27.02.2021 - 11:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandels: Lage ist ungerecht

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Ab Montag dürfen Friseure, Baumärkte und Gärtnereien öffnen. Der Einzelhandelssprecher von Weiden, Tobias Sonna, gönnt ihnen das Geschäft, bezeichnet die Lage aber als ungerecht. "Immer mehr überlegen zu klagen."

Standortnachteil Innenstadtlage? Baumärkte und Gärtnereien öffnen wieder, die Läden in der Innenstadt müssen geschlossen bleiben. Ungerecht findet das der Sprecher des Weidener Einzelhandels.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Diese Situation zerrt langsam an den Nerven, am Verständnis und am Kapital", sagt Tobias Sonna, Sprecher der Weidener Einzelhändler. Während Friseure, Baumärkte und Gärtnereien am Montag, 1. März, wieder öffnen dürfen, fehle im Einzelhandel sowie in der Gastronomie die Perspektive. "Man gönnt den Kollegen das Geschäft. Aber so kann es nicht mehr lange weitergehen."

"Man fühlt sich vergessen"

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Insbesondere für den inhabergeführten Einzelhandel in Innenstadtlage machten die letzten Bekanntmachungen der Bundesregierung keinen Mut. Öffnung des Handels bei einer 7-Tage-Inzidenz von 35. Weiden liegt am Freitag laut Robert-Koch-Institut mit 231,6 weit weg davon. "Das ist eine Katastrophe für den Handel", sagt Sonna. Mittlerweile gebe es gar den "Standortnachteil Innenstadtlage, weil die Frequenz und damit die gegenseitige Befruchtung fehle, für die wenigen, die zwischen Max-Reger-Straße und Unterem Tor geöffnet haben dürfen. In den Supermärkten dagegen, die bei weitem nicht mehr nur Lebensmittel im Sortiment hätten, herrsche Hochbetrieb. "Gäbe es in einem Baumarkt Textilien, dürften auch die verkauft werden. Da fühlt man sich vergessen. Ich habe auch das Gefühl, den lokalen politischen Vertretern ist das gar nicht so bewusst."

"Maßnahmen sind ungerecht"

Nicht viel zu spüren sei da mehr vom Sozialstaat. "Ich bin definitiv kein Corona-Leugner, aber die Maßnahmen aktuell sind nicht mehr sozial. Sie sind ungerecht", kritisiert Sonna scharf. Mit dieser Meinung steht der Sprecher des Einzelhandels in Weiden übrigens nicht allein da. Sonna sagt: "Die Stimmung unter den Kollegen ist ähnlich, immer mehr überlegen zu klagen."

4 von 12 Monaten geschlossen

Dabei gehe es dem Geschäftsmann vom Oberen Markt selbst nicht um Finanzhilfen. Geradezu absurd findet er in diesem Zusammenhang das Hilfsangebot, Saisonware in der Textilbranche abschreiben zu können. Besonders auch aus Umweltgesichtspunkten kritisiert er die Maßnahme. "Warum sollte die schwarze Jacke in diesem Frühling nicht auch noch im nächsten Frühling verkauft werden können?" Weiter erklärt Sonna: "Ich will nicht mehr Geld haben, sondern Gleichberechtigung. Ich würde mein Geld gern einfach wieder selbst verdienen." In den vergangenen zwölf Monaten habe er aber über vier Monate seinen Laden schließen müssen. "So funktioniert das nicht, das ist kein Handel. So kann das auch nicht mehr lange weitergehen. Ich habe bislang vom ,Sorgenkind Innenstadt' gesprochen. Bald haben wir kein Sorgenkind mehr." Und Sonna habe das Gefühl, das sei den lokalen politischen Vertretern nicht bewusst.

Wunsch: "Eindeutige Öffnungsperspektiven"

Was es braucht? "Eindeutige, erreichbare Öffnungsperspektiven." Und eine flächendeckende Öffnung des Handels, um Einkaufstourismus zu vermeiden. Statt des starren Inzidenzwertes seien Konzepte nötig, wie sie bereits vorlägen. Zum Beispiel Öffnungszeiten nur von Montag bis Donnerstag, an frequenzstarken Freitagen und Samstagen bleibt geschlossen. Oder Einkaufen mit Terminvergabe mit möglichst wenig Kundenkontakt in kleineren Läden. Dabei ist der Sprecher des Einzelhandels überzeugt: "Alle müssen Federn lassen, alle müssen was machen." Der Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Stadtmarketingverein sei hier etwa auf einem guten Weg. "Aber die Stadt muss noch lösungsorientierter werden." Auch von den anderen Beteiligten wie den Hausbesitzern, den Geschäftsinhabern bis hin zu den Kunden wünscht sich Tobias Sonna mehr Engagement für den Handel.

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Info:

Einzelhandelssprecher: Was wer für den Handel in Weidens Innenstadt tun kann

  • Stadt Weiden: direkt spürbare Maßnahmen einleiten, etwa zwei Stunden Gratis-Parken in der Innenstadt in der Anfangszeit der Öffnung, Gebührenerlass für die Gastronomie.
  • Hausbesitzer: Mietminderungen oder gar Mieterlass. Zwar hätten einige schon gut reagiert, für manchen Filialisten reiche das in der Max-Reger-Straße aber noch nicht aus.
  • Inhaber: Inhaber von Einzelhandelsgeschäften müssen aktiver werden, etwa mehr Click & Collect anbieten, in Gemeinschaftswerbung investieren.
  • Kunden: Bewusstsein zur Nutzung der Angebot vor Ort wie Click & Collect entwickeln.

"Ich habe bislang vom ,Sorgenkind Innenstadt' gesprochen. Bald haben wir kein Sorgenkind mehr."

Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandels in Weiden

Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandels in Weiden

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