26.03.2021 - 16:04 Uhr
AmbergSport

Jonas Lindner in den USA: "Richtige Entscheidung, das Stipendium anzunehmen"

Seit zwei Monaten befindet sich Jonas Lindner, Spieler der DJK Gebenbach, aufgrund eines Fußball-Stipendiums in den USA. Zwei „Soccer“-Partien hat er dort bereits überstanden, jede Menge Schachpartien – und eine Corona-Infektion auch.

Jonas Lindner beim Training Ende Februar im Trainingstrikot der Monmouth Hawks. Da lag noch Schnee am Rande des Fußballfeldes.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

„Das ist der Riesenunterschied zu Deutschland. Wir trainieren hier seit Wochen, wir spielen schon wieder. Ich fühle mich hier nicht groß eingeschränkt.“ Hier: Das ist die Stadt West Long Branch im US-Bundesstaat New Jersey, rund eine Stunde Fahrzeit südlich von New York. Jonas Lindner, Fußballer des Bayernligisten DJK Gebenbach, hat dort seit Ende Januar ein Studium an der Monmouth University aufgenommen – dank eines Fußballstipendiums, das der 22-Jährige aus Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) erhalten hat. „Ich bin froh, dass ich gegen den Ball treten kann und nicht nur irgendwelche Läufe machen muss oder Krafttraining. Das macht richtig Spaß“, erklärt Lindner.

Zehn Tage Quarantäne

Weniger Spaß hatte er vor kurzem: „Wir werden jede Woche auf Corona getestet. Es gab auch schon positive Fälle“, räumt Lindner ein: Denn er selbst und zwei seiner Mitbewohner hatten sich Anfang März mit dem Virus angesteckt. Der Oberpfälzer wohnt zusammen mit einem weiteren Deutschen, Robin aus Landshut, Luke aus Schottland und Sebastian aus Costa Rica. Einzig der Schotte war negativ, denn dieser war bereits mit Astrazeneca geimpft. Jonas Lindner hatte zwei Tage lang Symptome, zwei Wochen habe es gedauert, bis alles vorüber war. „Diese zwei Tage war es nicht sehr angenehm, danach war es wie eine Erkältung“, schildert Lindner. Jetzt haben es alle überstanden. Zehn Tage befand sich das Trio in Quarantäne.

Ein eigener Trakt für Positive

An der Uni gibt es einen eigenen Trakt für Corona-Infizierte. Jeder, der positiv getestet wurde, muss in ein eigenes Zimmer. „Dreimal am Tag hat es an der Tür geklopft. Dann habe ich gewusst: Das Essen ist da“, sagt Lindner. Extrem langweilig war es, „unglaublich, diese zehn Tage in dem Zimmer.“ Da kann man schon auf die ausgefallensten Ideen kommen: „Ich habe viel Schach gespielt. Sebastian, der Costa-Ricaner, ist ein leidenschaftlicher Schachspieler. Ich habe das schon ewig nicht mehr gespielt. Da habe ich gedacht: Wenn eh’ nichts geht, dann lade ich mir halt eine App runter und spiel mit ihm“, erinnert sich der Fußballer.

Knapp zwei Monate befindet sich der Oberpfälzer in den USA, und dort ist alles ein bisschen anders als in seiner Heimat. „Alle Geschäfte haben offen, alle Restaurants, die Bars, die Fitnessstudios.“ Auf dem Campus der Monmouth University herrscht allerdings Maskenpflicht – aber keine FFP2-Masken, eine normale Stoffmaske genügt. „Es gibt hier eine Campus-Polizei, die das überwacht.“ In öffentlichen Gebäuden, Supermärkten und Restaurants müssen alle ebenfalls Maske tragen, ebenso in der Hörsälen der Uni bei den Vorlesungen. „Die Zahl der Studenten ist da aber limitiert, es sind maximal 20 im Unterrichtsraum“, erklärt Lindner. „Mir wurde gesagt, dass New Jersey von allen Staaten in den USA die striktesten Vorschriften hat“, sagt Lindner.

Bis Ende Mai, so wird es in den Nachrichten verbreitet, soll jeder erwachsene Amerikaner ein Impf-Angebot bekommen. „Die machen hier einen guten Job, was das Impfen betrifft. Bis zu zweieinhalb Millionen Leute werden pro Tag geimpft“, berichtet der 22-Jährige. Viel Zeit bleibt ihm aber nicht, um das Leben ausführlich zu genießen. Denn die Studenten seien sehr eingespannt mit Fußball und Uni. „Da ist alles durchgetaktet, alles bis ins Detail geplant“, sagt Lindner. Ein Ausflug zum nahe gelegenen Atlantik-Strand sei eher selten. Mit der gesamten Mannschaft war er bisher einmal in einem Restaurant, um sich gegenseitig abseits vom Fußballplatz kennenzulernen.

Zwei Spiele hat Jonas Lindner im Trikot der Monmouth Hawks bereits absolviert. Eines hat sein Team mit 5:0 gegen Manhattan gewonnen. „Ich hab mal nachgeschaut, das war tatsächlich mein erstes Spiel von Beginn an seit November 2019“, sagt Linder. Das zweite gegen Iona – den letztjährigen Meister – haben die Hawks in der Verlängerung per „Golden Goal“ verloren.

Andere Fußballregeln

„Die Regeln sind hier ein bisschen anders“, erklärt Lindner, der wie beim Bayernligisten DJK Gebenbach den „Sechser“ spielt, im defensiven Mittelfeld. „Wenn es nach 90 Minuten unentschieden steht, dann gibt es zweimal zehn Minuten Verlängerung, aber mit Golden Goal. Wer das erste Tor schießt, hat gewonnen. Wenn es nach 110 Minuten immer noch remis steht, dann bleibt das Unentschieden.“ Die Spielwertung ist aber gleich: Drei Punkte für den Sieg, egal ob regulär oder per „Golden Goal“, und ein Punkt beim Remis.

Nicht nur das ist anders als im Rest der Welt außerhalb der USA. Die Fußballmannschaften der Universitäten können auch fast beliebig ein- und auswechseln, mit ein paar Feinheiten, die es zu beachten gilt. „Deswegen ist hier alles viel athletischer, weniger taktisch. Immer Vollgas. Da geht es körperlich auch ordentlich zur Sache, wie in der Bayernliga halt auch.“ Durch die vielen Wechsel wird durchgehend gepresst, das Tempo ist bis zur letzten Minute gleich hoch. Lindner hat in beiden Partien bis auf drei Minuten durchgespielt – ein Zeichen, dass er bei den Trainern einen guten Eindruck hinterlassen hat. Sechs Tage in der Woche beherrscht Fußball den Tagesablauf, immer am Donnerstag und Sonntag sind Spiele angesetzt, bis auf Montag wird trainiert. „Das Niveau hier ist wie in der Bayernliga, wenn beide Mannschaften mit ihren Top-Spielern auflaufen.“ Es sei schon hart, und eine Umstellung, täglich zu trainieren und zweimal in der Woche zu spielen. Das werde sich die nächsten Wochen so durchziehen, in der Liga gebe es elf Mannschaften, die ersten Acht spielen anschließend die Play-offs, und der Sieger hieraus nimmt am „ganz großen“ NCAA-Tournament teil, so Jonas Lindner.

Momentan ist das „Lindner-Quartett“ in zwei Zwei-Bett-Zimmern untergebracht, demnächst soll jeder einen eigenen Raum bekommen. Die vier können ein gemeinsames großes Wohnzimmer nutzen, doch das kommt eher selten vor. „Die meiste Zeit sind wir auf dem Platz oder an der Uni“, erklärt Lindner.

Internationale Truppe

Auf dem Platz ist die Fußballmannschaft der Hawks international besetzt: Zwei Spieler aus Ghana, je einer aus Dänemark, Norwegen, Schottland und Costa Rica sowie die beiden aus Bayern. Die anderen sind Amerikaner. „Ich lerne viele neue Kulturen kennen, mein Englisch wird immer besser. Es war die absolut richtige Entscheidung, das Stipendium anzunehmen“, zieht Lindner ein erstes Fazit.

Jonas Lindner: Mit Fußball-Stipendium in die USA

Gebenbach
Hintergrund:

Monmouth University

  • private Universität in West Long Branch, New Jersey (USA)
  • gegründet 1933
  • Lage: Ca. eine Fahrstunde südlich von New York, eineinhalb Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt
  • 6000 Studenten
  • Areal umfasst etwa 700000 Quadratmeter, so groß wie 100 Fußballfelder
  • Angebot Sportarten: American Football, Baseball, Basketball, Bowling, Crosslauf, Feldhockey, Fußball, Golf, Lacross, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis
  • Mannschaftsname (in allen Sportarten gleich): Monmouth Hawks

 

 

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