Triathlon daheim: Schwimmen im Strohballen-Pool hinterm alten Kuhstall

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Auch die Corona-Pandemie kann Rainer Steuerl nicht stoppen. Nach der Absage der Challenge Roth organisiert der Ex-Fußballer des TuS Kastl seinen eigenen Triathlon. Für seine "Challenge Brünnthal" baut er sogar ein 25-Meter-Schwimmbecken.

Rainer Steuerl (rechts) sitzt auf einem Holzstoß vor seinem selbst gebauten Schwimmbecken.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Seit Monaten schon hatte Rainer Steuerl alles auf den 5. Juli ausgerichtet, das Training auf seinen Saisonhöhepunkt ausgelegt, seine Arbeit als Bezirkskaminkehrmeister bei Donauwörth so eingeteilt, dass er sein Vorbereitungsprogramm schafft. An diesem Sonntag wollte der 40-Jährige in Roth seinen ersten Langdistanz-Triathlon über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen absolvieren. Dann durchkreuzte das Coronavirus den Plan, sämtliche Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Auch der Wettbewerb in Roth. Für Steuerl stand trotzdem fest: "Ich mache meinen Langdistanz-Triathlon. Genau an diesem Tag. Statt der Challenge Roth dann eben die Challenge Brünnthal."

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Von der Bundesstraße aus Amberg kommend geht es rund zwei Kilometer vor Kastl (Kreis Amberg-Sulzbach) rechts weg, ein schmaler Weg, nicht viel breiter als ein Auto, schlängelt sich vorbei an Feldern, Wiesen und Wäldern. Naturidylle wie aus einem Tourismusprospekt. Nach ein paar Minuten erreicht man Brünnthal. Drei Häuser, sieben Einwohner, einige Kühe, ein paar Katzen - und seit einigen Wochen ein 25-Meter-Schwimmbecken.

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Ein Neuseeländer das Vorbild

"Radfahren und Laufen sind auch in Corona-Zeiten natürlich kein Problem", erzählt Rainer Steuerl. "Aber das Schwimmen." Das Freibad in Kastl hatte geschlossen, der nächste See ist zu weit entfernt. Die Idee, sich einen Pool selber zu bauen, kam dem 40-Jährigen, der fast 20 Jahre lang in der ersten Mannschaft des TuS Kastl spielte, und seit vier, fünf Jahren auf dem Triathlon-Trip ist, beim Internet-Surfen. Dort sah er das Foto eines Triathleten aus Neuseeland vor einem selbst errichteten Becken.

"Einen Tag habe ich überlegt und geplant, ein, zwei Freunde gefragt, die beruflich mit Statik zu tun haben. Dann haben wir losgelegt." Mit der Hilfe von Vater Gert und den Nachbarn Norbert und Johannes Bleisteiner entstand innerhalb von neun Stunden das Trainings- und Wettkampfbecken.

Gartenschläuche laufen 24 Stunden

"Das Wichtigste ist der Platz", sagt Rainer Steuerl. Den hat er neben seinem Wohnhaus, direkt hinter dem alten Kuhstall. Mit zwei, drei Kubikmetern Sand wurde der Untergrund geebnet. Der Nachbar lieh ihm Strohballen, jeder zweieinhalb Meter breit, die im Rechteck aufgestellt wurden. Zehn auf jeder Längsseite, je einen quer an den Stirnseiten. "Über das Ganze kamen dann 300 Quadratmeter schwarze Silofolie", erzählt Steuerl. Um zu verhindern, dass der Wasserdruck die Ballen wegschiebt, stabilisierten die Poolbauer die Konstruktion mit 24 Gitterboxen voll Brennholz und 15 Paletten mit Dachziegeln und Pflastersteinen. Zwei Gartenschläuche liefen dann fast 24 Stunden und füllten rund 55000 Liter Wasser in das 25 Meter lange, knapp zwei Meter breite und zwischen 90 Zentimeter und 1,20 Meter tiefe Becken.

Warum macht man das? Rainer Steuerl lacht. "Weil es Spaß macht. Und weil man halt bisschen einen Schlag hat." In seinem Pool konnte er jetzt auch die im Trainingsplan von Coach Gerhard Budy vorgegebenen Schwimmeinheiten absolvieren. Und auch die Generalprobe gelang: Am 24. Mai absolvierte Steuerl den Ingolstadt-Triathlon über die Mitteldistanz (1,9/90/21 km) als Brünnthal-Triathlon, am Sonntag will er sich nun den Traum von seiner ersten Langdistanz erfüllen.

152 Bahnen

Punkt 6.30 Uhr wird er in seinen Strohballen-Pool hinter dem alten Kuhstall springen. 76 Bahnen hin, 76 Bahnen zurück. Mit dem Rad geht es anschließend Richtung Kastl durch das Lauterachtal, dann das Vilstal hinunter bis kurz vor Kallmünz, um den Truppenübungsplatz Hohenfels über Velburg und Lauterhofen zurück nach Brünnthal, die gleiche Runde nocheinmal und nach den 180 Kilometern auf dem Rad mit 1282 Höhenmetern in Laufschuhen weiter auf eine 14-Kilometer-Runde an der Lauterach entlang nach Kastl und von dort zurück nach Brünnthal, die er dreimal zurücklegen muss. Sein Ziel: "Ich peile elf Stunden an. Aber ob ich das schaffe, weiß ich nicht..."

Abbau im Herbst

Was er aber sicher weiß: Nach der Zielankunft geht es noch einmal in den Pool: "Dann nehme ich mir einen Stuhl und setze mich ins Wasser." Bis in den Herbst soll das Schwimmbecken stehen bleiben, ehe es wieder abgebaut wird. "Irgendwann braucht der Nachbar ja seine Strohballen wieder."

Einen Tag habe ich überlegt und geplant, ein, zwei Freunde gefragt, die beruflich mit Statik zu tun haben. Dann haben wir losgelegt.

Rainer Steuerl

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