10.10.2021 - 14:40 Uhr
WunsiedelOberpfalz

„Große Landstadt Fichtelgebirge“ löst sich auf

Das Ziel „Große Landstadt Fichtelgebirge“ ist in weite Ferne gerückt. Einige Mitglieder wollen dennoch die Idee des vereinten Fichtelgebirges weiter voranbringen. Die Arbeit soll in Form eines lockeren Clubs weitergeführt werden.

Die Vision von der „Großen Landstadt Fichtelgebirge“ hat schon vor einiger Zeit zu bröckeln begonnen. Jetzt zerfällt sie.
von Autor FPHProfil

Der Verein ist tot. Es lebe die Idee vom vereinten Fichtelgebirge. So in etwa lässt sich das Ergebnis der jüngsten Versammlung der Wählervereinigung „Große Landstadt Fichtelgebirge e.V.“ (GLF) zusammenfassen. Wie die Vereinigung mitteilt, wird der Verein aufgelöst. „Im Rückblick bestand Einigkeit, dass im bestehenden Rechtsgefüge der ursprünglich geplante Weg zur Umsetzung zu ambitioniert war“, heißt es in dem Schreiben. Auf Nachfrage der Frankenpost sagte Ewald Bauer, der „Beirat für besondere Angelegenheiten“ und einer der Vordenker war, dass immer mehr die Erkenntnis gereift sei, dass die politischen Strukturen nicht so einfach veränderbar seien und diese auch nicht ohne Weiteres wegfallen würden. „Die Landkreise als Zwischeninstanz werden wohl noch eine ganze Weile bestehen. Allerdings ist es durchaus realistisch, dass sich durch die zunehmende Digitalisierung gewisse Grenzen verschieben werden. Schon jetzt deuten die zahlreichen interkommunalen Projekte darauf hin.“

In der Tat gibt es seit einigen Jahren diese Tendenz im Landkreis Wunsiedel und darüber hinaus. Nicht jede Kommune muss heute das Rad neu erfinden, wenn es zum Beispiel um europaweite Ausschreibungen geht. Hierfür gibt es im Landratsamt eine zentrale Stelle, deren Fachexpertise sich alle angeschlossenen Kommunen bedienen können. Die GLF hingegen wollte nicht nur eine bessere Zusammenarbeit, sie wollte letztlich den Landkreis auflösen und an seiner Stelle eine Großstadt namens Fichtelgebirge setzen. Das Gebiet der neuartigen Großkommune sollte das gesamte Gebiet des Fichtelgebirges umfassen, also außer dem Landkreis Wunsiedel auch Teile der Kreise Tirschenreuth, Hof und Bayreuth.

Zu wenig Unterstützer

Mit dieser Idee stellte sich die Wählervereinigung bei der Kommunalwahl 2020 den Bürgern. Das Ergebnis ist bekannt: In der Stadt Wunsiedel – hier wollte die GLF in den Stadtrat – bekam sie lediglich 88 der erforderlichen 120 Unterstützerstimmen zusammen, die Voraussetzung sind, um überhaupt antreten zu können. Auf Kreisebene wollte der frühere Wunsiedler Zweite Bürgermeister und CSU-Mitglied Professor Matthias Popp Landrat werden. Er mobilisierte 209 Bürger, 340 hätten es sein müssen. Die Kreistagsliste überzeugte 216 Wahlberechtigte. Auch hier wären 340 notwendig gewesen.

160.000 Einwohner

Ewald Bauer sieht die Idee der Landstadt dennoch nicht als grundsätzlich gescheitert an, wenngleich er im Gespräch mit der Frankenpost die aus 40 Kommunen bestehende Großstadt – sie wäre mit einer Einwohnerzahl von 160.000 die viertgrößte in Bayern – nicht mehr erwähnt. Vielmehr geht es ihm und seinen Mitstreitern um den Gedanken der vereinten Region, die sich über enge Landkreisgrenzen hinaus definiert.

Zwei Knackpunkte haben laut Bauer letztlich zum Scheitern des politischen Projekts geführt: „Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, und fast alle fanden unsere Idee gut. Bei einer Veranstaltung in Bischofsgrün etwa war der Saal voll, und auch hier ernteten wir viel Zuspruch. Nur dass wir als eine politische Vereinigung auftraten, wenn auch zutiefst überparteilich, schreckte viele ab.“

Auch der Name Matthias Popp hat offenbar mehr Bürger verschreckt als animiert. Eine Entwicklung, die Bauer als sachlich nicht richtig bezeichnet. Allerdings kann er auch wieder nachvollziehen, dass Popp vor allem im Raum Wunsiedel noch immer polarisiert. Das „Kögi-Projekt“ und die Idee vom Pumpspeicherkraftwerk böten an den Stammtischen eben Stoff, sich zu ereifern.

Noch bevor Wunsiedel rein rechnerisch energieautark war, hatte Popp 2007/08 die Idee eines Pumpspeicherkraftwerks am Kösseinemassiv. Dazu hätte allerdings auch das Röslautal geflutet werden müssen. 2014 folgte „Kögi“, quasi der Vorläufer der Großen Landstadt. Kögi war der Arbeitsname des Oberzentrums, das Popp aus den Städten und Gemeinden rund um die Kösseine hat bilden wollen, also Marktredwitz, Wunsiedel, Waldershof, Bad Alexandersbad, Brand in der Oberpfalz, Ebnath, Nagel, Neusorg, Pullenreuth und Tröstau. Popp wollte gar einen Rathaussaal symbolträchtig auf dem 939 Meter hohen Kösseinegipfel bauen. Sogar eine Skizze präsentierte er einst.

Einstimmiger Beschluss

Bei der Hauptversammlung haben die Mitglieder einstimmig beschlossen, die Wählervereinigung „Große Landstadt Fichtelgebirge“ nicht einmal zwei Jahre nach ihrer Gründung im Dezember 2019 wieder aufzulösen. Anwesend war ein kleiner Kreis Interessierter. „Wir waren immerhin beschlussfähig“, sagt Ewald Bauer.

Wie geht es weiter? Nach wie vor sehen Bauer und mehrere Mitstreiter die Notwendigkeit, das Fichtelgebirge enger zu verzahnen. „Wir wollen nun das Zukunftsbild eines vereinten Fichtelgebirges weiter voranbringen und in der Politik dauerhaft im Gespräch halten. Bauer geht davon aus, dass „in einer erlebbaren Zeit“ die Politik eine Neuordnung der Gebietszuschnitte auf die Tagesordnung setzt. Den Begriff Gebietsreform nimmt der Wunsiedler bewusst nicht in den Mund. „Wir wollen weiterhin darauf hinarbeiten, dass es möglichst eine Neuordnung pro Fichtelgebirge wird.“ Nicht vorzustellen vermag sich Bauer, dass zum Beispiel die Landkreise Wunsiedel und Hof sowie die Stadt Hof in einen Landkreis Hochfranken vereinigt werden. „Die gewachsene Region Fichtelgebirge darf nicht zerschlagen und umliegenden Mittelstädten zugeschlagen werden, zu denen die Bürger kaum emotionale Beziehungen haben.“

Die Initiative von Landrat Peter Berek, den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge in Landkreis Fichtelgebirge umzubenennen, hält Bauer für eine geniale Idee, wünscht sich aber, dass früher oder später die anderen Fichtelgebirgskommunen dazukommen. Genau das allerdings sehen die Pläne von Landrat Berek nicht vor.

Die Fichtelgebirgshalle sowie der ehemalige "Wunsiedler Hof" und die dazugehörige Tiefgarage sind in neuen Händen

Wunsiedel

„Wir wollen weiterhin darauf hinarbeiten, dass es möglichst eine Neuordnung pro Fichtelgebirge wird.“

Ewald Bauer

 

 

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