15.06.2021 - 17:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Trockene Becken, wilde Feiern, viel Dreck: Schlimme Zustände im Weidener Stadtbad

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Eigentlich sollte die Badesaison im Weidener Stadtbad schon laufen. Doch die Besucher sitzen auf dem Trocknen. Die Anlage verdreckt zusehends. Nicht nur der Förderverein ist entsetzt.

Speisereste und viel Müll – die Hinterlassenschaft von Feierwütigen. In Facebook wird davor gewarnt, dort Hunde laufen zu lassen. Sie könnten Vergiftetes fressen.
von Autor hczProfil

Seit vier Wochen ist Badesaison – und nichts geht im Stadtbad. Die städtische Freizeitanlage beim Kepler-Gymnasium, die seit vielen Jahrzehnten von Bürgern zum Abkühlen, Schwimmen und zur Erholung genutzt wird, liegt trocken – und sie verdreckt. Keine Bademöglichkeit im Flussbett. Aus den Duschen kommt kein Wasser. Vor dem Edelstahl-Kinderbecken stehen schwere Bauzäune, das Kinderbad ist ganz trocken. Die Toilettenanlagen sind abgesperrt.

Nicht nur die „Freunde des Stadtbads“ protestieren energisch. „Wofür haben wir vor einigen Jahren ein teures Sonnensegel für das Kinderbecken gespendet?“, fragt Fördervereinsvorsitzender Hans Forster. Er verweist auf viele weitere Geldbeträge, welche die Stadtbadfreunde seit ihrer Gründung vor 15 Jahren für das Bad zur Verfügung gestellt haben.

Verein gibt viel Geld aus

Eine Solaranlage wurde finanziert, so dass das Kinderbecken kostengünstig beheizt werden kann. Eine hölzerne Umkleidekabine, Kiesaufschüttung für das alte Kinderbad, zahlreiche Baumpflanzungen – alles durch Mitgliedsbeiträge und Erlöse alljährlicher Feste finanziert.

Noch Mitte Mai versicherten Oberbürgermeister Jens Meyer und Bauhofleiter Daniel Tubifato dem Förderverein, dass „alles zeitnah geregelt wird“. Nachdem es seit heuer keinen festen Zuständigen mehr gibt, würden alle Aufgaben von verschiedenen städtischen Mitarbeitern erledigt. Der Verein beklagte schon damals, dass niemand da sei, der für Sauberkeit und Ordnung sorgt, der die Toiletten reinigt, der den Naabseitenarm auf- und abstaut, der das Plantschbecken einlässt. Bereits Anfang Mai gab der Stadtrat grünes Licht für ein Konzept, das die Badeaufsicht regelt – eine Kombination aus Haupt- und Ehrenamtlichen. Offenbar dauert die Umsetzung länger als geplant.

Aggressive Partygäste

An den vergangenen heißen Tagen waren dennoch Scharen von Menschen in der Freizeitanlage. Nachts treffen sich ganze Gruppen von feierwütigen Jugendlichen. „Zuerst sind es 20. Dann werden es 50 Personen“, berichtet Stadtbad-Wirt Ralph Möhrle. Sie feiern auf der nördlichen Seite des Flussarms. Anfangs ließen sie sich noch etwas sagen, „später traue ich mich nicht mehr rüber. Da werden sie aggressiv“, so Möhrle. Die Polizei kommt sporadisch vorbei. Bei Auseinandersetzungen mit dem Feierpublikum wurde am Wochenende ein Polizeibeamter verletzt. Ihre Notdurft verrichten die jungen Leute und wohl auch andere irgendwo im Gelände. Am Flussufer, hinter dem Toilettenhäuschen, in den Wiesen. Die Toiletten sind ja zugesperrt.

Weil das Wasser nicht angestaut ist, können die Sportler von „Kanu Weiden“ seit vergangenem Jahr nicht trainieren. Der für viel Geld vor zwei Jahren gebaute Einstieg für sie bei der Brücke sollte zuerst auf die gegenüberliegende Seite verlegt werden. Jetzt sei geplant, einen neuen Einstieg 100 Meter weiter flussaufwärts – unterhalb des Kinderbads – zu bauen, berichtet Inge Rudnik vom Kanuverein. Auch die Kneipp-Anhänger können ihrem Hobby nicht nachgehen. Ihre Anlage ist ebenfalls trocken. Der Grund der Trockenheit ist wohl rechtlicher und sicherheitstechnischer Natur: Das Wasser kann erst angestaut werden, wenn die Badeaufsicht gewährleistet ist.

Auf die Probleme angesprochen, verweist Bauhofleiter Tubifato an die Stadt. Man sei „nicht untätig“. Aber: „Corona ist immer noch nicht vorbei." Eine Stellungnahme der Stadt blieb am Dienstag bis zum vereinbarten Zeitpunkt unbeantwortet.

Die aktuellen Beschlüsse des Stadtrats für das Stadtbad

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Betrieb im Stadtbad

Anfang Mai legte der Stadtrat für die Anlage fest:

  • Saison vom 15. Mai (eigentlich) bis zum 15. September
  • Badezeiten: unter der Woche 13 bis 20 Uhr, an den Wochenenden und feiertags 10 bis 20 Uhr. Zu diesen Zeiten sollte es eine Aufsicht geben.
  • Die Aufsicht sollen Haupt- und Ehrenamtliche (Wasserwacht) übernehmen.

 

 

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