20.10.2021 - 16:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weniger freie Intensivbetten: So ist die Lage in der Oberpfalz

Vielerorts gibt es in Bayern keine freien Intensivbetten mehr – obwohl auf Bayerns Intensivstationen sehr viel weniger Corona-Patienten als im vergangenen Winter liegen. Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

Im Klinikum Weiden muss derzeit ein Covid-Patient intensivmedizinisch betreut und beatmet werden. In manch anderen Krankenhäusern in Bayern sieht die Lage deutlich kritischer aus.
von Julian Trager Kontakt Profil

In den Krankenhäusern von mehr als zwölf bayerischer Kreise und Städte gibt es wegen wieder steigender Zahlen von Corona-Patienten keine freien Intensivbetten mehr. Voll belegt sind die Intensivstationen insbesondere in Teilen Oberbayerns und der fränkischen Regierungsbezirke wie etwa im Kreis Bayreuth – das geht aus dem Divi-Intensivregister hervor. Im Südwesten des Freistaats hat im Landkreis Unterallgäu die Intensivmedizin ihre Behandlungsmöglichkeiten restlos ausgeschöpft. Die Lage in der nördlichen Oberpfalz sieht dagegen deutlich besser aus.

Am Klinikum Weiden wird derzeit ein Covid-19-Patient intensivmedizinisch betreut und beatmet, teilt Michaela Hutzler, medizinische Direktorin der Kliniken Nordoberpfalz, am Mittwoch auf Nachfrage mit. Zwischen neun und zwölf Corona-Patienten liegen demnach auf Normalpflegestationen – aber ausschließlich auf der Isolierstation und damit in einem "räumlich und personell strikt abgetrenntem Bereich". Die Krankenhäuser Tirschenreuth und Kemnath sowie die Geriatrische Rehabilitation in Erbendorf seien Covid-frei.

Im Vergleich zu den vergangenen Corona-Wellen sei die Intensiv-Belegung in Weiden aktuell geringer. "Auch wenn Covid-19 eine heimtückische und gefährliche Erkrankung bleibt, so haben die Kolleginnen und Kollegen doch eine gewisse Routine im Umgang mit der Krankheit entwickelt", sagt Hutzler. "Doch trotz aller Erfahrung, die wir gesammelt haben, bleibt die Belastung des Personals, gerade auf den Intensivstationen, bis heute ohne Unterbrechung hoch." Für die Versorgung von Covid-19-Patienten werde sowohl auf den Normalpflegestationen als auch auf der Intensivstation stets eine ausreichende Anzahl Betten freigehalten, falls die Zahl dieser Patienten sich erhöhen sollte.

Nur Ungeimpfte auf Intensiv in Schwandorf

Im Klinikum St. Marien liegen am Mittwoch zwei Corona-Patienten auf der Intensivstation, einer davon wird beatmet, wie Sprecherin Sandra Dietl sagt. Insgesamt würden dort derzeit 16 Covid-Patienten behandelt.

Auch im Krankenhaus St. Barbara Schwandorf ist die Lage aktuell relativ ruhig. Am Mittwochmorgen wurden dort sechs mit Corona infizierte Patienten auf der Isolierstation behandelt – aber keiner auf der Intensivstation, teilte eine Krankenhaus-Sprecherin Marion Hausmann mit. "Die Zahl der Covid-Patienten in unserem Haus liegt seit Beginn der vierten Welle relativ stabil zwischen drei und sechs Fällen." Seitdem seien im Schwandorfer Krankenhaus alle an Covid-19 erkrankten intensivpflichtigen Patienten ungeimpft gewesen.

Unter anderem die Stadt Rosenheim sowie die Kreise Freising, Erding und Aichach-Friedberg melden dagegen kein einziges freies Intensivbett. Dasselbe gilt im Norden Bayerns für Stadt und Landkreis Aschaffenburg, die Stadt Erlangen und den Kreis Erlangen-Höchstadt, die Kreise Forchheim sowie im Südosten Bayerns für Stadt und Landkreis Landshut.

Im bayernweiten Schnitt sind elf Prozent der Intensivbetten frei. Die Corona-Ampel der Staatsregierung, die als Indikator für die Belastung der Kliniken dient, steht nach wie vor auf grün. Doch in mehreren Regionen Bayerns sind die Behandlungskapazitäten der Krankenhäuser in den vergangenen Wochen geschrumpft.

Kritik an der Krankenhaus-Ampel

Die Landtags-SPD forderte von der Staatsregierung deswegen Nachbesserungen an dem System. "Wie kann es sein, dass die Ampel noch auf grün steht", fragte die gesundheitspolitische Sprecherin Ruth Waldmann.

Auf rot würde die Ampel von der Staatsregierung geschaltet, wenn die landesweite Zahl der Covid-Intensivpatienten auf 600 steigt, das wäre verbunden mit verschärften Einschränkungen des öffentlichen Lebens. "Es muss einfach klar sein, ob eine örtliche Überlastung von Kliniken automatisch zu Maßnahmen für das ganze Land führen soll, oder was im Ernstfall für die betroffenen Kommunen gilt", sagte SPD-Politikerin Waldmann dazu. "Fraglich bleibt auch, welche Maßnahmen oder Einschränkungen dann überhaupt ergriffen werden, wenn es zu einer Überlastung kommt."

Anders als in der ersten Phase der Corona-Pandemie halten die Kliniken mittlerweile keine Intensivbetten wegen der Pandemie mehr frei. Bayernweit lagen am Mittwoch in der Mittagszeit 270 Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Das sind erheblich weniger als im vergangenen Winter, aber ein deutlicher Wiederanstieg seit dem Sommer. Der Großteil der Corona-Intensivpatienten ist nicht geimpft.

Auch die Zahl der Corona-Infektionen steigt weiter. Am Mittwoch meldeten laut Robert Koch-Institut zwölf Kreise und Städte in Bayern Inzidenzen von 200 und mehr. An der Spitze lag am Mittwochvormittag nach wie vor das Berchtesgadener Land mit 355,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die bayernweite Inzidenz ist nun auf 128,6 geklettert. Am Freitag vergangener Woche hatte der Wert erstmals seit Mai wieder die Schwelle von 100 überschritten. (Mit Material der dpa)

2G beim Frankenfasching: Ein Problem für Aiwanger und Neugirg?

Windischeschenbach

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.