03.07.2020 - 14:44 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Mit dem Rucksack durch 14 Länder

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Job gekündigt, Rucksack gepackt. Marina und Johannes haben sich einen Traum erfüllt und waren 16 Monate auf Weltreise. Sie erzählen von wunderschönen Momenten und einer Erfahrung, die sie lieber nicht gemacht hätten.

Mit dem Auto waren Marina Rupprecht und Johannes Witt durch Patagonien in Südamerika unterwegs.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Eine Dschungelwanderung mit Elefanten in Thailand, Schnorcheln mit einer Schildkröte in Australien, ein Fallschirmsprung in Neuseeland oder das Durchqueren der Atacama Wüste in Südamerika mit dem Truck: Wenn Marina Rupprecht aus der Nähe von Pressath und Johannes Witt aus Weiherhammer auf das vergangene Jahr zurückblicken und gleichzeitig an die aktuell Corona bedingten Reisebeschränkungen denken, wird ihnen erst bewusst, wie schnell sich alles ändern kann.

Das junge Oberpfälzer Paar war von September 2018 bis Dezember 2019 auf Weltreise. 16 Monate tourten die beiden 31-Jährigen rund um den Globus und lernten 14 Länder kennen. „Diese Situation, in der wir gerade stecken, hat uns mal wieder vor Augen geführt, wie schnell sich alles im Leben ändern kann“, sagt Marina Rupprecht. Das Paar hatte Glück: „Im Dezember sind wir noch in Kolumbien gewesen und haben unserer Reise ausklingen lassen, im Januar kamen die ersten Meldungen über Corona in China“, erzählt sie weiter. Rupprecht und Witt waren zu diesem Zeitpunkt aber schon zurück in Deutschland.

Thailand: Abendessen für 1,50 Euro

"Wir sind unendlich dankbar, dass wir unserer Reise ohne Unterbrechungen oder Probleme durchziehen können", sagt Rupprecht: "Vor allem, dass wir unseren Wunsch auf Reisen zu gehen wirklich umgesetzt haben und es nicht auf ‘irgendwann machen wir das' verschoben haben." Ausschlaggebend für die Entscheidung, diese Reise anzutreten waren für das Paar, das seit 2015 zusammen ist, die Erfahrungen, die es im Thailand-Urlaub 2017 gemacht hat: Drei Wochen mit dem Roller über verschiedene Inseln, für elf Euro in Standhütten schlafen und ein Abendessen für 1,50 Euro. "Warum diese Reise nicht fortsetzen, weitere Länder und Kulturen kennen lernen?", haben sie sich gefragt. Diesen Gedanken haben Marina und Johannes dann im September 2018 in die Tat umgesetzt und sind in den Flieger nach Thailand gestiegen.

16 Monate lang haben sie Erinnerungen gesammelt, die ihnen niemand nehmen kann: "Die mächtigen Tempelanlagen des Angkor Wats in Kambodscha, die Rollertour in Laos, das Camper-Leben und der Fallschirmsprung in Neuseeland. Tiere wie Flamingos, Wale, Delfine oder Affen in der freien Wildbahn zu treffen", schwärmt Marina. Johannes erinnert sich gerne an den Roadtrip durch Patagonien in Südamerika zurück mit dem "blausten Wasser und den mächtigsten Gletscher", den sie je gesehen haben. Und dann waren da noch die regenbogenfarbenen Berge in Peru oder das Tauchen mit Haien in Kolumbien.

Von Einheimischen abgezockt

Es gab aber auch Erlebnisse, an die die beiden nicht so gerne zurückblicken: Beim Wandern in Vietnam haben sie Einheimische getroffen, die ihnen einen tollen Platz zum Fotografieren zeigen wollten. Mit dem Roller ging es dann aber an einen ganz anderen Ort. "Dann wollten sie verhältnismäßig viel Geld von uns und waren plötzlich nicht mehr so nett", erzählen die beiden. Ohne das Geld hätten die Vietnamesen die beiden nicht mehr gehen lassen. Das Fazit: "Das war uns für die Zukunft eine Lehre."

Am meisten vermisst auf ihrer Reise haben die Oberpfälzer übrigens das deutsche Brot und die Brezen - und ganz grundsätzlich "das Essen von unseren Mamas". Aber da sie ständig unterwegs waren und immer wieder neue Bekanntschaften geschlossen haben, hielt sich das Heimweh in Grenzen.

Der Startzeitpunkt ihrer Reise im September 2018 war für beide optimal. Marina wollte nach sieben Jahren in ihrem Beruf als Erzieherin ein Sabbatical-Jahr einlegen. Von ihrem Chef bekam sie die Zusage für elf Monate unbezahlten Urlaub. Johannes war gerade mit seinem Studium in Kunststofftechnik fertig. Thailand hatten sie sich als Startpunkt ausgesucht, weil ihnen das Land bereits vertraut war. Von dort ging es dann einmal rund um die Welt. Ihre Reise hatten die beiden im Vorfeld grob geplant, festgelegt, welche Länder sie unbedingt sehen wollen. Um Flugreisen zu vermeiden, Umwelt und Geldbeutel zu schonen, haben sie dabei auch darauf geachtet, ob es möglich ist, mit dem Bus von einem Land in ein anderes zu reisen.

Mit Hühnern und Post im klapprigen Bus

In Vietnam zum Beispiel sind sie acht Stunden lang mit einem klapprigen Bus, der mit Hühnern, Reissäcken und Post beladen war in ein kleines Dorf gefahren. Als sie ankamen, war es bereits dunkel. Die Suche nach einem Zimmer gestaltete sich schwierig. Alles war belegt. "Wir dachten wirklich, dass wir auf der Straße schlafen müssen", blicken die beiden zurück. Schließlich habe ihnen eine Frau per Handzeichen ein Zimmer in ihrem Haus angeboten. Auch die restliche Unterhaltung verlief dann per Hand und Fuß, da dort niemand Englisch sprach.

Und auch sonst haben Marina und Johannes aber gemerkt, dass nicht immer alles so kommt, wie sie sich das vorgestellt hatten. Erzählungen von anderen Reisenden überzeugten Marina und Johannes. Obwohl es nicht geplant war, reisten die beiden nach Myanmar, Sri Lanka und Bali.

Work-and-Travel in Australien

Zudem beschlossen sie, in Sydney drei Monate mit einem Work-and-Travel-Visum zu arbeiten. Marina als Kellnerin in einem Restaurant und Café, Johannes als Möbellieferant. "Ich wage zu behaupten, jede Straße in Sydney zu kennen, denn ich bin wirklich jedes Viertel abgefahren", erzählt er. Beide haben fast drei Monate fast zehn Stunden am Tag gearbeitet. Gut für die Reisekasse, doch fehlte ihnen diese Zeit natürlich zum Erkunden von Menschen, Kulturen und Natur. Von Australien aus kündigte Marina kurz entschlossen ihren Job, um mehr Zeit zum Reisen zu haben.

So geht es einer Oberpfälzer Familie in Neuseeland

Wildenau bei Plößberg

Apropos Reisekasse: "Wir haben nicht ganz 20 000 Euro pro Person ausgegeben", erklärt Johannes. Darin inbegriffen: Flüge, Zug-, Bus- und Taxifahrten, Mietautos, Essen, Unterkunft, Mietautos und geführte Touren. Nicht eingerechnet sind in diese Summe aber die Zeit, die die beiden in Sydney gearbeitet haben und das Geld, das sie dort verdient haben. Das Geld für die Reise hatten sich die beiden über viele Jahre angespart, neben Arbeit und Studium haben sie sich in diversen Nebenjobs etwas dazu verdient. "Geplant war es für andere, wie zum Beispiel ein Haus oder falls einmal etwas mit dem Auto ist", erzählt Marina und ergänzt lachend: "Typisch deutsch, also." Am Ende war der Wunsch auf Reisen zu gehen aber am größten und die Investition in ihre Tour einmal um die Welt die beste Lösung.

Neue Ziele in der Heimat

Mittlerweile sind die beiden wieder ein gutes halbes Jahr in Deutschland. Marina arbeitet wieder als Erzieherin in einem Kindergarten, Johannes hat sich mit seinem Bruder selbstständig gemacht: "Wir bauen eine Kochschule und einen Fleischverkauf für Dry Aged Rindfleisch und Wildfleisch aus der Region auf", erzählt er. Auf Reisen habe er viel Zeit gehabt nachzudenken und es sei ihm klar geworden, dass er seiner Leidenschaft dem Kochen nachgehen möchte. Aber was fehlt den beiden am meisten, wenn sie an ihre Zeit im Ausland denken? "Das Gefühl von Abenteuer", antworten Marina und Johannes auf diese Frage. Aber auch der Austausch mit den anderen Reisenden. Denn: "Es ging einfach um andere Dinge im Leben als Arbeit und das Alltägliche."

Die Reiseroute von Marina und Johannes:

Mit Auto, Bus und Flugzeug durch 14 Länder

Los ging es für Marina Rupprecht und Johannes Witt im September 2018 mit einem Flug nach Thailand. Von dort ging es in den Norden Vietnams und weiter in den Süden des Landes. Mit dem Bus reiste das Paar weiter nach Kambodscha und anschließend nach Laos. Es folgten Myanmar, Sri Lanka, Indonesien mit Bali, Neuseeland und Australien. In Australien blieben Marina und Johannes drei Monate um zu arbeiten. Dann ging es weiter nach Chile, Peru, Bolivien und Argentinien. Im Dezember 2019 ließen die beiden Oberpfälzer ihre Reise dann in Kolumbien ausklingen, bevor es zurück nach Deutschland ging. Ihre komplette Reise haben sie auf ihrem Instagram-Kanal "wanderfritzen" festgehalten.

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