05.08.2020 - 18:47 Uhr
SchwandorfSport

René Vollath über sein Uerdingen-Aus und die Pläne mit Türkgücü

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Fußball ist ein hartes Geschäft. Doch das, was René Vollath in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten mitgemacht hat, toppt einiges. Der Torwart aus Schwandorf blieb aber immer fair.

Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny (rechts) und Kaderplaner Roman Plesche (links) mit René Vollath.
von Josef Maier Kontakt Profil

Am Sonntag der Tiefschlag, am Dienstag der Höhenflug: Am Sonntag teilte Drittligist KFC Uerdingen René Vollath (30) überraschend mit, dass der Vertrag nicht verlängert wird, zwei Tage später unterschrieb der Torwart aus Schwandorf einen Einjahresvertrag beim Drittliga-Neuling Türkgücü München. Der Oberpfälzer in den Oberpfalz-Medien mit einem Rück- und Ausblick ...

ONETZ: Sie haben am Mittwoch das erste mal mit dem Team trainiert. Wie war's?

René Vollath: Wir hatten schon am Dienstagabend ein schönes Mannschaftsessen: Präsident, Mannschaft, Betreuer, das ganze Team. Ich kenne ja noch einige Spieler von früheren Stationen. Die sind alle supernett.

ONETZ: Sie haben turbulente Tage hinter sich ...

René Vollath: Ja, die letzten Tage waren wirklich sehr, sehr intensiv. Es ging alles extrem schnell. Mit Türkgücü war ich schon im März lose in Kontakt, aber ich bin schon davon ausgegangen, dass es in Uerdingen weitergeht. Wir hatten das klar so besprochen und der Trainer wollte mich auch haben ...

ONETZ: Und dann kam der Sonntag ...

René Vollath: Das war schon sehr, sehr überraschend, als mir mitgeteilt wurde, dass der Vertrag doch nicht verlängert wird. Danach ging aber alles mit Türkgücü sehr schnell. Gefühlt ist der Vertrag in 24 Stunden zustandegekommen.

ONETZ: Wie gehen Sie mit solchen Tiefschlägen wie in Uerdingen um?

René Vollath: Ich weiß ja, wie das Geschäft läuft. Aber in dem Fall hat mich das schon, vorsichtig formuliert, sehr irritiert, was da am Sonntag war. Die Situation im Sommer und dann im Saisonverlauf war ein riesiges Auf und Ab. Von meinen bisherigen Profijahren war es bisher das Härteste. Aber die harte Arbeit hat sich am Ende gelohnt. Wenn man sich in solchen Phasen hängen lässt oder die Schuld bei anderen sucht, dann kann man schwerer wieder aufstehen. Ich kann in den Spiegel schauen, denn ich habe mich immer korrekt verhalten. Jetzt freue ich mich einfach auf die neue Herausforderung.

ONETZ: Ist das Thema Uerdingen damit abgehakt?

René Vollath: Abgehakt, das würde es nicht treffen. Das wäre nicht ehrlich. Dafür war die Situation zu speziell. Aber jetzt bin ich hier in München und fokussiert auf meine neue Aufgabe. Aber es dauert schon noch zwei, drei Tage, bis ich das verdaut habe.

ONETZ: Mit dem Wechsel sind Sie jetzt auch wieder näher an Ihrer Oberpfälzer Heimat ...

René Vollath: Ja und Nein. Meine Mutter in Schwandorf ist ja leider Anfang des Jahres verstorben. Mein großer Bruder wohnt mittlerweile in der Nähe von Nürnberg, nur mein kleiner Bruder Ralf ist noch in Schwandorf. Meine Frau Annkatrin und ich halten es immer so, dass dort, wo wir leben, unsere Heimat ist. Und das ist jetzt München.

ONETZ: Stichwort München: In der dritten Liga wartet ja dort eine kleine Stadtmeisterschaft auf Sie: 1860, Türkgücü, Unterhaching und die kleinen Bayern ...

René Vollath: Bei dieser Konstellation geht es sicherlich rund. Auf diese Liga bin ich total heiß.

ONETZ: Türkgücü kannte in den vergangenen Jahren nur den Weg nach oben. Wie schauen die weiteren Ambitionen aus?

Rene Vollath: Türkgücü ist ein ambitionierter Verein, aber natürlich ist das erste Ziel der Klassenerhalt. Es ist doch völlig vermessen zu sagen, wir starten durch. Die dritte Liga ist ein heißes Pflaster. Dresden ist runtergekommen, Wehen auch. Da gibt es jede Menge Traditionsvereine.

ONETZ: Ihr Torwarttrainer wird Michael Hofmann, der ehemalige Löwen- und Jahn-Keeper, sein. Kennen Sie sich?

Rene Vollath: Ich kenne ihn schon länger. Wir haben ja auch schon gegeneinander gespielt. Ich bei Wacker Burghausen, er beim SSV Jahn. Wir standen zuletzt schon ein bisschen in Kontakt

ONETZ: Hat er beim Wechsel nachgeholfen?

Rene Vollath: (lacht) Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke, er hat seine Meinung gesagt. Ich denke, wir sind ein sehr gutes Torwart-Team dort.

Der Artikel zum Vollath-Wechsel

Schwandorf

ONETZ: Ihr früherer Förderer Günther Kohl (Ex-Keeper des FC Amberg, der SpVgg Weiden und des TuS Rosenberg) hat sich besonders über den Wechsel gefreut. Wie ist der Kontakt zu ihm?

René Vollath: Mit Günther stehe ich regelmäßig in Kontakt. Wir reden über all meine Spiele und auch über alles andere im Leben.

ONETZ: In Ihren Profijahren beim KSC haben Sie auch mit der Schiedsrichterei angefangen. Sieht man Sie noch an der Pfeife?

René Vollath: Mit dem Wechsel nach Krefeld ist das in den Hintergrund getreten. Ich habe dann mit meiner Frau auch noch ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie begonnen, da ist jetzt kaum noch Zeit. Schiedsrichter werde ich auch in München nicht mehr sein.

ONETZ: Auf zwei Spiele dürften Sie sich in der neuen Saison ganz besonders freuen, Auf die Partien gegen Uerdingen ...

René Vollath: Auf jeden Fall. Tom Boere, mein Kollege in Uerdingen, ist ja auch zu Türkgücü gewechselt. Wir sind beide extrem heiß.

Zur Person:

Das ist René Vollath

René Vollath wurde am 20. März 1990 in Amberg geboren, seine Familie stammt aus Schwandorf. Als kleiner Bub begann er das Fußballspielen beim FC Linde Schwandorf und wechselte danach zum 1. FC Schwarzenfeld. Mit 15 Jahren ging er ins Fußballinternat des 1. FC Nürnberg. In der Zeit beim Club wurde er auch in Junioren-Auswahlmannschaften des DFB berufen. Mit der deutschen U17 belegte er bei der WM 2007 in Südkorea den dritten Platz. Noch in der A-Jugendzeit schloss sich der Oberpfälzer der TSG Hoffenheim an. Danach folgte die Zeit bei Wacker Burghausen (2010 bis 2013) und dem Karlsruher SC (2013 bis 2017). In den vergangenen drei Jahren war er beim KFC Uerdingen, stieg mit dem Verein in die dritte Liga auf. Anfang August wurde der Wechsel zu Türkgücü bekanntgegeben. Zeitweise war er auch als Schiedsrichter im Amateurbereich tätig.

Rene Vollath ist Sohn von Richard Vollath, der Anfang der 1980er Jahre einige Profispiele für den 1. FC Nürnberg und den FC Augsburg bestritt. Auch für die SpVgg Weiden ging der Stürmer auf Torjagd.

Von meinen bisherigen Profijahren war es bisher das Härteste.

René Vollath

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