09.11.2020 - 16:23 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Postraub zu Wunsiedel bereitet Polizei viel Arbeit

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Auf diese Zusatzarbeit hätten die Wunsiedler Polizisten sicherlich gerne verzichtet: Sie müssen die von einem Zusteller unterschlagene Post einscannen und zur Beweissicherung digitalisieren. Das sind mehr als 15.000 Briefe und Karten.

So fand die Polizei die unterschlagene Post in dem nicht genutzten Raum im Zustellstützpunkt Wunsiedel vor.
von Autor FPHProfil

Im Zeitraum zwischen 3. Oktober und 31. Dezember 2019 hat mutmaßlich ein Mitarbeiter des Postzustellstützpunktes Wunsiedel reihenweise Briefe und Päckchen unterschlagen und in einem nicht genutzten Raum im Betriebsgebäude deponiert. Nun ist die Polizei bei der Beweissicherung gefordert. „Damit sind momentan mehrere Kollegen beschäftigt. So aufwändig das auch ist, es gehört nun mal zur Polizeiarbeit dazu, egal ob bei uns oder bei der Kripo“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Wunsiedel, Hubert Schricker, im Gespräch mit der "Frankenpost".

Als ein Mitarbeiter die 31 Kisten mit Briefen und Päckchen entdeckte, informierte er umgehend die Polizei. Die Beamten der Wunsiedler Inspektion ermittelten den mutmaßlichen Täter innerhalb kurzer Zeit. Dabei stellte sich heraus, dass er schon einmal wegen des gleichen Vergehens polizeilich in Erscheinung getreten war.

„Wie sich herausgestellt hat, geriet der Zusteller Anfang dieses Jahres ins Visier der Polizei. Die erst jetzt entdeckte Tat war also die frühere“, sagt auf Nachfrage der Pressesprecher der Deutschen Post in Bayern, Erwin Nier. Der Mitarbeiter sei nicht mehr im Dienst. Nach der Anzeige aus diesem Jahr habe er sich krankgemeldet „und sich verdünnisiert“.

Die jüngst bekannt gewordene Unterschlagung von mehr als 15.000 Briefen und einigen Päckchen konnte dem Mann aufgrund der Empfänger-Anschriften eindeutig zugeordnet werden. Wie sich herausstellte, waren nicht nur der Zustellbezirk Tröstau, sondern auch einige in Wunsiedel und in Röslau betroffen.

Ein Zusteller hortete offenbar monatelang Post in einem nicht genutzten Zimmer

Wunsiedel

Laut Inspektionsleiter Hubert Schricker befinden sich etliche Schreiben von Behörden, etwa der Justiz, in der unterschlagenen Post. Noch lagert sie in der Wunsiedler Polizeiinspektion. „Da wird sie auch so lange bleiben, wie sie als Beweismittel benötigt wird. Wann wir sie freigeben können, vermag ich momentan nicht einzuschätzen“, sagt Schricker.

Wenn die Briefe und Päckchen demnächst weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft benötigt werden, kümmert sich wieder die Deutsche Post darum. „Wir werden alles sichten und die Briefe zusammen mit einem Entschuldigungsschreiben in einen Folienbeutel stecken und den Empfängern zustellen“, erklärt Erwin Nier. Bei den von dem Zusteller geöffneten und geleerten Päckchen müssen die Postmitarbeiter stärker in die Recherche einsteigen. „Wir setzen uns mit den Absendern und Empfängern in Verbindung, um den fehlenden Inhalt zu eruieren. Dies ist wegen des Schadensersatzes notwendig.“

Tatsächlich ist offenbar ein gehöriger Schaden entstanden. So sind in den Postkisten aller Wahrscheinlichkeit nach viele Rechnungen, für die, als sie nicht beglichen wurden, Mahn- und Säumniszuschläge fällig geworden sind. Die Folgen der Justiz-Schreiben sind ebenfalls noch nicht absehbar. Für den Schaden wird allerdings nicht die Deutsche Post aufkommen, da sie rechtlich nicht für die Unterschlagung verantwortlich ist. „Sicher werden sich einige Betroffene an uns wenden. Wir werden ihnen raten, zivilrechtlich gegen den Täter vorzugehen“, sagt Nier. Er sei sich sicher, dass der Fall einen ganzen Rattenschwanz an Klagen und Forderungen gegen den ehemaligen Zusteller nach sich ziehen werde.

Warum niemand der vielen Betroffenen bei der Post reklamiert hat, kann der Konzern-Sprecher nachvollziehen: „Wer einen normalen Brief oder vielleicht eine Glückwunschkarte bekommen hätte, der meldet sich nicht. Anders sieht es bei Empfängern von Päckchen aus. Wenn die erwartete Sendung nicht zugestellt wird, reklamieren die Betroffenen in aller Regel.“ Erwin Nier ist dennoch erstaunt, dass der Zusteller so lange unentdeckt Briefe und Pakete unterschlagen konnte. „Diese Dimension ist heftig. Zumindest hat der Täter die Post nicht einfach in den Wald gekippt. Die Sendungen sind alle noch in Ordnung.“

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