25.05.2021 - 18:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Feuerwehr rettet Falken „Franzi“ aus Dachrinne

"Franzi", so haben ihn die Retter getauft, ist nicht nur jung und unerfahren, sondern auch recht "widerborstig", wie Polizeisprecher Mario Schieder feststellt. Recht flügellahm geworden, rettet ihn die Feuerwehr in der Weidener Innenstadt.

Mit großer Vorsicht versucht der Helfer den Wanderfalken zu greifen. Vergeblich. "Franzi" nimmt Reißaus.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Woher "Franzi" kommt, ist bekannt: Der Wanderfalke ist ein echt Weidener Gewächs, wohnt normalerweise bei seiner Familie oben im Turm der Michaelskirche. Offenbar dreht er in der vergangenen Woche seine Runden über der Altstadt, bis ihn die Kräfte verlassen und der Heimflug zu beschwerlich wird.

Feuerwehr hilft per Drehleiter

Zunächst wird er bereits am Donnerstag in der Krone eines Baumes in der südlichen Altstadt gesichtet. Am Freitag wechselt er den Standort, ruht auf dem Dach eines Altstadtanwesens, rutscht runter in den Schneefang über der Dachrinne, sitzt und starrt. Am Samstag verharrt er immer noch an Ort und Stelle, beobachten die Nachbarn von gegenüber. Die Nachbarschaft macht sich ernste Sorgen.

Gegen 11 Uhr verständigt eine Anwohnerin die Polizei. Die Beamten stellen fest, dass es sich bei dem Tier um einen Wanderfalken handelt - immerhin der schnellste Vogel der Welt. Versuche, den von den Anwohnern Franzi genannten Falken zu "verschrecken", scheitern. "Franzi" bleibt unberührt sitzen.

Deshalb muss die Weidener Feuerwehr ran. Dem Fahrer der Drehleiter wird das ganze Können abverlangt, als es gilt, das große Fahrzeug durch die engen Altstadtgassen zu manövrieren und dann den Korb doch noch möglichst nah am offenbar verletzten Wanderfalken zu platzieren. Ein Beamter der Polizeiinspektion Weiden fasst sich ein Herz, lässt sich auf das hohe Dach befördern.

Hier gehts zum Video der Rettungsaktion

Mit Kescher gefangen

Der befiederte Jungspund treibt zunächst sein Spiel mit den Helfern: Er lässt sich nicht ohne weiteres einfangen. Seine Kraft reicht vielleicht nicht mehr für den Heimflug in die heimische Wohnstube. Aber er kann den zupackenden Händen immer wieder entfliehen, hüpft, flattert auf Dachrinne und Schneefanggitter weiter, bis er schließlich deren Ende erreicht. Obwohl sich der Vogel seiner Haut wehrt, kann ihn der Helfer letztendlich mit einem Kescher greifen und dann in eine Transportbox stecken.

Das Jungtier wird zunächst von der zuständigen Weidener Amtstierärztin untersucht. Dr. Barbara Bäumler bezeichnet den Greifvogel gegenüber Oberpfalz-Medien als "gut bemuskelt, kräftig und durchaus angriffslustig". Sie kann keine augenscheinlichen Verletzungen feststellen. Nach der Untersuchung wird Franzi zur Erholung und Beobachtung in den Greifvogelpark mit Falknerei Katharinenberg nach Wunsiedel gebracht. "Das Tier scheint unverletzt und hatte womöglich seinen ersten Ausflug etwas ungeschickt auf dem Dach in der Altstadt beendet", bemerkt Polizeisprecher Schieder.

Gesunder Appetit

Auch die Untersuchung im Greifvogelpark bleibt ohne Befund. Vielmehr zeigt Franzi einen "recht gesunden Appetit".

Der Jungvogel, der noch kein Jahr alt sein dürfte, wurde bereits am Dienstag von den Wunsiedler Experten wieder "ausgewildert", auf den Turm von St. Michael gebracht. Polizei und Feuerwehr hoffen , dass "Franzi", den Polizeisprecher Schieder als putzigen Zeitgenossen bezeichnet, weitere halbflügge Ausflüge in die Innenstadt unterlässt.

Hintergrund:

Wanderfalken im Turm der Michaelskirche

  • Vor 40 Jahren ist der Wanderfalke in Bayern nahezu ausgerottet.
  • Die Anreicherung des Pflanzenschutzmittels DDT in den Beutevögeln der Falken lässt die Eierschalen so dünn werden, dass die Schalen von den Altvögeln beim Brüten zerdrückt wurden, bevor die Jungen schlüpfen können.
  • Der Landesbund für Vogelschutz kürt mit dem NABU 1971 erstmals einen "Vogel des Jahres", den Wanderfalken - den mit 320 km/h schnellsten Vogel der Welt. Ehrenamtliche des LBV beschützen Tag und Nacht die Brutplätze vor Eierdieben. Die Bestände erholen sich. Damals unvorstellbar, dass einmal diese großen Falken mitten in der Innenstadt brüten.
  • Neben dem Wanderfalken gibt es in Weiden den kleineren und im Flug am längeren "Stoß" (Schwanz) zu erkennenden Turmfalken. Größenmäßig dazwischen liegt der Baumfalke, der in der Waldnaab-Aue zu beobachten ist.
  • Franzi ist gesund und flugfähig. Der kleine Wanderfalke lebt wieder bei seinen Geschwistern und Eltern auf dem Turm der Michaelskirche
  • Es ist durchaus nicht außergewöhnlich, dass sich junge Falken bei ihren ersten Flugversuchen etwas "ungeschickt" anstellen. Sie werden dann oft nach ein paar Tage von ihren Eltern am Boden betreut und gefüttert, so Stadtförster Wolfgang Winter. (wd)

 

 

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