06.11.2020 - 15:06 Uhr
WiesauOberpfalz

Auch Jugendtreff beim Wiesauer Kulturbahnhof

Der Bauantrag zur Sanierung des Wiesauer Bahnhofs mit Gestaltung des Umfelds ist genehmigt. Freuen darf sich auch die Jugend – nach kontrovers geführter Diskussion im Gemeinderat.

Die finalen Pläne für die Sanierung und Neugestaltung des künftigen Kulturbahnhofs erläuterte der Weidener Architekt Uwe Reil (stehend). Mit im Bild Marktrat und Dritter Bürgermeister André Putzlocher (CSU).
von Werner RoblProfil

Architekt Uwe Reil erläuterte die Details zu den Umbauplänen am Bahnhofsareal und gab bekannt: Eingebunden ist jetzt auch ein Jugendzentrum. Es ist ein langgehegter Wunsch der Jugend, sich an einem geeigneten Ort treffen zu können. Die von Marktrat Oliver Sturm (CSU) bereits vor geraumer Zeit angestoßene Forderung kann nun verwirklicht werden. Dies bestätigte der Weidener Architekt Uwe Reil vom Planungsbüro "SHL Architekten" am Donnerstag bei der Gemeinderatssitzung im Rathaus.

Um das 70 Quadratmeter große Jugendzentrum verwirklichen zu können, ist ein Neubau nötig. Das künftige Gebäude (mit einer kleinen Teeküche) soll – von der Gleisseite gesehen - rechts des Wiesauer Bahnhofs entstehen. Darüber freuten sich besonders der Jugendbeauftragte Florian Distner und sein Gemeinderatskollege Oliver Sturm von der CSU. Jahrelang habe man um einen Treffpunkt für die Heranwachsenden geworben. „Endlich ist er in Planung“, kommentierte Sturm das neue Gebäude.

Idee verteidigt

Dazu kritisch, aber nur was den Standort, nicht aber den Treff an sich betrifft, äußerte sich Harald Gleißner von den Freien Wählern. „Warum am Bahnhof?“ Der FW-Marktrat vertrat die Meinung, dass man das Jugendzentrum zum Beispiel auch in das Sportzentrum hätte mit einbinden können. Oliver Sturm und Florian Distner verteidigten die Idee, in Bahnhofsnähe zu bauen, entschieden. Übereinstimmend vertraten sie die Ansicht, dass sich die Jugend genau dort, nämlich am Bahnhof treffen sollte. Andere Standorte lehnten Sturm und Distner ab. „Das Jugendzentrum darf nicht irgendwo an der Gemeindegrenze oder in irgendeinem Keller entstehen.“ Es sei zu begrüßen, dass die Jugend „im Ort bleiben kann“ und „nicht an einen Ort an der Gemeindegrenze oder gar in ein Industriegebiet verwiesen wird“.

Zweiter Bürgermeister Michael Dutz, der die Sitzung leitete, schob nach, wie wichtig das Jugendzentrum sei und sich die jungen Leute dann nicht mehr im Freien treffen müssten. Die Jugend solle sich wohlfühlen und aufgehoben wissen. „Wir haben dafür jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen“, unterstrich Michael Dutz. Er empfahl: „Wir sollten den Grundgedanken 'Treffpunkt für die Jugend' rasch ins Laufen bringen.“ Erkennen ließ der stellvertretende Gemeindechef auch, dass man sich bereits mit anderen Kommunen ausgetauscht habe, um auszuloten, wie das künftige Angebot organisiert werden könnte.

„Planerisch gut gelöst“

Als gewichtiges Argument für den Treff beim Bahnhof – „die Lage dort ist gut“ - brachte Florian Distner auch die bestehenden Bus- und Zugverbindungen ins Spiel. Unterstützung folgte danach von FW-Marktrat Thomas Streber: „Ich sehe das positiv. Die Sache ist planerisch gut gelöst.“ Architekt Uwe Reil empfahl, für die Hausschlüssel eine Kaution festzulegen. Der Treff sollte eigenverantwortlich geführt werden, ergänzte der Architekt. Zudem warb Reil für eine Beaufsichtigung während der Veranstaltungen. Thomas Weiß, Geschäftsleiter im Rathaus, betonte: „Man sollte sich aber von dem in seinen Augen etwas hoch gegriffenen Ausdruck Jugendzentrum verabschieden.“ Weiß schlug vor, dass man eher von einem Jugendtreff sprechen sollte.

Bereits vor dieser Debatte wurden die finalen Pläne für die Umgestaltung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes zu einem Kulturbahnhof vorgestellt. Gedanklich wanderte Architekt Uwe Reil vom Keller bis hinauf zum Dachgeschoss, um bereits Bekanntes, aber auch die verfeinerten Planungsdetails ins Blickfeld zu rücken. Wesentliche Änderungen gab es nicht. Die Ursprungsideen blieben unverändert. Zur Sprache kamen aber die von der Deutschen Bahn AG (früher Deutsche Bundesbahn) verlegten technischen Leitungen. „Derzeit laufen Gespräche mit dem Kompetenzzentrum Bau der Bahn AG“, informierte Thomas Weiß. Der Geschäftsleiter versicherte: „Die Verantwortlichen machen sich bereits Gedanken.“ Eine von Marktrat Franz Dürrschmidt (FW) aufgeworfene Frage war damit abgehakt. Als leider „nur bedingt lösbar“ bezeichnete Architekt Reil das Grundwasser-Problem in einem Teil des Kellers. Damit müsse man wohl leben, betonte der Fachberater. Reil verwies auf den Plan, der eine Bodenvertiefung vorsieht, um das Problem in den Griff zu bekommen. „In gewisser Weise steht der Bahnhof im Wasser“, bedauerte Uwe Reil mit einem Augenzwinkern.

Reil: Wie ein Schloss im Grünen

„Mit dem Kulturbahnhof entsteht zugleich auch ein schöner Ort. Eine neue Mitte in Wiesau.“ Zweifellos werde man dort gerne hingehen, mutmaßte Reil im weiteren Verlauf seiner Ausführungen. „Ähnlich einem Schloss im Grünen. Daneben entsteht ein Park.“ In die Pläne endgültig eingebunden wurden ein Gastronomie- und Bäckereibetrieb, Praxisräume, Bücherei mit Leseraum und ein Stuhllager. Zudem entstehen ein neuer Halt für die Omnibusse, eine Freianlage für Park & Ride und barrierefreie Toilettenanlagen. Komplett zurückgebaut werden die alten Lager- und Garagengebäude im Umfeld des Bahnhofs. Erhalten aber bleibt die historische Dachstuhlkonstruktion. Aktuell noch nicht klar ist aber, für welche Energieform man sich bei der Heizung entscheiden wird.

Nach den Öffnungszeiten der Gastronomie im Bahnhof erkundige sich Marktrat Franz Dürrschmidt. „Diese Frage werden wir den Pächtern überlassen. Wünschenswert wären längere Öffnungszeiten“, meinte dazu Geschäftsleiter Thomas Weiß. „Der Kulturbahnhof ist bereits am Plan ein Schmuckstück. Das wird er auch werden“, fasste Zweiter Bürgermeister Michael Dutz zusammen. Er bat um das Votum der Markträte. Einstimmig wurde das Bauvorhaben „Kulturbahnhof mit städtebaulichem Umgriff“ der Marktgemeinde Wiesau dann auf den Weg gebracht. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erklärte Zweiter Bürgermeister Michael Dutz: „SHL hat die Thematik sehr gut umgesetzt.“ Man sei begeistert. Dutz: „Wir freuen uns auf den neuen Kulturbahnhof.“

Hier finden Sie weitere Informationen zum künftigen Kulturbahnhof Wiesau

Wiesau
Im Blickpunkt:

Wiesau erhält eine Million Euro Stabilisierungshilfe

Über einen aus Sicht der Gemeinde erfreulichen Aspekt berichtete Michael Dutz am Ende der Gemeinderatssitzung. „Der Markt Wiesau erhält eine Million Euro Stabilisierungshilfe“, informierte er über den aktuellen Beschluss des Vergabeausschusses. „Die Mühlen mahlten gut“, unterstrich der Zweite Bürgermeister. Man sei mit rund 1,3 Millionen Euro ins Rennen gegangen, erinnerte er an den von der Verwaltung ausgearbeiteten Förderantrag. Angesichts der bevorstehenden Maßnahmen und der möglichen Schuldentilgung sei die staatliche Zuwendung sehr wichtig.

Entstehen wird der Treff für die Jugend auf dieser Fläche – im Norden des historischen Bahnhofgebäudes.
Aus dem Wiesauer Bahnhof soll ein Multifunktionsgebäude werden. Die überarbeiteten Pläne wurden am Donnerstag vorgestellt und einstimmig genehmigt.
Mit Blick auf den künftigen Kulturbahnhof sprach Architekt Uwe Reil von einer „neuen Mitte in Wiesau“.

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