23.08.2021 - 17:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens alter Festplatz in neuen Händen: Projektentwickler erwerben Bürgerbräu GmbH

Ein großer Deal stößt die Türen zu unerwarteten Perspektiven in der Weidener Stadtentwicklung auf: Der alte Festplatz, dessen "Nichtnutzung" für immer und ewig festgefroren schien, ist mit dem Verkauf der Bürgerbräu GmbH in neuen Händen.

Mit dem Verkauf der Bürgerbräu GmbH geht auch der alte Festplatz mit seinen 47.000 Quadratmetern am Hetzenrichter Weg in neue Hände über. Im Hintergrund (von rechts) Schützenhaus, E-House, FOS/BOS und Technische Hochschule sowie das Areal des TC Am Postkeller.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der "alte Festplatz" ist verkauft. Gemeinsam mit der Stadt Weiden erarbeiten die neuen Besitzer der Bürgerbräu und damit des alten Festplatzes eine Strategie zur Entwicklung des riesigen Areals in Innenstadtnähe. Die Hoffnung vieler Weidener, die die Frühlings- und Volksfeste gerne wieder am alten Standort an Leuchtenberger Straße und Hetzenrichter Weg zurückverlegen wollen, werde sich wohl nicht erfüllen, meint der 42-jährige Weidener Architekt Alexander Robl, der mit seinem 57-jährigen Partner Gerhard Karl aus dem Raum Schwandorf als Geschäftsführer die AFP-Besitz GmbH leitet. In der neu gegründete GmbH mit Sitz in Weiden sind weitere Unternehmenspersönlichkeiten aus der Region aktiv.

Mit dem Erwerb der Bürgerbräu GmbH verfügen die neuen Eigentümer nicht nur über den alten Festplatz mit gut 47.000 Quadratmeter, sondern auch über weitere zehn Grundstücke in und um Weiden. Insgesamt wechselten mit der Bürgerbräu elf Grundstücke mit rund 110.000 Quadratmetern den Besitzer. Alexander Robl bezeichnet die Verhandlungs- und Gesprächsatmosphäre mit den Vertretern der Bürgerbräu als "überaus angenehm und konstruktiv". Erste Kontakte mit der Familie von Bernd und Karin Hauck, den Hauptgesellschaftern und Geschäftsführern der Bürgerbräu, wurden bereits vor Jahren geknüpft.

Seit langem im Gespräch

Vor drei Jahren konnte Robl durch eines seiner Unternehmen bereits 7000 Quadratmeter aus dem Bürgerbräu-Flächen an der Leuchtenberger Straße ("überm Postkeller") erwerben. Nach dem Tod von Bernd Hauck machten Karin Hauck, die seit Mai 2019 die GmbH als Mehrheitsgesellschafterin und Geschäftsführerin, sowie ihre Kinder, die in Wettstetten bei Ingolstadt leben, deutlich, dass sie die Bürgerbräu in Weiden gerne veräußern würden. Im vergangenen Jahr verkauften sie die Fläche der ehemaligen Brauerei zwischen Bahnhof- und Hochstraße (fast 10.000 Quadratmeter) an Günther Hastaedt und Rainer Lindner, die inzwischen die Altlasten aus dem Brauereibetrieb sanierten und einen Bebauungsplan entwickeln lassen. Die kleinen Gesellschafter der Bürgerbräu, darunter die Kulmbacher Brauerei Aktien-Gesellschaft sind bereits im Juni 2021 ausgeschieden.

OB Meyer: Visionen möglich

Er sei von der Projektentwicklungsgruppe sofort über den Kauf informiert worden, bestätigt Oberbürgermeister Jens Meyer. Noch sei die künftige Nutzung der großen, hochinteressanten Fläche aber völlig offen. Der Besitzerwechsel mache jedoch die "Verwirklichung von Visionen" möglich, so der Oberbürgermeister auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Meyer selbst schwebt die Einbindung der Fläche in den Bildungscampus in Weiden-Ost vor. Das Grundstück eigne sich sowohl für die Bereitstellung von Erweiterungsflächen für die Fachhochschule. Und es sei auch groß genug, um dort mittelfristig das neue Berufliche Bildungszentrum (bisher Europaberufsschule) zu etablieren. Gerade im Verbund mit der technischen Hochschule sowie Fachober- und Berufsoberschule (FOS/BOS) und Weidener Technologie-Campus seien "unglaubliche Synergien" möglich, blickt Meyer in die Zukunft.

Keine Konkurrenz zur Stadt

Für die Projektentwickler macht Alexander Robl deutlich, das vorerst nicht beabsichtigt sei, das Areal weiter zu veräußern. Im engen Schulterschluss mit der Stadt Weiden sei eine langfristige Nutzung avisiert, die der speziellen Lage der Fläche entspreche.

Das alte Festplatzgelände ist immer noch als Sondergebiet ausgewiesen. Dazu bemerkt Geschäftsführer Gerhard Karl: "Wir beabsichtigen nicht, mit dem Festplatz in Konkurrenz zur Stadt Weiden zu treten." Möglich sei als Zwischenlösung aber durchaus die Nutzung des alten Festplatzes für gewerbliche und kulturelle Veranstaltungen. "Solange die Stadt ihren eigenen Festplatz hat, wird es am Hetzenrichter Weg kein Volks- oder Frühlingsfest geben."

Mit ihrem Festplatz hat die Stadt Weiden nicht immer nur Freude

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Bürgerbräu Weiden GmbH seit 123 Jahren in der Stadt

  • Gründung. Die Brauerei wird 1882 von Simon Aichinger in Weiden erbaut und 1892 an dessen Bruder und Vetter Georg und Christian Aichinger verkauft, unter deren Leitung sie zunächst als Aichinger & Cie firmiert.
  • Zusammenführung. 1898 Umwandlung in eine GmbH (Stammkapital: 270.000 Mark) als Vereinigte Brauereien Aichinger & Iblacker. Dazu gehört die gleichzeitig erworbene Kuhnsche Brauerei. Vorstandsmitglied Johann Iblacker baut eine eigene Brauerei und scheidet zwei Jahre später aus. Die Firma wird in Bürgerbräu Weiden umgewandelt
  • Bierausstoß. Die Brauerei, deren Umsatz stetig zunimmt, ist mit einem Bierausstoß von 28.000 Hektoliter im Jahr 1914 eine der größten der nördlichen Oberpfalz.
  • Das Aus. Das Ende der aktiven Bürgerbräu, die 29 Mitarbeiter beschäftigt, kommt Ende 1981. Sie wird an die Kulmbacher Reichelbräu verpachtet, die danach den Braubetrieb eingestellt. Vor 20 Jahren wird die Brauerei abgebrochen, nachdem nächtliche Besucher am 19. März 2000 einen Brand legen.
  • Familie Hauck. Durch Erbfolge kommt sie in die Bürgerbräu. Dr. Hans Hauck übernimmt 1982 die Geschäftsführung von Richard Feneis, der seit 1969 die GmbH führte. Hans Hauck versucht bereits 1989 die Bebauung des Festplatzes am Hetzenrichter Weg mit rund 60 Ein- und Zweifamilienhäusern zu erstreiten - und scheitert. Er verstirbt im September 2001. Sein Sohn Bernd Hauck wird Geschäftsführer. Nach Bernd Haucks Tod folgt im April 2019 seine Frau Karin an die Unternehmensspitze.
  • Festplatz. Weidens erster Festplatz öffnet 1897 "hinter der Jahnturnhalle" in der Schillerstraße (heute Versandhaus Witt). Ab 1900 wird auf den "Eglseer Wiesn" (heute in etwa Stresemannstraße) gefeiert und zwar bis zum Jahr 1971. Dann Umzug an den Hetzenrichter Weg auf die "Aichinger-Weiher". Dort hatte die Bürgerbräu ihr Eis für die Bierlagerung und -kühlung geschlagen. Die Weiher waren - als die Eisgewinnung nicht mehr nötig war - mit Haus- und Bauschutt verfüllt und dann eingeebnet worden. Die Bürgerbräu vermietet die Fläche als Festplatz an die Stadt, die Feuerschützen und weitere Nutzer (Messen). Die Stadt bringt 1993 den Festplatz auf modernes Niveau. 2012 läuft der Mietvertrag aus. Weitere (auch Kauf-)Verhandlungen bleiben erfolglos. Westlich der Neustädter Straße entsteht 2012/13 ein neuer Festplatz. Der "alte Festplatz" am Hetzenrichter Weg bleibt ungenutzt. Er ist aber immer noch als Festplatz ausgewiesen.
  • Quelle: Amtsgericht Weiden/Stadtarchivarin Petra Vorsatz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.