer sind keine Unbekannten in der Tattoo-Szene. Bilder ihrer Werke werden in internationalen Zeitschriften wie dem "Total Tattoo Magazin" präsentiert. Auch im Buch "Tattoo Elite" wurden sie verewigt. Zudem waren sie schon auf vielen internationalen Messen unterwegs.

Alwin tätowiert seit 16 Jahren, seine Freundin Kata seit 5 Jahren. Alwin hat sich alles selbst beigebracht. Anfangs war er viel unterwegs, hat von Freunden neue Arbeitsweisen gelernt und konnte dadurch sein Handwerk verbessern. Kata erzählt, dass sie das meiste von Alwin gelernt hat. Außerdem seien die beiden auch zusammen viel gereist und hätten in dieser Zeit andere Studios besucht. Kata lernte dort neue Techniken und fand zu ihrem eigenen Stil.

Dabei war es für beide kein Kindheitstraum, ihr Geld mit dem Tätowieren zu verdienen. Kata ist gelernte Grafikdesignerin. Während ihres Studiums in Argentinien hat sie ihr erstes Tattoo bekommen, sich mit Tätowierern angefreundet und selbst Interesse daran gefunden. Allerdings wollte sie erst das Studium beenden. Alwin wollte immer Sportler werden und die Idee kam eher durch einen Zufall in seiner Jugend. Ein Freund hätte ihn mit zum Tätowieren genommen, dabei entdeckte er seine Leidenschaft.

Angst vor dem Tätowieren auf fremder Haut hatten die beiden Kolumbianer nie. Wenn man Angst hat, sieht man das auch im Resultat, findet Kata. Ihr erstes Versuchsobjekt war ihr Papa. Und das sogar freiwillig. "Es war lustig, ich erinnere mich daran, dass ich damals gerade das erste Tattoo-Kit gekauft habe. Er schrieb mir: Bereit? Organisiere alles und tätowier mich." Katas Antwort: "Ich weiß nicht einmal, wie man die Maschine anschaltet." Doch Papa ließ sich nicht davon abhalten. Alwin hingegen hat sein erstes Tattoo an sich selbst gestochen. Schriften und Bilder auf seinen Beinen waren die ersten Tätowier-Erfahrungen. Als seine Freunde bemerkten, dass es nicht schlecht aussah, bekam er seine ersten Anfragen.

Die größte Schwierigkeit: Alles muss genau an der richtigen Stelle sein, ein Fehler bleibt für immer auf der Haut. Außerdem sei die Haut eines jeden Menschen individuell, man könnte deshalb nicht immer die gleichen Techniken anwenden. Für Kata besteht die größte Schwierigkeit darin, mit den Emotionen der Menschen umzugehen und eine Verbindung zu finden. Man müsse auf jeden individuell eingehen. Sie sticht besonders gerne feminine Tattoos. "Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch Männer tätowiere. Aber die meisten meiner Motive passen besser auf Frauenkörper. Blumen, Tiere, Mandalas und alles mit feinen Linien." Auch farbige Tattoos und Aquarell-Motive sticht sie gerne. Besonders schön sei es, Narben mit Tattoos zu überdecken. In Kolumbien kamen viele Kundinnen, die Brustkrebs hatten und ihre Narben verdecken wollten. "Mit den Tattoos kann man alles überdecken, als wäre nie etwas gewesen. Das hilft manchen Betroffenen sehr, um mit der Krankheit abzuschließen.", sagt sie. Alwin hat sich auf sogenannte "Black and White" Tattoos und Realistik spezialisiert. Realistik bedeutet, eine Person oder ein Tier besonders lebensecht erscheinen zu lassen. Von Paartätowierungen rät er den Kunden meistens hab. "Wirklich, ich bin seit vielen Jahren im Geschäft und ich weiß, dass es mit solchen Tattoos meistens schlecht endet."

Für die beiden Kolumbianer ist eine individuelle Beratung sehr wichtig. Es gibt immer Leute, die mit verrückten Ideen kommen, erklärt der Tätowierer. "Die Tattoos werden immer ein Teil von dir sein. Daran versuchen wir unsere Kunden zu erinnern." Den beiden ist es sehr wichtig, dass am Ende ein gutes Ergebnis herauskommt. Die Sprachbarriere spiele hierbei keine große Rolle. Auf Englisch können sie sich mit den meisten Kunden gut unterhalten. Ansonsten gebe es auch Übersetzer. Außerdem sagt Alwin: "Für mich sind Tattoos eine universelle Sprache. Denn man kann in Deutschland, China oder Kolumbien sein, das gleiche Motiv spricht für sich."

Ankommen in Deutschland während der Corona-Zeit

Dabei war der Start in Deutschland mit besonders schweren Bedingungen verbunden: 15 Tage vor dem ersten Lockdown kam das Paar hier an. "Wir hatten viele Pläne, aber die wurden durch Corona zerstört." Also machen sie derzeit einfach das Beste daraus: "Das Land und das Ambiente im Laden sind das Beste, was uns passieren konnte. Es ist mehr als ein Tattoo-Shop. Es ist ein Ort, an dem man Freunde findet, wo man zu einer Familie zurückkehren kann." Die freie Zeit haben sie dafür genutzt, online Deutsch zu lernen, sich neue Techniken anzueignen und vor allem zu malen - mit Acrylfarbe.

Wie lange genau sie hier sein werden, wissen sie noch nicht. Weil es wegen Corona schwierig ist, zu reisen, bleiben sie dem "Dress Up" wohl noch länger erhalten. Sie planen an viele weitere Orte zu reisen, um dort für eine Saison zu arbeiten. Es gebe genug Einladungen aus verschiedenen Ländern - aus Lateinamerika, anderen Teilen Amerikas und der ganzen Welt. "Das Besondere beim Reisen ist, Menschen zu treffen, die nicht so denken wie du. So kann man das Leben und auch manche Dinge auf eine ganz andere Weise betrachten." Es helfe bei der Entwicklung der eigenen Arbeit, wenn man sehe, wie an anderen Orten gearbeitet wird. Man könne dadurch viel lernen. "Die Welt ist zu groß, um nur an einem Ort zu bleiben", sagt Alwin.

Aktuell wohnen sie in Marktredwitz. Für die beiden ist das eine drastische Veränderung. Denn sie kommen aus Bogota, einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern. Die Kolumbianer fühlen sich in Marktredwitz wohl. "Ich mag Deutschland sehr. Ich mag die Umgebung und die Leute sind super. Nur der Winter, der ist etwas extrem für uns. Das sind wir nicht gewohnt. Aber die Ruhe in Deutschland ist toll. Wir werden zurückkommen", sagt Alwin abschließend.

Klamottenladen und gleichzeitig Tattoo-Studio

Die "Dress Up" Shops, für die Kata und Alwin arbeiten, gehören Gideon Baier. Es sind keine Tattoo-Studios, wie man sie sich vorstellt, sondern Klamottenläden, mit integriertem Räumen für Gasttätowierer. Im Jahr 2017 hat Gideon den ersten "Dress Up" in Marktredwitz eröffnet. Durch eine spontane Idee kamen dann im August 2018 die Tattoos dazu. Erst seit April 2020 gibt es das Oberpfälzer Gegenstück in Weiden. Der Geschäftsführer Fabian Ernstberger war davor selbst "Dress Up"-Kunde.

Durch Facebook-Gruppen ist Gideon auf verschiedene Tätowierer gestoßen, die seitdem immer auf begrenzte Zeit für die Läden tätowiert haben. So hat er Alwin kennengelernt. "Alwin war eine kurze Zeit lang Gasttätowierer, die Sympathie war super, er hat mir erzählt, dass seine Freundin auch tätowiert und dann habe ich beide eingeladen zu kommen", sagt der Inhaber.

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Tipps für Tattoo Pflege

Ein frisch gestochenes Tattoo braucht Pflege, um gut abzuheilen. Doch was genau muss man beachten?

  • Nach dem Ablegen der Folie genug Luft an das Tattoo lassen.
  • Darauf achten, dass die "Wunde" sauber bleibt.
  • Ausreichend mit einer Tattoo-Creme geschmeidig halten, aber nicht zu viel cremen.
  • Kein Schwimmbad-/ Saunabesuch oder Ähnliches, bei dem das Tattoo aufweichen kann.
  • Nicht kratzen, wenn sich eine Kruste bildet.

 

 

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